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ENNS. Wie wurde eigentlich Weihnachten im Jahr 1945 gefeiert? Christine Pfeiffer aus Enns kann sich daran erinnern und erzählt, wie das damals so gewesen ist. Für uns heute, kaum vorstellbar.

Foto: privat
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„Der furchtbare Krieg war vorbei! Leise kam wieder etwas Ruhe in das Leben der Stadt. Zuviel Schreckliches haben die Menschen mitgemacht. Endlich vorbei waren die Luftangriffe, das Heulen der Sirenen, die Flucht in die Keller. Die Angst! Unsere Väter sind noch nicht heimgekehrt. Noch in amerikanischer oder russischer Kriegsgefangenschaft. Die Frauen hatten mit Fleiß und Tapferkeit ihre Familien mit großen Entbehrungen durch diese Jahre gebracht. Wir Kinder konnten noch nicht erfassen, dass von vielen der Vater nicht mehr aus dem Krieg heimkam.“

Sparen war angesagt

„In Enns sahen wir auch die großen Bombenschäden nicht. Enns bekam keine Bomben ab. Ich besuchte 1945 die 1. Klasse der Volksschule. Gespart wurde von den Müttern und auch in der Schule. Eine Tafel, einen Griffel, ein Tüchlein und einen Schwamm in der Schultasche, waren unsere Schulsachen. Täglich bekamen wir in der Schule eine warme Ausspeisung aus der Kantine der amerikanischen Kaserne. Meist eine Suppe und ein großes weißes Semmerl.“

Weihnachten mit Soldaten

„Beim ersten Friedens-Weihnachtsfest richteten die Mütter für die Kinder ein kleines Bäumchen und Kekserl im einzigen beheizten Zimmer der Wohnung. Um den amerikanischen Soldaten auch Weihnachten in der Familie zu ermöglichen, wurden in Enns am Heiligen Abend 1945 Besatzungs-Soldaten eingeladen, mit den Familien zu feiern. So klopfte es am Christ-Abend an unsere Tür. Ein sehr großer, freundlicher Mann in Uniform kam in unser Weihnachtszimmer. Es wurde sicher nicht sehr viel gesprochen, denn Englisch konnte meine Mutter nicht. Aber der Besucher hatte für mich ein Geschenk. Ich sehe es noch heute vor mir.“

Meine erste Orange

„Der Mann beugte sich herunter, ein freundliches Lachen im dunkelhäutigen Gesicht und hielt mir mit schwarzer Hand eine große Orange hin. Das war die erste Orange meines Lebens! Der Mann zeigte mir wie man sie schält und in Spalten teilt. Sie schmeckte sehr gut und ungewöhnlich. Immer wenn ich heute eine Orange esse, sehe ich die schwarze Hand mit der Orange wieder vor mir.“


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