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EFERDING/GRIESKIRCHEN. Ein Mann wurde nach 16 Jahren gekündigt. Um seine Endabrechnung prüfen zu lassen, wandte er sich an die Arbeiterkammer (AK), wo die Rechtsexpertin feststellte, dass ein Teil der Abfertigung fehlt. Der Mann war noch im System „Abfertigung alt“, das für alle Arbeitsverhältnisse gilt, die vor dem 1. Jänner 2003 abgeschlossen wurden. Laut gültigem Recht hätte er Anspruch auf sechs Monatsentgelte Abfertigung gehabt – und zwar unter Berücksichtigung von Zulagen, Überstunden und Prämien. Die Abrechnung erfolgte aber nur auf Basis des Lohnes. Die AK intervenierte und die Firma musste dem Mann die entstandene Rechnungsdifferenz von 1560 Euro nachzahlen.
 

  1 / 2   Nach über 20 Jahren als Leiter der AK Eferding hat sich Franz Brutter (Mi.) in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. In seine Fußstapfen ist Werner Wagnest (l.) getreten. Die letzte Bilanz zog man gemeinsam. Foto: Heindl

Endabrechnungsdifferenzen, offene Löhne, unterkollektivvertragliche Entlohnung, nicht bezahlte Überstunden – die AK war auch 2015 wieder im ständigen Einsatz für die Arbeitnehmer. 3898 Mitglieder wandten sich im Vorjahr mit arbeits- und sozialrechtlichen Fragen an die AK Eferding, in der AK Grieskirchen waren es 4929. Oftmals ist es mit einer Beratung leider nicht getan und es kommt zur Vertretung. So erkämpfte die AK Eferding 2015 für ihre Mitglieder 1.422.109 Euro, die AK Grieskirchen brachte es auf 2.167.988 Euro.

Beratung ja, Vertretung nein

Ein zentrales Thema ist die steigende Arbeitslosigkeit. Im Jahresdurchschnitt waren im Bezirk Eferding 718 Personen (+ 2,9 Prozent zum Vorjahr), im Bezirk Grieskirchen 1679 Personen (+4,7 Prozent zum Vorjahr) arbeitssuchend. Landesweit ist die Zahl der Arbeitssuchenden um 5,4 Prozent gestiegen. Die Arbeitslosenquote liegt in beiden Bezirken mit 4 Prozent in Eferding und 4,7 Prozent in Grieskirchen zwar unter dem Landesdurchschnitt (6,1 Prozent), trotzdem merkt man in den AK-Bezirksstellen eine enorme Verunsicherung. „Die Arbeitnehmer machen sich zunehmend Sorgen um die wirtschaftliche Entwicklung und ihre persönliche Situation. Die Beschäftigten agieren zaghafter, lassen sich oft nur beraten und verzichten dann aus Angst um den Job darauf, ihre Ansprüche einzufordern“, sind sich die Bezirksstellenleiter Elisabeth Marschalek aus Grieskirchen und Werner Wagnest aus Eferding einig. „Über 90 Prozent der Arbeitnehmer, die wir vertreten, befinden sich nicht mehr in einem aufrechten Dienstverhältnis“, ergänzt der Stellvertretende Direktor der AK OÖ, Franz Molterer, und weiter: „Unsere Rechtsexperten haben im vergangenen Jahr beispielsweise etwas mehr als 600 telefonische Beratungen pro Tag durchgeführt. Wir haben also eine sehr genaue Vorstellung davon, wo die Menschen der Schuh drückt.“

Dazu gehört auch das stagnierende Einkommen. Das Medianeinkommen der im Bezirk Eferding arbeitenden Beschäftigten beträgt 1806 Euro. Das heißt, die Hälfte verdient mehr, die andere Hälfte weniger. Das landesweite Medianeinkommen liegt bei 2147 Euro. Damit liegt Eferding im oö-weiten Bezirksranking auf dem drittletzten Platz. Noch schlechter sieht es für die männlichen Arbeitnehmer mit einem mittleren Einkommen von 2193 Euro brutto monatlich und dem letzten Rang im Bezirksranking aus. Das mittlere Einkommen der Frauen im Bezirk Eferding liegt bei 1357 Euro und dem 13. Rang. Besser sieht es im Bezirk Grieskirchen aus. Hier liegt das Medianeinkommen bei 2048 Euro. Das mittlere Einkommen der Arbeitnehmerinnen liegt mit 1432 Euro brutto monatlich auf dem elften von 18 Rängen oberösterreichweit, jenes der männlichen Arbeitnehmer belegt mit 2404 Euro Platz zwölf.


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