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Leserartikel Wolfgang Simlinger, 30.08.2023 06:44

ST. ANTALEON-ERLA. Purpur, violett, dottergelb – wer aktuell durch die Donauauen streift, wird von einem Blütenmeer überrascht. Neben dem Weg ist ein beinahe undurchdringlicher Dschungel aus Schmetterlingsflieder, Springkraut und Goldrute. Diese Pflanzen zählen zu den Neophyten und wurden vor vielen Jahren in Österreich eingeschleppt.

Der Schmetterlingsflieder bildet große Bestände im Auwald (Foto: Wolfgang Simlinger)
  1 / 4   Der Schmetterlingsflieder bildet große Bestände im Auwald (Foto: Wolfgang Simlinger)

Das Drüsige Springkraut ist den Besuchern der Auwälder bereits seit Jahrzehnten bekannt. Die Pflanze mit ihren purpurfarbenen Blüten stammt ursprünglich aus dem Himalaya und kann bis zu drei Meter noch werden. 1839 wurde das Springkraut nach England importiert und gelang als Zierpflanze auf den europäischen Kontinent. Sie wächst schnell und überwuchert innerhalb kurzer Zeit alle anderen Pflanzen. Aufgrund der massiven Ausbreitung in Auwälder und entlang von Gewässern gilt das Drüsige Springkraut als invasive Art und wird in einigen Gebieten auch gezielt bekämpft.

Wuchernde Zierpflanzen

Auch der sogenannte Schmetterlingsflieder oder Sommerflieder wurde ursprünglich als Zierpflanze aus Ostasien eingeschleppt. Der bis zu fünf Meter hohe Strauch wächst auch an trockenen Standorten und stirbt bei Wintertemperaturen unter minus 20 Grad ab. Da kalte Winter selten geworden sind, kann sich diese Art bei uns gut ausbreiten und bildet mittlerweile dichte Bestände in den Auwäldern, ist aber auch an trockenen Standorten zu finden. Durch die rasche Ausbreitung besteht die Gefahr, dass in manchen Gegenden die Artenvielfalt reduziert wird.

Der Japanische Staudenknöterich stammt ebenfalls aus Asien und ist extrem hartnäckig. Er wurde gezielt eingeführt und sollte als Äsungspflanze für Rotwild dienen. Mittlerweile wächst die bis zu vier Meter hohe Pflanze fast überall und bildet an Bachläufen fast undurchdringliche Bestände. Sobald der Staudenknöterich wuchert, verschwinden andere Pflanzen fast zur Gänze. Die Bekämpfung ist äußerst schwierig, da die Pflanze ein massives Wurzelwerk bildet und nach dem Mähen immer wieder austreibt.

Vorsicht bei Sonnenlicht

Der bei uns heimische Wiesenbärenklau hat in den letzten Jahren einen „großen Bruder“ bekommen. Der Riesen-Bärenklau stammt aus dem Kaukasus und wurde vor mehr als 100 Jahren in Europa als Zierpflanze eingeführt. Mittlerweile hat sich die Pflanze, die mehr als drei Meter hoch wird, über Europa und Nordamerika ausgebreitet und taucht vereinzelt auch in den Auwäldern entlang der Donau auf. In der Pflanze sind sogenannte Furocumarine enthalten – Giftstoffe, die nach Hautkontakt bei anschließender Bestrahlung durch Sonnenlicht phototoxische Reaktionen hervorrufen. Bei Personen mit empfindlicher Haut genügt ein oberflächlicher Kontakt mit der Pflanze und es kommt zu Rötungen bis hin zu großflächiger Blasenbildung. Die Hautreizungen können auch zeitverzögert auftreten und wochenlang nässende Wunden verursachen. An heißen Sommertagen kann selbst der Aufenthalt neben der Pflanze durch die ausgasenden Giftstoffe zu Problemen mit den Atemwegen führen. Beim Entfernen der Pflanze sollte man daher besonders vorsichtig sein, dicke Gummihandschuhe verwenden und die Arbeiten nicht bei Sonnenlicht durchführen.

Invasive Arten in Österreich

2016 wurde von der Europäischen Union eine Liste der invasiven Arten erstellt. Die Liste enthält 37 Tier- und Pflanzenarten, von denen 13 in Österreich vorkommen. Neben den Pflanzenarten gibt es auch einige Tierarten, die sich in Österreich stark ausbreiten und die heimische Fauna gefährden. Der Signalkrebs stammt ursprünglich aus Nordamerika und wurde ab 1960 in Schweden eingeführt. Der Signalkrebs brachte einen hochvirulenten Stamm der Krebspest nach Europa, ist aber selbst gegen die Krankheit resistent. Die einheimischen Edelkrebse und Steinkrebse wurden durch die Krebspest vielerorts ausgerottet, während sich der Signalkrebs ungehindert ausbreiten konnte. Ein Problem in den heimischen Gewässern bereiten auch ausgesetzte Haustiere. Immer wieder findet man Goldfische, die von Aquarienbesitzern ausgesetzt wurden und die heimische Amphibienfauna bedrohen.

Auch Schmuckschildkröten kann man vereinzelt in den Auengewässern beobachten. Wenige Zentimeter große Schildkrötenbabys konnte man früher in der Zoohandlung kaufen. Kaum jemand dachte damals, dass die Schildkröten bis zu 30 Zentimeter groß werden und im Aquarium keinen Platz finden. Oft wurden die Schildkröten im nächstgelegenen Gewässer ausgesetzt, wo sie bis heute überlebt haben. Einige Exemplare leben mittlerweile seit über 30 Jahren an der Biberlacke bei St. Pantaleon.

Eine umfangreiche Information zu den Neobionten findet man auf www.neobiota-austria.at.


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