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Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte: "Josef, ich muss dir etwas sagen!" - Teil 1

Mag. Claudia Greindl, 25.12.2019 09:27

Liebe Leser, die Tips-Redaktion wünscht frohe Weihnachten und ein paar ruhige, friedliche Stunden im Kreise Ihrer Lieben! Als kleines „Geschenk“ haben wir eine etwas andere Weihnachtsgeschichte in zwei Teilen für Sie - geschrieben hat sie ein Autor aus der Region, der unter dem Pseudonym „Ozwald von der Aist“ arbeitet. HIer folgt Teil 1, den zweiten Teil lesen Sie morgen, am Stefanitag!

Foto: Beto Gomez/Shutterstock.com
Foto: Beto Gomez/Shutterstock.com

„Josef, ich muss dir etwas sagen!“

Es ist noch gar nicht allzu lange her, da geschah dies: die Bewohner eines Landes wurden vom Herrscher aufgerufen in die Hauptstadt zu kommen um sich zwecks Zählung eintragen zu lassen. Auch Josef Jedermann und seine Frau Maria sollten deshalb die Reise unternehmen, aber der Weg war schlecht, kein Transportmittel vorhanden, Josef in mürrischer Stimmung und Maria hochschwanger. Zuerst wollte Maria nicht mitkommen, doch plötzlich hatte sie ihre Meinung geändert. Sie hoffte, die Reise würde ihren Josef etwas entspannen, denn schließlich hatte sie ihm etwas Wichtiges mitzuteilen.

„Josef“ begann also Maria, als sie so über die staubige Landstraße wanderten. „Ich muss mit dir reden. Es geht um den Engel.“ „Ach herrje“ erwiderte Josef. Er hatte noch immer an den Ankündigungen Gabriels zu kauen, schließlich hatte er sich sein Leben doch etwas anders vorgestellt.“Was will er denn diesmal?““Ich meine, dass irgendetwas nicht stimmt. Weißt du, er hat uns doch gesagt, wie wir das Kind nennen sollen, was es einmal tun wird. Einerseits ist das ja schön, aber andererseits, was verstehen Engel schon von Kindern. Wer weiß ob die einmal selber Kinder waren, weißt du, ich glaube nicht, dass Flügel aus einem mitwachsenden Material bestehen. Und

vielleicht habe ich den Namen auch nicht ganz richtig verstanden, der hat so genuschelt oder die Flügel haben gerauscht. Und ich habe mir gleich gedacht, dass ich noch einmal nachfragen hätte sollen, aber dann……“Josef war stehengeblieben, denn er verstand wie immer nichts von dem was Maria sagte. „Hör mal“ sagte er dann. „Du bist aufgeregt, das ist ganz normal. Ich hab dir doch schon hundertmal gesagt, dass ich den Jungen, ganz egal ob ich jetzt der Vater bin oder nicht, als meinen Sohn betrachten und ihn lieben werde, er wird meinen Namen tragen, mit mir arbeiten und wird werden ihn unterstützen, egal wie ungewöhnlich seine Ideen sein werden.“

Jetzt wurde Maria ein bisschen übel und sie musste sich am Wegrand auf einen Stein setzen. Josef indessen stützte sich auf seinen Wanderstab und sinnierte weiter: „Wenn er nicht gerade zwei linke Hände hat, kann er mein Geschäft weiterführen und geachtete Leute aus uns machen. Oder ….“Josef stellte sich die Zukunft mit seinem Sohn himmelblau vor. Zufrieden und entspannt lehnte er an seinem Stock und träumte vor sich hin. Maria hielt den Moment für gekommen ihrem Josef die Neuigkeit schonend beizubringen. „Josef“ sagte sie. „Halte dich gut fest: es wird ein Mädchen!“

Jetzt wurde Josef ganz entsetzlich übel und er musste sich ganz schnell zu Maria auf den Stein setzen. Er vergrub sein Gesicht in den Händen und versuchte nicht in Ohnmacht zu fallen. Was Maria da gesagt hatte überstieg alles Erträgliche. Ein Sohn war wichtig, ein Sohn war Ansehen und Existenz, ein Sohn war angekündigt worden. Er wollte einen Sohn!!!!Dann fiel ihm etwas ein. „Maria, meine Liebe“ sagte er so ruhig wie möglich. „Das kannst du doch gar nicht sicher wissen! Wieso sollte sich denn ein Engel irren?“Maria war sich ihrer Sache aber ganz sicher, alle Anzeichen standen auf „Mädchen“ und außerdem hatten es ihr der Arzt, die Hebamme, der Apotheker, die Nachbarin und der Kaffeesatz bestätigt. „Aber Maria! Ein Mädchen! Was hast du dir dabei gedacht?“Maria wurde langsam wütend. Wie dumm musste man sein zu denken, sie habe sich das so ausgesucht!“Denkst du für mich ist das einfach? Allen habe ich schon erzählt dass ich einen Sohn bekomme, alle haben mich beglückwünscht und mir Geschenke gebracht. In himmelblau versteht sich. Was soll ich allen sagen? Und soll meine Tochter vielleicht himmelblaue Windeln tragen? Das würde sie mir nie verzeihen.“

Josef wagte anzumerken, dass Maria den eigentlichen Ernst der Sache nicht erkennen würde. Schon die ganz Zeit hatte Josef diesem Engel mit den Rauscheflügeln nicht so wirklich vertraut, jetzt war die Wahrheit – oder vielmehr die Unwahrheit – ans Licht gekommen. Am Boden zerstört sah Josef seine Maria an. „Was machen wir denn jetzt?“Maria hatte indessen ihre Fassung wieder etwas gefunden. „In einem Punkt wenigstens hatte der Engel doch recht“ meinte sie. „“Er hat Schwierigkeiten angekündigt und sie fangen schon an!““Wie wahr“ flüsterte Josef und wünschte sich ans Ende der Welt oder wenigstens in ein Mauseloch oder auf den Mond. Wie sollten sie beide einem Mädchen beibringen sich durchzusetzen in Zeiten wie diesen, wie den Anspruch auf Bildung begründen, wie ertragen, dass sich dieses Mädchen womöglich nicht unterordnen würde, wie sollten sie ihm die eigenen, umwälzenden Ideen ausreden? Wie? Himmel hilf! Oder nein, bitte nicht noch einmal!!Maria aber hatte sich bereits der praktischen Seite zugewandt. „Josef“ sagte sie, „hör auf zu heulen! Es ist wie es ist! Geh auf den nächsten Markt und kaufe Windeln!“


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