Bauernbelagerung von Freistadt: Wer die Stadt 1626 wirklich verraten hat
FREISTADT. Die Belagerung der Stadt Freistadt im Jahr 1626 ist ein zentrales Ereignis des OÖ Bauernkriegs. Der Verrat, der den Bauern den Weg nach Freistadt ebnete, gehört zu den bekanntesten Geschichten der Stadt. Doch ausgerechnet diese Überlieferung hält einer Überprüfung anhand der Originalquellen nicht stand.

Mit Hilfe von Dokumenten aus dem Stadtarchiv hat Geschichtsforscher Alois Preinfalk rekonstruiert, wer den Belagerern tatsächlich geholfen haben dürfte – und was aus dem mutmaßlichen Verräter wurde.
Linz und Freistadt hielten lange stand
Den ganzen Juni 1626 belagerten zehntausende aufständische Bauern die Stadt. In der zweiten Junihälfte waren fünf der sieben landesfürstlichen Städte bereits von den Rebellen erobert, nur Linz und Freistadt konnten sich mit Hilfe der Soldaten noch erfolgreich verteidigen. Während die Freistädter dem Eindringen der Feinde in die Stadt machtlos gegenüber standen und die Wut der Bauern über sich ergehen lassen mussten, konnte sich Linz bis zum Schluss erfolgreich verteidigen.
Vielleicht hätte es auch Freistadt geschafft, wenn nicht Unvorhergesehenes passiert wäre. Am 30. Juni wurde der Anführer der Soldaten, Hauptmann Sokolowsky (der Überlieferung nach) von einem jungen Bauernsohn am Böhmertor erschossen. In der vorübergehenden Führungslosigkeit der Soldaten machte sich Chaos in der Stadt breit und die Bauern verstärkten ihre Angriffe auf die Stadt. Dieses Tohuwabohu nützte ein Protestant, den Belagerern eine Schwachstelle in der Stadtverteidigung zu nennen.
Verrat durch das Posttürl
Es soll ein Fleischhacker gewesen sein, der samt seiner Tochter durch das Posttürl schon länger mit den Bauern kollaborierte. Diese in der Literatur sehr spektakulär und interessant erzählte Überlieferung, die sich in den Köpfen der Freistädter manifestiert hat, kann auf Grund der Originalquellen im Freistädter Stadtarchiv widerlegt werden.
Der Verräter war der Sohn eines Gallneukirchner Fleischhackers, der Bäcker und Torsteher der Stadt, Hans Traunmüller. Er zog 1621 mit seiner Familie in das Haus Nr. 54, das direkt neben dem Linzertor stand. Er war durch Heirat mit der Witwe Apollonia Weigelsperger zu dem Haus gekommen. Es war ihm ein Leichtes, von dort aus mit den Belagerern zu kommunizieren.
Flucht ohne Familie
Nach seinem Verrat entschloss er sich, sich „aus Furcht vor der Bauern bestialische Tyrannei“, über die Stadtmauer „zu schwingen und in die Flucht zu begeben“, sein Weib und die „unerzogenen, teils unmündigen Kinder“ zurücklassend, wie es der Pfleger der Herrschaft Freistadt formuliert.
Im Februar 1630 kehrte Hans Traunmüller aus seinem Exil nach Freistadt zurück. Er verpflichtete sich gegenüber dem Pfarrer und dem Pfleger der Herrschaft Freistadt, „sich auf künftige Ostern zu der allein seligmachenden katholischen Religion zu accomodiern“. Der Pfleger bat den OÖ. Landeshauptmann in einem Schreiben, ihn „in seinem Exil lange erlittenen Elends unmaßgeblich zu begnadigen“. Es sei niemals seine Absicht gewesen, sich mit seinem Verrat gegen ihre kaiserliche Majestät zu vergehen.
Über seinen Fluchtweg und seinen Aufenthaltsort, sowie den Ausgang des Begnadigungsansuchens ist nichts bekannt. Welches Schicksal seine Familie erleiden musste, der nicht nur das Zuhause genommen wurde, sondern die gewiss kollektive Sippenhaft über sich ergehen lassen musste, darüber schweigen die Quellen.








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