Züchter von Sikawild aus Prambachkirchen kämpfen um ihre Zukunft
PRAMBACHKIRCHEN. Bernadette und Markus Watzenböck halten in Prambachkirchen auf elf Hektar rund 75 Sika-Hirsche und Hirschkühe. Ein drohendes EU-Verbot könnte für die Wildtierzüchter hohe Kosten verursachen. Als Obfrau des Wildtierhalterverbandes Oberösterreich und Salzburg setzt sich Bernadette Watzenböck für eine Ausnahmeregelung für bestehende Gehege ein.

Die EU hat das ursprünglich aus Ostasien stammende Sikawild auf die Liste der invasiven gebietsfremden Arten gesetzt. Nach einer Übergangsfrist wird die Haltung und Zucht ab August 2027 untersagt. Die EU befürchtet, dass Tiere entkommen und dadurch heimisches Rotwild verdrängen oder sich mit diesem kreuzen könnten.
Bei den Watzenböcks ist noch nie ein Tier entlaufen. „Wenn ich jetzt das Gatter aufmachen würde und es geht mir einer raus, der geht nach einer halben Stunde wieder rein. Der weiß ganz genau, erstens hat er da drin sein Futter, das immer verfügbar ist und er hat seine Freunde da drinnen“, erklärt Bernadette Watzenböck. Eine Gefahr der Kreuzung mit Rotwild sieht sie nicht, da die Brunftzeiten von Sikawild und Rotwild unterschiedlich seien.
Zucht ist gefährdet
Seit Anfang 2018 baut die Familie ihren Bestand auf. Nun könnte das drohende EU-Verbot die weitere Zucht gefährden. „Für uns heißt das, wenn wir das jetzt wirklich nicht hinkriegen, einen immensen finanziellen Schaden“, sagt Watzenböck. Sie schätzt den Schaden auf 70.000 bis 80.000 Euro. Eine Umstellung auf Damwild sei zwar theoretisch möglich, aber mit hohen Kosten verbunden. Außerdem fehle es an ausreichend Zuchttieren. Die Sika-Zucht in Prambachkirchen begann 2018 mit drei Tieren und einem Hirsch. Mittlerweile umfasst das Gehege elf Hektar. Damit ist es laut Watzenböck größer als viele andere Wildgehege. Die meisten hätten eine Fläche von zwei bis fünf Hektar.
Biologische Haltung
„Da sieht man, wie lange das dauert, bis man eine Herde tatsächlich aufbaut und dass man einen Bestand zusammenkriegt, mit dem man arbeiten kann“, sagt sie. Die Familie hält ihre Tiere biologisch. Daher dürfen pro Hektar zehn erwachsene Tiere gehalten werden. Bei konventioneller Haltung sind es 20 Tiere.
Ein Grund für die Entscheidung zugunsten von Sikawild sei dessen Verhalten. „Das Sikawild ist einfach ruhiger“, sagt die Züchterin. Im Vergleich zu Damwild sei es weniger flüchtig. Auch bei Hitze habe sich das Sikawild aus ihrer Sicht heuer besser gehalten.
Die Tiere werden auf der Weide gehalten. Sie bekommen Gras und Heu, kein Kraftfutter und keine Silage. Watzenböck beschreibt die Haltung als reine Grünlandverwertung. Aktuell bekommen sie auch sehr viel Obst, beispielsweise Äpfel.
Die Schlachtung erfolgt direkt am Hof. Ihr Mann schießt die Tiere auf der Weide. Die Familie verfügt über einen EU-zertifizierten Schlachtraum. Nach dem Schlachten hängen die Tiere einige Tage ab. Ein Metzger übernimmt anschließend die weitere Zerlegung. Die küchenfertige Verarbeitung erledigen Watzenböck und ihr Mann gemeinsam.
Verkauf ab Hof
Das Fleisch wird überwiegend direkt am Hof verkauft. Ganze Stücke gehen auch an die gehobene Gastronomie in Wien.
Sikawildfleisch ist gesund, fettarm, eisenhältig und vielseitig verwendbar. Neben klassischen Braten und Ragouts bereitet die Familie auch gekochten Hirsch, faschierte Laibchen oder Bowls zu. „Wir kochen einfach alles aus dem Hirsch“, sagt Markus Watzenböck: „Auch Spaghetti und Lasagne.“ Die Preise für Sikawildfleisch seien grundsätzlich mit jenen für anderes Wild vergleichbar.
In Österreich gibt es laut Watzenböck rund 250 Sikawildbetriebe. In Oberösterreich seien es gut 60. „In der Region Eferding/Grieskirchen gibt es eine Handvoll“, erklärt sie.
In den vergangenen zehn Jahren sei die Zahl der Mitglieder im oberösterreichischen Wildtierhalterverband von rund 270 auf etwa 370 gestiegen.
In Österreich werden pro Kopf ungefähr ein halbes bis 0,6 Kilogramm Wildfleisch im Jahr gegessen. Die heimische Produktion und die Jägerschaft könnten laut Watzenböck nicht einmal die Hälfte des Bedarfs decken. Deshalb werde Wildfleisch unter anderem aus Spanien, Polen und Neuseeland importiert.
Schwere Folgen des Verbots
Watzenböck will die Öffentlichkeit über die Folgen des drohenden Verbots informieren. Sie betont, dass die Haltung im Gehege aus ihrer Sicht nicht mit der Situation freilebender Tiere gleichzusetzen sei. Watzenböck kritisiert, dass die EU bei der Verordnung vor allem freilebende Tiere betrachtet habe. Die Auswirkungen auf die Haltung in Gehegen seien aus ihrer Sicht nicht ausreichend berücksichtigt worden. „Wir bemühen uns als Verband sehr, dass wir eine Ausnahmeregelung kriegen.“ Die Züchterin hofft nun auf eine rasche Entscheidung in Brüssel. Eine Ausnahme für bestehende Gehege wäre für die Betriebe zunächst eine Möglichkeit, ihre Arbeit fortzusetzen. Parallel dazu wolle der Verband weiter daran arbeiten, die Verordnung aufzuheben.
Von den 250 Sikawildbetrieben in Österreich haben 203 einen Antrag auf eine Ausnahmeregelung gestellt. Der Verband beziffert den möglichen finanziellen Schaden für die österreichischen Betriebe mit rund 30 Millionen Euro.








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