Pflege in aller Welt: Armut, fliegende Pfleger und fehlendes Fließwasser
FREISTADT. Auszubildende der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege am Klinikum Freistadt haben sich vor der Coronakrise mit Pflegesituationen in aller Welt beschäftigt. Dabei konnten sie einige gravierende Unterschiede aber auch Gemeinsamkeiten entdecken.

19 Schüler des dritten Ausbildungsjahres recherchierten, wie sich Pflege in anderen Ländern darstellt. Dabei wurden Pflegeeinrichtungen in Mexiko, Äthiopien, Indien, der Slowakei, Australien und auch in Österreich genauer betrachtet. Der Kontakt wurde meist durch die Botschaften in den jeweiligen Ländern hergestellt. Auch durch Kontakte aus dem Umfeld der Schüler wurden Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen und Caritas International angefragt.
Das Ergebnis: Krankenhäuser sind in all diesen Ländern vertreten. Auch der unermüdliche Einsatz von kompetenten Pflegekräften, manchmal unter sehr schwierigen Bedingungen, lässt sich in allen Ländern feststellen. Dennoch gab es einige gravierende Unterschiede in der Pflege.
Äthiopien: Pflege ohne Fließwasser
In Äthiopien kann aufgrund der politischen Unruhen kein stabiles Gesundheitssystem gewährleistet werden. In dem befragten Krankenhaus werden die Pflegekräfte zwar auf Hygienerichtlinien geschult, allerdings können diese unter den örtlichen Gegebenheiten nicht umgesetzt werden. Beispielsweise ist das Händewaschen unter fließendem Wasser nicht möglich. Sanitäranlagen sind zwar vorhanden, können aber aufgrund des fehlenden Fließwassers nicht benutzt werden. Einfache Plumpsklos sind im Außenbereich vorhanden. Andere Länder stellen für Äthiopien Pflegekräfte für Schulungszwecke zur Verfügung, um das Personal vor Ort zu unterstützen.
Australien: fliegende Pfleger
Das Gesundheitssystem von Australien und Österreich ist laut Recherche der Schüler ähnlich. Leistungen von Fachärzten wie Zahnärzten und Gynäkologen werden allerdings nur teilweise von der Krankenkasse übernommen. Etwas Besonderes sind die Flight Nurses (fliegende Pfleger). Aufgrund der großen Wüstengebiete ist es in manchen Regionen nicht möglich, sofort ärztliche Hilfe zu erhalten. 1945 wurden daher die Flight Nurses Australia gegründet. Sie fliegen in den vorgesehenen Jets in diese verstreuten Gebiete und überstellen die Patienten an das jeweils nächste Krankenhaus.
In Indien sind großteils private Krankenhäuser vorhanden, die Behandlung muss selbst finanziert werden. Das kann sich nur ein kleiner Bruchteil der Bevölkerung leisten oder muss sich aufgrund medizinischer Versorgung verschulden. Es gibt auch öffentliche Krankenhäuser. „Allerdings ist hier die Versorgung qualitativ eher niedrig gehalten“, wissen die Freistädter Schüler.
Armut und mobile Teams
Im Bundesstaat Nayarit (Mexiko) herrschen extreme Armutsverhältnisse, die medizinische Versorgung wird aufgrund fehlender Straßen erschwert. Mobile Teams fahren zu den Dörfern, den sogenannten Caravans. Zu den abgelegenen Dörfern geht es mit dem Esel. Großen Wert legen die mobilen Teams auf die Gesundheitsförderung, wie Impfungen bei Kindern. Ein Team besteht aus einem Allgemeinmediziner, einem Krankenpfleger, einem Zahnarzt und einem Fahrer und bleibt mehrere Wochen vor Ort, um Verletzte und Kranke zu betreuen. Eine nicht ausgebildete Hilfskraft bleibt im Dorf. Diese darf auch Medikamente bei Bedarf verabreichen. In Notfallsituationen, wenn gerade kein Team vor Ort ist, wird ein Personenwagen organisiert, der die Kranken auf Eigenkosten ins nächste Krankenhaus bringt.
„Sind sehr dankbar über unser Gesundheitssystem“
„Wir haben bei diesem Projekt viel gelernt, und sind sehr dankbar für das Gesundheitssystem in Österreich, für die selbstversändliche Krankenversicherung und die rund um die Uhr zugängliche medizinische und pflegerische Versorgung“, sind sich die Schüler einig. „In Österreich wird das als Selbstverständlich angesehen.“ Auch dass die Wertschätzung in manchen Ländern höhergestellt ist als in Österreich, konnten die Schüler bemerken. „In manchen Ländern werden Pflegepersonen nicht als Hilfskraft vom Arzt angesehen, sondern als eigenständige Berufsgruppe anerkannt.“


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