39. Heimatfilm-Festival in Freistadt - Preise wurden vergeben
FREISTADT. Die Preise beim 39. Filmfestival Freistadt „Der neue Heimatfilm“ wurden vergeben. Der Spielfilmpreis geht an „Sechswochenamt“, der Dokumentarfilmpreis an „Tin Castle“ und der Preis der Jugendjury an „Météors“.

Der Spielfilmpreis wurde an den deutschen Film „Sechswochenamt“ von Jacqueline Jansen verliehen. Der leise, authentische Film über Abschied und Trauer, erzählt, wie eine junge Frau mit dem Tod ihrer früh verstorbenen Mutter umgeht.
„Heimat ist mehr als ein Ort, hat Ruth Beckermann bei der Eröffnung gesagt. Heimat kann auch in Verlust bestehen, in Vergänglichkeit, in Gemeinschaft und in Sprache, ganz besonders im Dialekt. All diese Aspekte von ‚Heimat‘ deckt der Siegerfilm ab, der uns auf vielen Ebenen beeindruckt und berührt hat, vor allem auch durch die großartige Magdalena Laubisch in ihrer ersten Hauptrolle in einem Langspielfilm“, so die Jury, Christa Auderlitzky, Magdalena Miedl und Roland Teichmann, in ihrer Begründung.
In ihrer Dankesrede betonte die Regisseurin, dass das Wort Heimat etwas sei, das wir nicht verteidigen, sondern teilen sollten. Der mit 3000 Euro dotierte Preis wurde von der Energiegenossenschaft Regios gestiftet.
Dokumentarfilmpreis
Der französisch-irische Dokumentarfilm „Tin Castle“ von Alexander Murphy wurde mit dem ebenfalls mit 3000 Euro dotierten Dokumentarfilmpreis ausgezeichnet. Über fünf Jahre hat der Dokumentarfilmer eine Familie von irischen „Travellers“ begleitet. Sein intimes Portrait einer Familie am Rand der Gesellschaft ist eine aufrichtige und einfühlsame Hommage an eine verschwindende Lebensweise und ein herzerwärmendes kleines Meisterwerk des Dokumentarfilms.
Die Jury, Johannes Holzhausen, Julia Mitterlehner und Uschi Feldges, begründet ihre Entscheidung mit der außergewöhnlichen Qualität der Bilder und dem Vertrauen der Protagonisten des Films, das der Regisseur sich über viele Jahre erarbeitet hat: „Genau das ist das wertvollste Kapital, das der Dokumentarfilm kennt: die Zeit, die ein Regisseur bereit ist, mit Menschen zu verbringen, bevor er beginnt, ihre Geschichte zu erzählen“. Der Preis wurde von der Weinhandlung VinoVino gestiftet.
Jurypreis
Die französischen Filmemacher Hubert Charuel und Claude Le Pape wurden mit dem Preis der Jugendjury für ihren Film „Météors“ ausgezeichnet. Das Drama über zwei enge Freunde, die im ländlichen Frankreich mit Alkoholsucht, Perspektivlosigkeit und den harten Realitäten des Lebens zu kämpfen haben, hat die Jugendjury, Annika Pichler, Elija und Rosalie Derflinger, tief bewegt: „Dem Film gelingt der Wandel von einer witzigen Alltagsgeschichte zu einem ernsten und berührenden Porträt von Sucht, ohne sich dabei in absoluter Düsternis zu verlieren.“ Der Preis, 3000 Euro, wird von Hoanzl (Theater im Park, Globe, Agentur Hoanzl) gestiftet.
Würdigungspreis
Mit dem Würdigungspreis der Stadt Freistadt wurde Ruth Beckermann im Rahmen der Festivaleröffnung ausgezeichnet. Beckermann ist eine der bedeutendsten Dokumentarfilmerinnen des Landes, ihr war beim Festival eine Werkschau gewidmet. Ihr Film Waldheims Walzer wurde 2018 mit dem Publikumspreis beim Heimatfilmfestival prämiert.
Publikumswertung
Am 30. August endet das Festival mit einem Screening des Publikumswertungsgewinnerfilms „40 Secondi“ von Vincenzo Alfieri. Die italienische Produktion basiert auf Federica Angelis gleichnamigen Roman und ist inspiriert von der wahren Geschichte von Willy Monteiro Duarte, 2020 getötet wurde, als er während eines Streits einen Freund verteidigte.
Besucherrekord
Bis zum Ende des Festivals waren 4.000 Kinobesucher in Freistadt zu Gast, erneut ein Besucherrekord für das 1988 gegründete Filmfestival. Das Rahmenprogramm, Talk und Konzert mit Anna Buchegger, ein Auftritt des aus Freistadt stammenden ehemaligen Granada-Akkordeonisten Xidi, der sein neues Soloprojekt vorstellte, eine Fotoausstellung von Elisa Andessner, ein Filmkritik-Workshop mit der Kulturjournalistin Nora Brückmüller und Stadtführungen lockten weitere 500 Gäste an.
Wolfgang Steininger, Festivalgründer und Obmann des Kulturvereins Local-Bühne, zeigt sich zum Abschluss hocherfreut: „Der Erfolg des Festivals Der neue Heimatfilm zeigt, wie tief das Bedürfnis ist, sich mit dem Begriff ‚Heimat‘ auseinanderzusetzen, ihn inklusiv zu verstehen mit viel Neugier und Offenheit für diverse Lebensentwürfe und -umstände. Heimat ist mehr als ein Ort, es ist auch ein Miteinander - der intensive Austausch zwischen Filmschaffenden und Publikum hat das in Freistadt fünf Tage lang deutlich gemacht.“
56 Filme aus 39 Ländern
Das 39. Festival zeigte 56 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme aus 36 Produktionsländern, darunter viele Österreichpremieren. Die Partnerfestivals Slash – Festival des fantastischen Films Wien, Crossing Europe Linz und das International Youth Media Festival Youki präsentierten Filme aus ihren Programmen in Freistadt. Rund 40 Filmschaffende aus dem In- und Ausland waren in Freistadt zu Gast, stellten ihre Filme vor und sich den Fragen des Publikums. Das 40. internationale Freistädter Festival Der neue Heimatfilm findet von 25. bis 29. August 2027 statt.








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