Ohne Auto geht's auch: „Wenn man etwas predigt, dann sollte man es auch selbst mehr leben“
ST. VALENTIN. Vor zwei Jahren hat das in die Jahre gekommene Auto der Landtagsabgeordneten und Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr schlapp gemacht. Seither hat die SPÖ-Umweltsprecherin kein eigenes Kraftfahrzeug mehr. Im Tips-Gespräch verrät sie, inwiefern sich ihr Leben seither verändert hat und wo die Herausforderungen im Alltag liegen.

Aufgrund eines technischen Gebrechens hat das Auto von Kerstin Suchan-Mayr im Herbst 2019 den Geist aufgegeben. „Ich bin dann vor der Frage gestanden: Kaufe ich mir ein Neues? Und welches kaufe ich mir?“, erinnert sich die sozialdemokratische Landes- und Kommunalpolitikerin. Weil auch ein E-Auto für ihre Bedürfnisse nicht das Passende schien (zumindest aus damaliger Sicht) hat sie sich entschlossen, es einmal ohne Kraftfahrzeug zu versuchen.
Kein Kraftfahrzeug statt einem „Stehzeug“
Seither ist Suchan-Mayr in ihrer Gemeinde meistens mit dem Rad – inzwischen mit einem E-Bike – aber auch oft zu Fuß anzutreffen. Oder sie fährt mit. „Ich habe mein Verhalten hinterfragt und bin drauf gekommen, dass mein Fahrzeug schon vorher eher ein Stehzeug war, deshalb wollte ich es mal ohne probieren“, so die Stadtchefin. Natürlich ist ihr für den Verhaltenswechsel auch das Herunterfahren durch die Pandemie gelegen gekommen. „Man war plötzlich ohnehin mehr zu Hause und in der Familie konnte man sich das dann schon einteilen.“
Die Landtagssitzungen in St. Pölten besucht die Abgeordnete mit dem Zug und geht dann das letzte Stück noch zu Fuß oder nimmt ein Taxi. „Das hatte ich vorher eigentlich gar nicht im Fokus, aber wenn es regnet, geht auch das ganz gut“, so die Umweltsprecherin. Schwieriger wird es bei Terminen, die im ländlichen Raum liegen, gibt sie zu. „Mein Mann ist nicht immer so begeistert von meiner Entscheidung. Man muss schon viel organisieren und anders einteilen, das Problem ist dabei auch oft die zeitliche Herausforderung“, so die Herzograderin.
Mit dem Klimaticket auch den Bus mehr nutzen
„Im Denken hat sich schon einiges verändert. Ich habe jetzt das Klimaticket und ich möchte künftig auch versuchen, zu Terminen in der Region mit dem Bus zu fahren, eventuell muss man sich dann Termine anders einteilen.“ Auch in der Familie wurden Tagesabläufe angepasst. Früher hat die Mutter ihren Sohn von der Schule geholt, ist mit ihm dann schnell heim zum Essen und hat ihn wieder in die Musikschule gebracht. „Da stressen wir uns jetzt nicht mehr. Er kommt dazwischen zu mir und wir gehen nachher gemeinsam nach Hause.“
Familienurlaub mit dem Zug
Auch Urlaubspläne werden nun anders ausgerichtet. Der letzte Trip der Familie ging mit dem Zug nach Rom. „Das war mal was Anderes. Ich habe dort auch tolle Ideen gesehen wie z.B. einen E-Scooter-Verleih. Es gibt einfach wirklich viele Möglichkeiten der Mobilität.“ Zu Veranstaltungen in St. Valentin oder Sitzungen werden inzwischen Fahrgemeinschaften gebildet. Man schreibt sich zusammen und auch das klappt recht gut. Natürlich will die Umweltsprecherin der SPÖ-Landtagsfraktion eine Vorbildrolle einnehmen: „Wenn man was predigt, sollte man das auch selbst leben. Für mich war das Auto aber nie so wichtig, ich bin auch nicht so aufgewachsen. Es war jetzt einfach wieder ein Schritt zurück.“
Angebot an die Bedürfnisse der Bevölkerung anpassen
Dass nicht jeder auf das Auto verzichten kann, ist der Stadtchefin schon bewusst. Mit dem Ausbau des Mobilitätsangebotes soll es aber einfacher gemacht werden, umzusteigen. Dafür wurden die St. Valentiner im Zuge eines Bürgerbeteiligungsverfahrens in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Wien zu ihrem Mobilitätsverhalten befragt. In wenigen Wochen sollen die Ergebnisse präsentiert werden. „Wir wollen mit den Bürgern neue Möglichkeiten schaffen, auch die Betriebe einbinden, z.B. Radwege zu den Firmen sichtbar machen, uvm. Es gilt, die oft zitierte letzte Meile zu schließen. Jahrzehntelang war das Auto im Fokus, das gilt es jetzt wieder zu ändern.“


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden