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„Klimakrise bedroht unseren Planeten und zerstört unseren Lebensraum“

Omer Tarabic, 19.03.2019 17:11

ENZENKIRCHEN. Unter dem Titel „Wach auf Europa!“ lud die Sozialistische Jugend Oberösterreich (SJ) auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Milchbauer Wolfgang Luger in Enzenkirchen zu einer Pressekonferenz, um über Umwelt, Landwirtschaft und die Europäische Union zu diskutieren.

Franz Hochegger (Bürgermeister Enzenkirchen), Nina Andree, Julia Herr (beide Sozialistische Jugend OÖ) und Wolfgang Luger (Landwirt) (Foto: Tarabic)

Ein besonderer Fokus wird von den jungen Roten auf die Bereiche Umwelt und Steuerpolitik gelegt. Mit Wecker, die das Kampagnensymbol sind, weißt die SJ darauf hin, dass es in beiden Bereichen „5 vor 12“ ist. „Die Klimakrise ist real und schon jetzt massiv spürbar. Sie bedroht unseren Planeten und zerstört unseren Lebensraum. Unsere Generation steuert auf eine Zukunft voller Umweltkatastrophen zu“, informiert Herr. Den Ort der Pressekonferenz, ein landwirtschaftlicher Betrieb, wählte die SJ OÖ, um auf die Auswirkungen der Klimakrise aufmerksam zu machen. Der Rekordsommer 2018 brachte nämlich nicht nur bestes Badewetter, sondern auch schmerzliche Ernteausfälle in der Landwirtschaft. „Es ist jetzt schon nicht leicht, einen kleinen bis mittelgroßen landwirtschaftlichen Betrieb zu führen. Wir hatten 2018 rund 50 Prozent Ernteausfall. Viele in der Region haben sogar nahezu 100 Prozent ihrer Ernte verloren. Wenn Temperaturlagen, wie sie 2018 aufgetreten sind, regelmäßig werden, werden noch viel mehr Bauern gezwungen sein, ihren Hof aufzugeben“, ist sich Landwirt Wolfgang Luger sicher. „Es braucht daher einen drastischen Schwenk in der Klimapolitik“, meint Nina Andree, Landesvorsitzende der Sozialistischen Jugend OÖ und ebenfalls SPÖ-Kandidatin für die EU-Wahl.  Und weiter: “Außerdem müssen Konzerne, die für den überwiegenden Großteil der schädlichen Gase verantwortlich sind, endlich zur Kassa gebeten werden und zu einer anderen Produktion gezwungen werden. Es kann doch nicht sein, dass 100 Konzerne rund  70 Prozent der weltweiten Treibhausgase verursachen und einfach so weitermachen können.“

Neben der fehlenden Klimapolitik kritisiert die Sozialistische Jugend auch die, laut ihr, ungerechten EU-Agrarsubventionen. „Ca. 40 Prozent des gesamten EU-Budgets wird in den Agrarbereich investiert. Diese Milliardenbeträge fließen aber zum Großteil in die Hände von jenen, die ohnehin genug haben – Großgrundbesitzer, Millionäre und Konzerne. Für die Kleinen bleibt wenig bis nichts über,“ argumentiert Herr.

Ähnlich sieht das auch Franz Hochegger, Vorsitzender der SPÖ-Bauern OÖ und Bürgermeister in Enzenkirchen: „Niedrige Milchpreise, niedrige Getreidepreise und wenig bis keine Förderungen. Landwirtschaftliche Klein- und Mittelbetriebe kommen immer mehr unter die Räder, während die Großen abkassieren. Viele müssen ihre Landwirtschaft aufgeben, weil es sich einfach nicht mehr rentiert. Für die regionale Lebensmittelversorgung ist das aber fatal.“ Laut Hochegger hätten alleine in seiner unmittelbaren Nachbarschaft in den letzten Jahren fünf Betriebe zugesperrt.  Auch Landwirt Luger befürchtet ein weiteres Bauernhof-Sterben, denn vor allem Milchbauern verdienen laut Luger viel zu wenig. „Derzeit bekomme ich in etwa 40 Cent pro Liter. Meine Produktionskosten betragen aber rund 36 Cent. Optimal wäre ein Preis von 43 oder 44 Cent pro Liter Milch“, meint Luger. 

Begründet werden die Landwirtschaftsförderungen seitens der Europäischen Union damit, dass man Landwirten ein stabiles Einkommen garantieren muss. Da sich die Förderungen aber rein nach Fläche und Ertrag des Betriebes richten, passiert es, dass vor allem ohne hin Reiche großzügige Subventionen beziehen. „Es ist doch absurd, wenn Personen wie Wolfgang Porsche oder der in Österreich wohnhafte Fürst von Lichtenstein, die sicher nicht am Hungertuch nagen, Förderungen im Zehntausend- bis Millionenbereich bekommen, nur weil sie viel Grund haben. Dieses Geld wäre woanders eindeutig besser aufgehoben“, ist Andree überzeugt.


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