Wundsam: „Den Start in die Tourismussaison 2020 habe ich mir anders vorgestellt“
ENGELHARTSZELL/OÖ. Durch das Coronavirus sieht sich der heimische Tourismus mit einer der wohl größten Herausforderungen konfrontiert. Im Tips-Interview spricht Karin Wundsam, Obfrau der Werbegemeinschaft Donau OÖ (WGD OÖ), darüber wie die Tourismusbranche diese Krise meistern kann und wie in Zukunft der Tourismus aussehen wird.

Tips: Seit Anfang Februar hast du die Funktion der Obfrau der WGD OÖ inne und schon nach so kurzer Amtszeit stehst du vermutlich vor einer der größten Herausforderungen des heimischen Tourismus: Wie geht es dir dabei?
Karin Wundsam: Den Start in die Tourismus-Saison 2020 habe ich mir definitiv anders vorgestellt. Durch den Ausbruch des Coronavirus Covid-19 ist die ganze Welt fast zum Stillstand gekommen und ich habe auch Zeit gebraucht, um das Ausmaß zu begreifen. In den letzten Wochen ist mir immer mehr bewusst geworden, dass dieses Innehalten und zuhause bleiben unsere einzige Chance ist, so bald wie möglich - mit frischem Elan und vor allem gesund - wieder durchzustarten. Die Welt wird nach diesen Wochen, im schlimmsten Fall Monaten, eine andere sein und ich bin davon überzeugt, dass sich auch die Menschen verändern werden. Ich glaube, dass wir unsere Heimat an Inn und Donau und die Menschen, die hier leben und arbeiten, noch viel mehr wertschätzen werden als bisher. Allen, die jetzt dazu beitragen unser System zu erhalten und unser wertvollstes Gut – die Gesundheit – zu schützen, spreche ich meinen größten Respekt und Dank aus.
Tips: Wie sehen die aktuellen Tourismuszahlen aus?
Wundsam: Die Entwicklung der Nächtigungszahlen von November 2019 bis Februar 2020 war noch sehr erfreulich. Im Februar verzeichnete die Donau Oberösterreich ein Plus von 3,2 Prozent, die Zahlen vom März liegen noch nicht vor. Die Entwicklung zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und den wollen wir nach der Krise auch fortsetzen.
Tips: Liegt der Tourismus im Moment völlig still?
Wundsam: Im Grunde ja, aber wir haben in der Donauregion Oberösterreich zum Glück sehr viele innovative und aktive Betriebe, die sehr rasch auf Liefer- und jetzt auch Abholservice umgestellt haben. Natürlich ist das nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber ich glaube, die Bevölkerung nimmt diese Angebote sehr gerne an, um die Betriebe zu unterstützen. Seitens des Tourismusverbandes Donau Oberösterreich sind die Unternehmer aufgerufen, sich selber bei der Arbeit in den Betrieben (Putzen, Sanieren, Reparieren, Gartenarbeiten, ….) zu fotografieren und die Bilder zur Verfügung zu stellen. Diese Postings unter dem Motto: Was machen unsere Unternehmer in der Donauregion in Oberösterreich eigentlich jetzt? werden auf Facebook veröffentlicht, um für die Zeit danach Appetit zu machen – auch soll der Gutscheinverkauf angeregt werden. #Donauregion in Oberösterreich
Tips: Wie sieht es mit den vorläufigen Buchungen für 2020 aus?
Wundsam: Momentan sind alle vorsichtig, weil keiner weiß wie sich diese Pandemie mit den derzeitig gültigen Reisebeschränkungen noch entwickelt.
Tips: Wie sieht die Stornierungsrate 2020 aus?
Wundsam: Die Stornierungsrate der Kreuzfahrtschiffe ist enorm. Manche haben bereits die ganze Saison storniert, andere jetzt einmal bis Ende Juni. Wenn wir uns allerdings die weltweite Entwicklung und insbesondere die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in den USA anschaut, gehe ich davon aus, dass wir eine Stornierungsrate von bis zu 80 Prozent erreichen werden.
Tips: Was sind in der aktuellen Krisensituation die größten Herausforderungen für den Tourismus?
Wundsam: Die größten Herausforderungen aus meiner Sicht ist die Erhaltung unserer gesamten Infrastruktur, damit meine ich Gastronomie, Hotellerie, Gewerbebetriebe, Handel, aber auch Freizeit- und Kultureinrichtungen, Museen, Sehenswürdigkeiten, usw. Das wirtschaftliche Überleben all dieser Einrichtungen ist gleichzeitig die Erhaltung und Absicherung der heimischen Arbeitsplätze. Ich hoffe, dass jeder der jetzt seinen Job verloren hat, wieder an seinen Arbeitsplatz zurückkehren kann.
Tips: Wo liegen im Moment die Prioritäten bei der Arbeit für den heimischen Tourismus?
Wundsam: Die Marketingaktivitäten sind vorübergehend auf ein absolutes Minimum reduziert. Geplante Projekte der WG, z.B. Donauradweg reloaded oder des Tourismusverbandes , z.B. Einführung des elektronischen Meldewesens, werden nur im Bereich des absolut Notwendigen bearbeitet. Wichtig ist momentan vor allem die Kommunikation mit den Betrieben und die Information über Förder- und Hilfsmaßnahmen der Regierung und allfällige Unterstützung, wenn benötigt. Trotzdem ist es wichtig, jetzt schon Maßnahmen zu überlegen, in welcher Form die Gäste zum Urlaub in Österreich, OÖ und im Speziellen an der Donau gewonnen werden können. Infos: www.donauregion.at
Tips: Was werden in der Zeit direkt nach der Krise (wann auch immer das sein wird) die größten Herausforderungen für den Tourismus sein? Worauf wird dann euer Fokus liegen?
Wundsam: Gemeinsam mit dem OÖ Tourismus und auch mit der Österreich Werbung wird sich die Donauregion auf die Zeit nach der Krise vorbereiten. Es wird ein gemeinsames starkes Signal geben, um die Wertschöpfung für unsere Betriebe wieder anzukurbeln. Vor allem der heimische Markt wird eine große Rolle spielen, denn solange Einreiseverbote von und für andere Länder gelten, ist die Tourismusbranche und auch alle anderen Branchen auf die Unterstützung der österreichischen Bevölkerung angewiesen. Reisende aus anderen Ländern sind meiner Meinung nach erst wieder ab Herbst 2020 oder überhaupt ab 2021 zu erwarten.
Tips: Welche Maßnahmen gibt es seitens der Regierung, um den Tourismus zu unterstützen und reichen diese Maßnahmen aus? Woran fehlt es deine Meinung nach bzw. wo gäbe es seitens der Regierung Verbesserungsbedarf?
Wundsam: Ich finde, dass die Regierung wirklich ein umfassendes Paket geschnürt hat, um die Tourismusbetriebe zu unterstützen. Die Ausfälle der Tourismusbeiträge werden zu 100 Prozent übernommen. Zur Erhaltung der Arbeitsplätze wurde ein Kurzarbeitszeitmodell entworfen, welches z.B. auch von der Donau Oberösterreich genutzt wird. So kann der Betrieb unseres Unternehmens auch in der Krise aufrechterhalten und Arbeitsplätze langfristig gesichert werden. Adaptierungen da und dort waren und sind notwendig, aber es ist sicherlich nicht einfach in so kurzer Zeit alle Bedürfnisse aller Branchen fehlerfrei zu berücksichtigen. Die Bundesregierung, aber auch die OÖ Landesregierung hat meiner Meinung nach bis jetzt bewiesen, dass sie für die Bevölkerung und für die Unternehmen, ihr Bestes geben.
Tips: Wie wird in Zukunft der Tourismus aussehen? Reisen und Veranstaltungen nur mehr mit Schutzmaske? Desinfektionsmittel an allen öffentlichen hoch frequentierten Plätzen?
Wundsam: Reisen und Veranstaltungen in diesem Jahr werden womöglich wirklich nur unter diesen Voraussetzungen stattfinden können. Desinfektionsmittel habe ich zum Beispiel schon seit vielen Jahren in meiner Handtasche – man weiß ja nie.


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