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Leserartikel Julia Karner, 30.06.2021 07:00

REGION ENNS/ST. VALENTIN. „Tipsi“ präsentiert im Monat Juli den unüberhörbaren Wachtelkönig.

Heuer in St. Valentin und Enns gehört, wer den Wachtelkönig wie Thomas Hochebner in Völtendorf ablichten will, muss geduldig und trickreich sein. (Foto: Thomas Hochebner)

Wer denkt, der Wachtelkönig wäre ein König unter den Wachteln, der irrt. Die Wachtel ist ein Hühnervogel, der Wachtelkönig gehört zur Familie der Rallenvögel. Den Namen hat er früheren Zeiten zu verdanken, als Bauern und Jäger die Wachteln und den Wachtelkönig gemeinsam fingen und das größere Exemplar für den König der Wachteln ansahen. So ist das Leben, ein irriger Gedanke setzt sich durch und wird real. Nun heißt er Wachtelkönig.

Bei uns fast ausgestorben

Kaum jemand sieht ihn, da er erstens bei uns fast ausgestorben ist, zweitens sehr versteckt lebt und drittens das Naturwissen der Menschen großteils verloren gegangen ist. Stirbt der Wachtelkönig aus, die meisten Menschen würden nicht einmal etwas davon merken. Dabei ist der Wachtelkönig unüberhörbar, vor allem nächtens. In hohen, feuchten Wiesen, seinem Revier, da schlüpft er ab Mai geschickt ungesehen herum und ruft stereotyp laut die Weibchen vom Himmel herab, die nach den Männchen aus dem Süden Afrikas zu uns zurückkehren. Obwohl kein Mathematiker, ruft er in der Wiese genau von dort, wo der Abstand und Winkel zu den Bäumen am Waldrand so ideal ist, dass der Schall seines Rufes in die Richtung verstärkt wird, aus der das Männchen die Ankunft der Wachtelkönigin erwartet. Auch Rufergruppen bilden sich, um die Holden zum Bleiben zu bewegen. Vögel sind nicht viel anders als Menschen, wenn man an Musik, Disco und Imponiergehabe denkt. Dass man mit dem monotonen „Crex Crex“ ein Weibchen beeindrucken kann, verwundert, aber ähnliches gibt‘s auch bei den Menschen. Hat er ein Weibchen erobert, sucht der Macho das nächste Revier und das Weibchen zieht den Nachwuchs alleine auf. Damit Weibchen die rufenden Männchen wahrnehmen können, müssen stete störende Lärmquellen wie stark befahrene Straßen und andere Dezibelverursacher mindestens 1.000 Meter vom Naturraum entfernt sein. Zum Artenschutz, das gilt für den Balz- und Bruterfolg für fast alle Vogelarten.


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