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EGGENBURG. Die Sonderausstellung „50 Jahre archäologische Grabungen in Gars-Thunau“ wird am 17.Mai um 11 Uhr im Krahuletz-Museum eröffnet und ist bis Mitte 2016 zu sehen.
 

Ausgrabungsarbeiten in Thunau*Foto: Tourismusinformation Eggenburg
Ausgrabungsarbeiten in Thunau*Foto: Tourismusinformation Eggenburg
Die Ausgrabungen in der Gemeinde Thunau am Kamp sind eines der am längsten laufenden Forschungsprojekte in Österreich. Im Jahr 1965 begannen Mitscha-Märheim und sein damaliger Assistent und späterer Nachfolger Herwig Friesinger mit ersten planmäßigen Untersuchungen auf dem „Schanzberg“. In den Folgejahren konnte eine umfangreiche befestigte Höhensiedlung archäologisch dokumentiert werden. Erste Nutzungsspuren stammen aus der späten Jungsteinzeit. In der späten Bronzezeit wurde die dichte Ansiedlung durch einen massiven Abschnittswall befestigt. Danach folgten geringere Aktivitäten in der Eisenzeit und der Spätantike/Völkerwanderungszeit. Im Frühmittelalter (9. und 10. Jahrhundert) ist die letzte große Siedlungsphase auf dem „Schanzberg“ anzusetzen. Der Höhenzug wurde mit einem massiven Holz – Erdwall mit Trockenmauer befestigt. Daneben treten auch deutliche Spuren einer lokalen Elite hervor, die in einem abgegrenzten Herrenhof residierte und das Zentrum sowie das Umfeld verwaltete. Der hier entdeckte Friedhof mit über 200 Gräbern zeigt auch qualitativ höherwertig ausgestattete Bestattungen, die der Führungsschicht zugeordnet werden können. Im Tal am Fuß des „Schanzberges“ lag ein ausgedehntes, bereits seit 1872 bekanntes, Gräberfeld. Erste Ausgrabungen fanden durch Johann Krahuletz in Zusammenarbeit mit Josef Szombaty im Zuge des Kamptalbahnbaues von 1887/88 statt und wurden unter anderem auch von Josef Höbarth fortgesetzt. Weitere Forschungen in der „Hinteren Thunau“ erfolgten 1975 und erbrachten neben Gräberresten erstmals auch Siedlungsbefunde. Nach Grabungen und Notbergungen der Jahre 1983 bis 1987 rückte die Talsiedlung 2004 wieder in den Mittelpunkt des Interesses und bildet seither einen weiteren Forschungsschwerpunkt in Thunau am Kamp. Zusammenfassend konnte seither neben Gräbern und diversen urgeschichtlichen Siedlungsnachweisen auch eine große frühmittelalterliche Vorburgsiedlung, die auf Produktion ausgerichtet war, nachgewiesen werden. Sie stellte die Verbindung zwischen dem Umland und der befestigten Höhensiedlung dar. Die heurige Sonderausstellung im Krahuletz-Museum widmet sich speziell diesen, eindrucksvollen Ergebnissen, die in den vergangenen 10 Jahren dokumentiert wurden. Es konnten zahlreiche ausgezeichnet erhaltene Grubenhäuser mit Feuerstellen und Backöfen freigelegt werden, in denen öfters noch die Tongeschirre und weiterer Hausrat lagen. Offenbar dienten die Häuser auch als Werkstätten, wie zahlreiche Funde von Geräten und besonders von Webgewichten andeuten. Neben dem Wohnbezirk gab es aber auch ein regelrechtes „Gewerbegebiet“, wo sich die Nachweise von Handwerk und Produktion konzentrieren. Die in 50 Jahren Forschung gewonnenen Ergebnisse zeichnen ein Bild eines am eingehendsten untersuchten und größten Zentralortes des 9. und 10. Jahrhunderts in Nordostösterreich.  

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