Pfarrer Herbert Reisinger bricht zu neuen Wegen auf
ST. VALENTIN. Der Langenharter Pfarrer Herbert Reisinger nimmt ab 1. März eine Auszeit. Im Herbst wird er wieder Pfarren in der Diözese St. Pölten übernehmen.

Pfarrer Herbert Reisinger beendete diese Woche seinen Dienst in Langenhart. Er wird für drei Wochen bei seiner Schwester im Hotel Winterbach wohnen und eine Kur absolvieren. Danach wird er die Zeit von April bis Juni im Recollectio-Haus in Münsterschwarzach verbringen. Das Recollectio-Haus ist ein Ort für Priester in Auszeit. Im Herbst wird er wieder ein Amt als Pfarrer in der Diözese St. Pölten übernehmen. In welchen Pfarren, das steht noch nicht fest.
Reisinger hatte die Pfarre Langenhart im Herbst 2013 übernommen. Damals war er in Langenhart kein Unbekannter, denn in seiner Zeit als Kaplan in Stadt Haag (2003-2008) hatte er schon an einem Fronleichnamstag in der Pfarre Langenhart ausgeholfen. Als er regulärer Pfarrer in Langenhart wurde, wurde er mit großem Wohlwollen aufgenommen.
Berufung in der Berufung
In dieser Zeit wurde Reisinger auch als Kabarett-Pfarrer bekannt. Seinen ersten Auftritt hatte Reisinger im Rahmen der Feier seines 40. Geburtstages. Und das hatte schnell die Runde gemacht.
In St. Valentin hatte Reisinger einen Benefiz-Auftritt im Volksheim. Bei diesem war ein Team des ORF dabei und da entstand auch der Titel Kabarett-Pfarrer. Ein weiterer Auftritt im Kulturhaus folgte. In den zehn Jahren hat Reisinger an die 50 Auftritte absolviert, was auch in seiner Pfarre gern gesehen wurde. Reisinger: „Meine Berufung in der Berufung konnte ich in Langenhart entfalten.“ Seinen bislang letzten Auftritt als Kabarettist hatte er im Juli 2022 im Pfarrgarten St. Pantaleon. „Das war ein würdiger Abschluss und es wurde ein langer Abend.“ Nun möchte Reisinger etwas Neues bringen, das ist aber noch nicht entstanden.
Doch das Kabarett ist nur ein kleiner Teil seiner Persönlichkeit, denn in erster Linie fühlt er sich als Pfarrer den Menschen in seiner Pfarre verpflichtet.
Zu den schönen Erinnerungen an Langenhart zählt der Umbau des Pfarrhofes Langenhart. Das sollte ein Ort des Pfarrlebens werden, zu dem man gern geht. In dieses Projekt war Reisinger von Anfang an eingebunden.
Auch an das Fest „60 Jahre Pfarre Langenhart“ im Jahr 2017 denkt Reisinger gern. „Das war wirklich ein großes Fest.“Doch zu den Pflichten eines Priesters gehören auch ernste Aufgaben, wie die Begleitung von Sterbenden und Trauernden. „Wenn man am offenen Grab oder vor einer Urne steht, das macht schon etwas mit einem“, erklärt Reisinger. Für die Trauernden ist es wichtig, dass da jemand da ist. Und dass man als Priester, als Glaubender, etwas sagen kann – auch wenn es nichts mehr zu sagen gibt.
Vom Sportartikelhändler zum Priester
Vor seinem Studium im Priesterseminar St. Pölten war Reisinger vier Jahre lang Sportartikelhändler in Amstetten – eine Zeit wichtiger Erfahrungen. Die Berufung zum Priesteramt kam nicht als Stimme von oben. Aber Reisinger war in der Zeit ein Suchender und er wurde von mehreren Seiten ermutigt, den Schritt zu wagen. Reisinger sagte sich: „Man lebt nur einmal und ich ergreife die Chance“.
Ein kritischer Geist
Sein Studium verbrachte er in der Zeit kirchlicher Spannungen und die Kirche wurde schon damals von ihrem Umfeld kritisch gesehen. Reisinger erklärt, dass er auch „Nicht Angepasster“, einer, der nicht zu allem ,Ja und Amen‘ gesagt hat, war. Als Seminarsprecher wurde ihm sogar mit dem Rauswurf gedroht. Seine Diplomarbeit zum Thema „Kirche und Sport“ bereitete ihm Mühe, aber er absolvierte das Studium und kam nach Stadt Haag.
Jugendseelsorger
Er wurde auch Jugendseelsorger im Jugendhaus Schacherhof in Seitenstetten. Noch heute verfolgt er die Nachrichten über den Schacherhof mit Interesse. „Diese Zeit hat mich als Priester geprägt“, erklärt er, „aber ich konnte diese Unbeschwertheit im Umgang mit jungen Menschen im Pfarralltag oft nicht mitnehmen.“ Sein Pfarralltag verteilte sich auf die fünf Pfarren des Pfarrverbandes.
„Großes Service“
Und dann kommt er auch auf den Grund zu sprechen, warum er eine Auszeit nimmt. „Meine Ausbildung war im 20. Jahrhundert, jetzt brauchen wir etwas für das 21. Jahrhundert.“
Reisinger will sein Leben als Priester reflektieren. Ihm wurde einmal gesagt: „Man kann bei einem fahrenden Auto nicht Reifen wechseln.“ Und um bei dem Bild zu bleiben meint Reisinger: „Ich brauche ein großes Service“. Und dies soll auch die Auszeit im Recollectio-Haus bringen. Auch die weitere Zukunft gibt Stoff zum Reflektieren: „Ich habe noch etwa 20 Berufsjahre und die will ich sinnvoll nutzen.“


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden