Hochwasser- und Erosionsschutz: Weiterhin keine klare Einigung

Hochwasser- und Erosionsschutz: Weiterhin keine klare Einigung

Regina Wiesinger Regina Wiesinger, Tips Redaktion, 07.04.2015 10:43 Uhr

BEZIRK FREISTADT. Der geplante Bau des großen Rückhaltebeckens im Thurytal erhitzt die Gemüter. Während der Hochwasserschutzverband Aist das Großbecken als ideale Lösung für den Hochwasserschutz sieht, sieht die Initiative für ökologischen und nachhaltigen Hochwasserschutz eine Vertragsverletzung in dessen Bau. Der vereinbarte Erosionsschutz an den kleinen Zubringerbächen werde dadurch nicht ausreichend berücksichtigt, heißt es von Seiten der Initiative.

„Grundsätzlich spricht nichts gegen Großbecken, aber diese sind nur für den Hochwasserschutz da. Wir wollen aber einen gesamten Hochwasserschutz mit Berücksichtigung gewässerökologischer und nachhaltiger Aspekte“, sagt Robeischl. Bei einer Informationstour, organisiert von der Initiative, konnten sich die Teilnehmer von den Zubringerbächen im Bezirk ein Bild machen. „Die kleinen und größeren Bäche sind im Grunde tote Gewässer. In ihnen springen keine Fische mehr, keine Flusskrebse sind zu finden. Das Wasser in den Bächen fließt vor allem nach plötzlichen und heftigen Regenfällen rasend schnell durch die oft auch noch begradigten Bäche und reißt Geröll und Erdreich mit sich. Dadurch entsteht eine Geschiebemenge, die die kleinen Buchten verstopft, in denen Fische laichen könnten und welche anderen Flusslebewesen einen Lebensraum bieten würden. Es braucht eine Fülle von Maßnahmen, um langfristig wieder Leben in die Bäche zu bringen“, sagt Hermine Moser, Mitglied des Bezirksvorstandes der Grünen. Deshalb seien Kleinlösungen an den Zubringerbächen auch der Schlüssel für einen ganzheitlichen Hochwasserschutz. Vorbildhaft für die Initiative sei das Hochwasserschutzprojekt Kerschbaum (Gemeinde Rainbach). Vier kleine Becken mit je rund 500 Kubikmeter Fassungsvolumen sorgen für den Ortsschutz. „Die Bewohner der Ortschaft verursachen durch viele große Bauernhöfe und Verbauungen starke Niederschlagsabflüsse und lösen diese Probleme aber auch wieder selbst“, hebt Fritz Robeischl dieses Projekt hervor. „Jeder Bach muss entlastet werden, dass gleichmäßiger Wasserabfluss und geringe Erosion gewährleistet werden kann.“   Debatte Großbecken Im Thurytal soll aber ein Großbecken entstehen, rund 13 Meter hoch, auch eine Lastwagen-Zufahrt müsste extra gebaut werden. Das Becken soll nach Expertenmeinung 360.000 Kubikmeter Retentionsvolumen betragen, um die südlicheren Gemeinden bei einem 100-jährigen Hochwasser schützen zu können. „Wie genau das Becken aussehen wird, kann man noch nicht sagen. Wir stehen mit den Planungen noch ganz am Anfang. Es wurde bis jetzt das Fassungsvolumen definiert und mit den Grundbesitzern Gespräche geführt. Im Jänner fand eine Begehung des Standortes statt“, erklärt Josef Lindner, Obmann des Hochwasserschutzverbandes (HWS-Verband) Aist. Man sei auch mit dem Naturschutz und der Umweltanwaltschaft im Gespräch. Als nächstes ist eine Fahrt zu ähnlichen Becken geplant, um den Grundbesitzern zu zeigen, wie sie sich das Projekt vorstellen können. Hochwassertechnisch spräche nichts gegen das Großbecken im Thurytal, sagt Robeischl. „Auch standortmäßig ist das Becken super. Aber wir wollen schon bei den Zubringerbächen im Norden des Bezirkes Kleinlösungen, damit es erst gar nicht zu so großen Wassermassen bei einem Hochwasser in den südlichen Gemeinden kommt.“ Auch Hermine Moser schlägt in die selbe Kerbe: „Das Problem des Gewässerschutzes ist regional lösbar! Wenn viele Menschen in der Region dies verstehen und einen solchen naturnahen und nachhaltigen Hochwasserschutz einfordern, dann werden wohl auch die Politiker, welche schon die Planung für Großprojekte wie den 13 Meter hohen Damm im Thurytal in Auftrag gegeben haben, ihrer Verantwortung nachkommen.“ Dem Vorwurf der Initiative, dass durch die Planungen des Großbeckens ein Teil des gemeinsam unterschriebenen Vertrages zum Thema Erosionsschutz nicht eingehalten werde, widerspricht Lindner. „Das stimmt überhaupt nicht. Der Erosionsschutz ist nach wie vor ein Thema. Das Projekt ist in der Endausfertigung, die Maßnahmen daraus wird man angehen. Der Hochwasserschutz ist eine Sache, der Erosionsschutz eine andere. Das will die Initiative nicht wahrhaben.“ Christiane Jogna, Bezirkssprecherin der Grünen: „Ich denke, wir können und dürfen es uns nicht leisten, diese Chance auf eine ökologische Gesundung unserer Fließgewässer, die gleichzeitig eine Reduktion der Dimensionen der notwendigen Großbecken bedeuten würde, zu verschenken.“   Projektabschluss im Juni Anfang Juni ist der Abschluss des Projektes „Eine Region baut sich ihren Hochwasserschutz“ geplant. Am 1. Juni findet die Eröffnung des lokalen Hochwasserschutz-Projektes in Kerschbaum statt. An diesem Abend (20 Uhr) wird es auch fachlich gut aufbereitete Informationen zu all den laufenden Themen rund um den Hochwasserschutz geben.
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