Klimakoordinatorin Lisa Eisner: „Es ist mittlerweile angekommen, dass man etwas tun muss“
ENNS. Seit Anfang April ist die Linzerin Lisa Eisner als Klimakoordinatorin in Enns tätig. Was ihre Aufgaben sind und welche Projekte sie umsetzen will, erzählte sie Tips im Interview.

Tips: Was sind Ihre Aufgaben als Klimakoordinatorin?
Eisner: Die Aufgaben sind breitgefächert. Ich bin beim Stadtamt Enns angestellt. Meine Hauptaufgabe ist, das, was sich die Stadt Enns vorstellt und politisch beschließt, umzusetzen. Fachlich kann ich dazu Inputs geben. Meine Aufgaben haben mit Mobilität, Bewusstseinsbildung und Naturschutz, aber auch mit Energie zu tun. Auch Fairtrade fällt in meinen Aufgabenbereich. Enns ist ja Fairtrade-Gemeinde mit einem eigenen Arbeitskreis. Der soziale Aspekt der Nachhaltigkeit geht oft ein bisschen unter in der allgemeinen Diskussion. So wird auch dieses Thema eingebunden.
Tips: Kommt die Stadt Enns bei Umweltschutzthemen direkt auf Sie zu?
Eisner: Wenn im Umweltausschuss etwas besprochen oder im Gemeinderat etwas beschlossen wird, was diese Themen betrifft, wird das an mich weitergegeben oder an andere zuständige Stellen am Stadtamt wie z.B. die Bauabteilung. Dann arbeiten wir die Schritte gemeinsam ab.
Tips: Welche Ausbildung haben Sie gemacht?
Eisner: Ich habe Internationale Betriebswirtschaft in Wien studiert und den Master in Linz gemacht. Dann habe ich mich auf den Bereich Sustainability spezialisiert. In meinem letzten Semester habe am Institut für Betriebliche und Regionale Umweltwirtschaft als studentische Mitarbeiterin in der Forschung gearbeitet und dort meine Masterarbeit über das Thema Ökobilanzierung geschrieben. Dann war ich ein Jahr am Institut für Betriebliche und Regionale Umweltwirtschaft tätig. Ab Herbst 2020 war ich am Energieinstitut auf der JKU ebenfalls im Forschungsbereich tätig. Ich habe mich also von der Forschung in die Projektumsetzung bewegt.
Tips: Welche Projekte werden in Enns derzeit und demnächst umgesetzt?
Eisner: Als ich als Klimakoordinatorin angefangen habe, gab es schon einige laufende Projekte, bei denen ich nur mehr in der Endphase dabei war. Ich durfte das Naturschutzsymposium im Juni mitorganisieren. Im September ist die Mobilitätswoche, bei der Aktionen zum Thema sanfte Mobilität gemacht werden. Vor zwei Wochen hatten wir die Aktion „Rücksicht durch Abstand“ mit der Fahrradberatung, bei der Autofahrer auf mehr Abstand zu Radfahrern aufmerksam gemacht wurden. Im Herbst startet das Projekt „Bienenfreundliche Gemeinde“. Zusätzlich startet ein transnationales Projekt, das über drei Jahre läuft und bei dem Enns eine Pilotgemeinde ist. Darauf freue ich mich auch schon.
Tips: Wie sieht die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden aus?
Eisner: Da ich noch in der Einarbeitungsphase bin, steht die Vernetzung noch am Beginn. Ich habe durch Aktionen, Projekte und das Naturschutzsymposium schon mit anderen Gemeinden Kontakt gehabt. Es ist sicher gut, wenn man gemeinsam Sachen angeht und man voneinander profitieren kann.
Tips: Gibt es in anderen Gemeinden auch Klimakoordinatoren?
Eisner: Derweil noch nicht. Ich habe aber schon Anfragen bekommen, wie es bei uns läuft. In Linz gibt es einen Stadt-Klimakoordinator, das ist aber deutlich größer ausgelegt als in Enns. Einer der nächsten Schritte ist es, Kontakt aufzunehmen und sich auszutauschen.
Tips: Ist in Enns auch ein Klimarat von zufällig ausgewählten Bürgern geplant?
Eisner: Aktuell ist nichts geplant. In Enns gibt es aber schon seit langem den Arbeitskreis Umwelt und Energie. Dort können Politiker und engagierte Bürger zusammenkommen und sich austauschen. Auch Umweltstadtrat Michael Reichhart ist immer dabei. Ich trage Anliegen weiter in die Verwaltung, Michael auf politischer Ebene weiter in den Umweltausschuss.
Tips: Gehen Sie auch in die Ennser Schulen?
Eisner: Dieses Thema gehört auch zu meinen Aufgabenbereichen. Prinzipiell halte ich das für sehr wichtig. Wenn man schon früh damit anfängt, auf manche Sachen hinzuweisen, wird das zuhause weitergegeben, und es werden Dinge, an die man sonst nicht denkt, bewusst gemacht.
Tips: Was tun Sie persönlich für den Umweltschutz?
Eisner: Meine berufliche Entscheidung ist schon eine Maßnahme in diese Richtung. Ich schaue, dass ich Verkaufsentscheidungen bewusst treffe und überlege, ob ich etwas wirklich benötige. Bei der Ernährung kann man darauf achten, weniger Fleisch zu essen. Ich esse sehr selten Fleisch und bevorzuge regionale und Bio-Produkte. Privat bin ich gerne mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. So kann jeder seinen Beitrag leisten.
Tips: Kommen manchmal Menschen auf Sie zu, die den Klimawandel anzweifeln?
Eisner: In meinem persönlichen Umfeld nicht. Es ist mittlerweile angekommen, dass man etwas tun muss. Natürlich ist das Thema Klimawandel für den ein oder anderen weniger wichtig. Jeder hat seine eigenen Prioritäten. Man stößt nicht immer auf volle Zustimmung, aber komplette Ablehnung oder Verleugnung gibt es meiner Erfahrung nach nicht mehr.


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