Gedenkort für früh verstorbene Kinder
SCHÖNAU/FREISTADT. Den ersten Schrei ihres Kindes hören nicht alle Eltern. Manche sterben vor der Geburt. Am Gedenkort „Mutiara“ in der Pfarrkirche Schönau können Mütter und Väter ihrer früh verstorbenen Kinder gedenken. Auch in Freistadt wird an Allerheiligen eine neue Gedenkstätte gesegnet.

„Wenn man ein Kind verliert, begleitet das das ganze Leben lang“, sagt Waltraud Moßbauer, die selbst eine Betroffene ist. Schon lange wollte die Katholische Frauenbewegung Schönau einen Gedenkort für Kinder, die vor, während oder nach der Geburt gestorben sind. Eltern sollte es möglich sein, in Ruhe und ungestört ihrer verstorbenen oder tot geborenen Kinder zu gedenken. Im Rahmen des Leader-Projektes „Tu was, dann tut sich was“ hat die Katholische Frauenbewegung das Thema aufgegriffen. Gemeinsam mit Vertreterinnen der Spielgruppe, der Turnerinnen, der Goldhaubengruppe und den Bäuerinnen wurde ein Konzept erstellt und eingereicht.
Perle in der Muschel
Beim Erarbeiten einigten sich die Frauen schnell auf das Symbol der Perle in der Muschel. „Die Perle symbolisiert dabei das ungeborene Kind, die Muschel den schützenden Mutterleib, in dem das Kind heranwächst“, erklärt Moßbauer.
Mit der Künstlerin Judith P. Fischer wurde schnell eine Künstlerin gefunden, die es verstand, die Symbole in ihrer Arbeit gut umzusetzen. Die Perle war für das Kunstobjekt titelgebend. „Die Künstlerin fand heraus, dass Perle auf indonesisch Mutiara heißt. Dies ist nun auch der Name des Gedenkobjektes“, sagt die Initiatorin Moßbauer. Das Gedenkobjekt sollte die Empfindungen der Eltern bündeln und Hoffnung und Trost spenden.
Punkte für Sternenkinder
Als Symbol für die Perle wurde eine Kerze verwendet. Um diese windet sich eine Spirale als Symbol für Erneuerung und beginnendes Leben. „In den Zwischenräumen sind kleine Punkte, welche für die Sternenkinder stehen“, erklärt Moßbauer. Auch die Jakobus-Muschel – Jakobus ist der Schutzpatron der Schönauer Pfarrkirche – ist auf dem Objekt zu erkennen. Drei Kreuze auf dem Werk erbitten Gottes Segen für alle Kinder. Diesen Kreuzen gegenüber sind die Schwingen eines Vogels, als Urzeichen für die Seele und das Himmlische und auch für das Loslassen, einem wichtigen Teil des Trauerns. Baumwurzeln, die den Glauben an Gott verankern, zieren den Rand.
Das Werk „Mutiara“ befindet sich in der Seitenkapelle der Schönauer Pfarrkirche. Gemeinsam hat die Frauengruppe die Kapelle renoviert und umgestaltet. „Es war uns wichtig, einen Ort zu gestalten, an dem man seiner Trauer Zeit lassen und auch etwas Verweilen kann.“ Viele ehrenamtliche Stunden haben die Frauen und auch Männer in die Renovierung investiert.
Raum für die Trauer
Trauernde können die Seitenkapelle jederzeit besuchen und eine Kerze anzünden. „Mehr als 200 Kerzen wurden bereits seit der Einweihung im Jänner angezündet. Trauernde kommen nicht nur aus Schönau, sondern auch von anderen Gemeinden“, sagt die Initiatorin Waltraud Moßbauer. Das Projekt wurde im Rahmen des Tu-was-Festivals für die gesamte Mühlviertler Alm umgesetzt. „Die Seitenkapelle eignet sich auch gut, da man dort auch alleine sein kann und nicht jeder gleich hinsieht“, sagt Moßbauer.
In der Kapelle befindet sich auf ein Weihwasserbecken, umrahmt von den Worten „erinnern“ und „anvertrauen“. „Anvertrauen meint hier das Anvertrauen an Gott, dem Glauben.“
Gedenkstätte Freistadt
Auch in Freistadt hat der Pfarrgemeinderat einen Ort des Gedenkens initiiert. Seit einem halben Jahr gibt es am Friedhof eine Gedenkstätte. „Von der Erde bist du genommen – in den Himmel kehrst du zurück“ steht auf den Stahltafeln. An Allerheiligen wird die Gedenkstätte gesegnet.


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