Museumverein Enns präsentiert 700 Jahre alte Madonna
ENNS. Sie ist 700 Jahre alt, aus Lindenholz geschnitzt und ein Hauptwerk der österreichischen Gotik: Die Kronauer Madonna mit Kind aus Enns. Sie brachte vor ihrer Sicherung durch den Museumverein eine wahre Irrfahrt hinter sich und wird am Tag des Denkmals, Sonntag, 27. September, vom Museumverein in der Sakral-Ausstellung am Hauptplatz präsentiert.

Wie der Ennser Heimatforscher, Konsulent R. Fleischanderl, beschreibt, spricht vieles dafür, dass diese Madonna das zentrale Element des Hochaltars der alten Wallfahrtskirche Maria am Anger gewesen ist. Diese Kirche wurde auf den Grundmauern des ehemaligen Legionsspitales des römischen Lagers Lauriacum errichtet und war unter den Passauer Bischöfen sehr angesehen.
Beliebt bei Wallfahrern
Wie auf mehreren barocken Andachtsbildern überliefert ist, hält die zeitgemäß gekleidete und gekrönte Gnadenmadonna von Maria Anger das Jesuskind am rechten Arm. In der linken Hand hält sie ein Zepter. In der linken Hand des Kindes ruht wiederum eine Weltkugel. Der Andrang der Wallfahrer galt vorrangig der kostbar – im schwungvollem Faltenwurf – gekleideten und gekrönten Madonna mit ihrem besonders freundlichen Gesicht.
Besuche von Kaisern
Um das Vordringen der Wallfahrer bis zur Statue zu verhindern, musste eine schmiedeeiserne Abgrenzung errichtet werden, sodass auf den Andachtsbildern vom „Wundertätigen Gnadenbild Mariens im eisernen Gatter auf dem Anger“ zu lesen war. Die Besondere Bedeutung der Kirche wurde auch durch Andachtsbesuche mehrerer Kaiser unterstrichen. So betete hier unter anderem Kaiser Friedrich III., als die Türken neuerlich das Habsburgerreich bedroht hatten.
Bedrohung durch Hochwasser
Nach dem von Kaiser Josef II. angeordneten Abbruch der Kirche übersiedelte man die Gnaden-Madonna in die Stadtpfarrkirche Maria Schnee. Als die Kirche 1894 regotisiert wurde, fand sie Platz in der Kronauer Kapelle, die immer wieder Bedrohung durch das Donau-Hochwasser erfuhr. 1924 entdeckte der Kunstforscher G. Gugenbauer die Madonna, die vom Ennser Dechant Treml in die Hauskapelle des Dechanthofs in die Wienerstraße übernommen wurde.
Höchste Alarmstufe
Aufgrund finanzieller Lasten – die Orgel und die Kirchturmreparatur betreffend – genehmigte das bischöfliche Ordinariat 1926 den Verkauf und die Übergabe an den Kunsthandel. Das bedeutete für den Museumverein höchste Alarmstufe. Der damalige Vereinsobmann und Arzt Josef Schicker schaltete die Landesregierung, das Denkmalamt, die Stadtgemeinde und die Sparkasse ein, damit „die Madonna als hervorragendes Kunstwerk und Gegenstand der Pietät für Stadt und Pfarre erhalten bleibe und die Pfarrvertreter vom Verkauf abstehen sollen.“
Madonna um 8.000 Schilling
Inzwischen war die Statue schon in die Kunsthandels-Aktiengesellschaft nach Wien ( I. Bezirk, Wallnerstrasse 4) verfrachtet worden. Im Frühjahr 1927 bot die Kirchenvertretung dem Museumverein die Madonna um 8.000 Schilling zum Kauf an. Noch ein Jahr kämpfte der Museumverein für den Verbleib der Madonna. Erst 1929 war der Kampf des Obmanns und des Vorstands des Museumvereines erfolgreich. Die Sparkasse gewährte ein Darlehen und nahm die Statue als Sicherstellung.
Präsentation im Museum Lauriacum
Das Bundesdenkmalamt schrieb: „Wir begrüßen die Aufstellung der sehr wertvollen Madonna in der Sammlung des Museumvereins und sprechen Josef Schicker für die erfolgreichen Verhandlungen zwischen Pfarre, Stadt und Sparkasse den wärmsten Dank aus.“ „Wir freuen uns, dass wir am Sonntag, 27. September, dieses traditionsreiche Kunstwerk im 1. Stock des Museums Lauriacum präsentieren und erklären dürfen,“ lädt Museumverein-Obmann Gottfried Kneifel zum Besuch ein.


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