Advent, die große Zeit der Chöre und ihrer musikalischen Leiter
EMMERSDORF. Österreich – Land der Berge, Land der Chöre. Geschätzte 3000 Chöre kommen auf die 2100 Gemeinden unseres Landes. In der Vorweihnachtszeit machen viele Sangesgruppen Kirchen zu ihren Bühnen, um Ohren und Herzen auf die bevorstehende Weihnacht einzustimmen. Tips bat den Musiker Florian Neulinger zum Gespräch. Er leitet das Advent- und Weihnachtskonzert der Chorgemeinschaft Emmersdorf.

Zu Gesicht bekommt man Chorleiter meist erst am Ende eines Konzertes. Mit dem Rücken zum Publikum versuchen sie die Zuhörer musikalisch zu verzücken. Unter Einsatz von Gestik und Mimik sind sie für das musikalische große Ganze zuständig. Bei Auftritten gilt es die Früchte harter Probearbeiten einzuholen. Seit Oktober bereitet sich die Chorgemeinschaft Emmersdorf unter der Leitung von Florian Neulinger auf ihr Advent- und Weihnachtskonzert vor. Hinter Neulinger und seinen Sängern liegt eine intensive Probenphase. Auf die Frage, wie viele Stunden er als Chorleiter in die Vorbereitung investiert hat, hat Neulinger keine Antwort. Die Stunden, die für Stückauswahl, Notensuche, Konzepterstellung und Terminkoordination gebraucht wurden, bleiben ungezählt.
Eine Gratwanderung
„Es ist mir wichtig, dass kulturell etwas in meiner Heimatgemeinde passiert“, erklärt der 27-Jährige sein Engagement. Er bringt trotz seines jungen Alters reichlich musikalische Leitungserfahrung mit. Beim Emmersdorfer Advent- und Weihnachtskonzert gibt er das dritte Jahr in Folge den Takt an. „Ein schöner Klang ist das Ziel einer jeden Probe“, erzählt der ausgebildete Chorleiter und fügt an: „Ich möchte, dass meine Sänger in den Proben etwas lernen und danach mit einem guten Gefühl nach Hause gehen. Man muss die Chorsänger fordern, darf sie aber nicht überfordern. Das kann manchmal eine Gratwanderung sein.“ Schätzungen zufolge gibt es in Österreich auf 2100 Gemeinden verteilt rund 3000 Chöre.
Singen ist gesund
Dass Singen gesund ist und die Abwehrkräfte stärkt, gilt mittlerweile als erwiesen. Dem Spruch „Ich brauche keinen Therapeuten, ich singe im Chor“ kann Neulinger durchaus etwas abgewinnen. „Beim Musizieren geht es nicht nur um richtige Töne, sondern auch um Gefühl. Beim Chorsingen wird ein Gefühl gemeinsam in der Gruppe stimmlich zum Ausdruck gebracht. Das bedeutet, dass man etwas von sich selbst offenlegen muss. Wer in der Defensive bleibt, wird keinen schönen Klang erzeugen können“, erklärt der studierte Konzertfachorganist, der sich als musikalischer Allrounder bereits weit über die Gemeindegrenzen hinaus einen Namen gemacht hat. Seit seinen frühen Teenagerjahren drückt Neulinger als Organist die Kirchenbank und bringt in der örtlichen Blasmusikkapelle Luft in Posaune und Tenorhorn wohlklingend zum Schwingen. Seine Leidenschaft hat er zum Beruf gemacht – Proben und Konzertauftritte füllen heute seinen Alltag.
Sport mit der Stimme
„Pädagogische Fähigkeiten und didaktisches Wissen sind Grundvoraussetzungen, die ein guter Chorleiter haben muss“, weiß Neulinger, der auch als Instrumentallehrer tätig ist. „Geduld braucht es natürlich ebenso. Man darf als Chorleiter nicht müde werden, Dinge zu wiederholen. Manches kann man in Chorproben nicht oft genug ansprechen – etwa wenn es um eine deutliche Aussprache einer Textpassage geht.“ Nervös ist Neulinger vor Auftritten nicht mehr, aber fokussiert. Vor dem Betreten einer Bühne müssen Sänger den Körper gut aktivieren. Zwerchfell und Atmung werden mit verschiedensten Übungen auf den gesanglichen Einsatz vorbereitet. „Singen ist Sport mit Schwerpunkt auf die Stimme und kann körperlich sehr anstrengend werden“, erzählt der Emmersdorfer.
Das Ergebnis zählt
Kategorisierungen wie „Laienchor“ und „Profichor“ hört der Absolvent der Musikuniversität Wien nicht gerne. „Was zählt ist das musikalische Ergebnis. Die Musik muss beim Publikum einschlagen. Ob ausgebildete Sänger am Werk waren oder nicht, ist letztlich egal.“ Mit der Chorgemeinschaft Emmersdorf hat Neulinger unter anderem Werke von Samuel Scheidt und Heinrich Schütz einstudiert. Unterstützt werden die Sänger von vier Blechbläsern. Vergangenes Wochenende gab es die Emmersdorfer Stimmen in Maria Laach zu hören. Am kommenden Sonntag, 17. Dezember, möchten sie um 16 Uhr in der Pfarrkirche Emmersdorf ihr Publikum nochmals begeistern.


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