Freistadt als Symbol für neue Heeres-Strategie
FREISTADT. So etwas wie Erntedank-Stimmung herrschte am Donnerstag in der Tilly-Kaserne: Heeresangehörige und Lokalpolitik nützten den Besuch des Verteidigungsministers, um sich bei Hans Peter Doskozil persönlich für den jüngst beschlossenen nachhaltigen Fortbestand der grenznahen Kaserne zu bedanken.

Das Kommando verschlanken, in der Truppe wachsen – so umriss der Minister in Freistadt im Groben das Ziel der Heeres-Strukturreform, die mit Anfang 2017 greifen soll. Für Freistadt bedeuten diese Pläne Erfreuliches: Die Schließung der Tilly-Kaserne, die schon so gut wie beschlossen schien, ist vom Tisch, der Heeres-Standort wird sogar noch weiter ausgebaut. Hans Peter Doskozil: „Ich bin ein föderalistischer Denker. Innerhalb der kommenden zwei bis drei Jahre werden in Freistadt zwei neue Jägerkompanien etabliert.“ Kadersoldaten einer Kompanie des neu aufzustellenden Jägerbataillons 15 werden schon bald in Freistadt einziehen. Und das bedeutet, dass mit ihnen auch deutlich mehr Grundwehrdiener nach Freistadt kommen. Den Zeitplan umriss Kasernen-Kommandant Gunter-Wieland Huber: „Wir fangen klein an, mit 36 Leuten aus dem Mühlviertel, möglich sind aber bis zu 50 Arbeitsplätze in der Rekrutenausbildung. Ab 6. September ist Ausbildungsbeginn.“ Man müsse jetzt rasch nach außen kommunizieren: „Das Heer hat Jobs für euch, die in Bezug auf Entlohnung und Verkehrsverbindung nicht schlecht sind!“ Insgesamt werde die Zahl der Berufssoldaten in Österreich von derzeit rund 2200 auf 6000 im Jahr 2020 ansteigen, kündigte Minister Doskozil an.
Flüchtlinge ziehen aus
Um genügend Platz für die Personalaufstockung zu bekommen, werden die 42 Asylwerber, die derzeit noch im Asylheim Spittelstraße, dem Objekt 3 der Kaserne, untergebracht sind, bis Jahresende 2016 ausziehen. Christian Schörkhuber von der Volkshilfe: „Das Haus war ja nicht leer, es wurden Arbeitsplätze für unsere Asylwerber geräumt, und wir hatten eine klare Vereinbarung: Wenn Eigenbedarf besteht, endet der Mietvertrag.“
Für die 42 Bewohner, darunter drei Familien, werde in Freistadt nach Ersatzquartieren gesucht. „Die Leute sind integriert, die Kinder gehen hier in die Schule, sie sollen hier bleiben können“, ist Schörkhuber zuversichtlich, bald neue Unterkünfte zu finden.
Angesichts der vielversprechenden Zusagen des Bundesministers sprachen sowohl der Freistädter Bürgermeister Wolfgang Affenzeller (SP), als auch sein Parteikollege Bundesratsabgeordneter Michael Lindner sowie der Nationalratsabgeordnete Michael Hammer (VP) von einem Freudentag. „Freistadt ist ein Symbol für die neue Strategie des Bundeheeres in Österreich geworden“, betonte Michael Hammer.
Dass die Tilly-Kaserne nach Jahren der Bemühungen um einen Fortbestand nun abgesichert ist, bezeichnete Michael Lindner auch als Frucht des Konzepts für einen Ausbildungsstandort Freistadt. „Personalvertreter Reinhard Atteneder hat dieses schon 2014 erarbeitet.“ Für Wolfgang Affenzeller ist Doskozils Ja zu Freistadt schlicht eine enorme Aufwertung für die Stadt und die Region.


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