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FREISTADT. Anlässlich des Welttierschutztages am 4. Oktober wies Tierschutz-Landesrätin Birgit Gerstorfer auf die wichtige Arbeit der Tierheime und Tierschutzorganisationen hin.

Tierschutz-Landesrätin Birgit Gerstorfer und Tierheim-Leiterin Karin Binder Foto: Land OÖ/Lisa Schaffner

Üblicherweise öffnen die oberösterreichischen Tierheime anlässlich dieses Aktionstages ihre Türen für interessierte Besucher. Coronabedingt war dies heuer nicht möglich. „Trotzdem möchte ich zum Welttierschutztag auf die großartige Arbeit hinweisen, die unsere Tierheime und Tierschutzeinrichtungen leisten. Aktiver Tierschutz braucht gute fachliche Kenntnisse und viel Engagement, daher möchte ich mich bei allen Mitarbeitern, und Helfern ganz herzlich für ihren unermüdlichen Einsatz in dieser schwierigen Zeit bedanken“, sagt Tierschutz-Landesrätin Birgit Gerstorfer.

1.700 Tiere im Jahr 2019 aufgenommen

Im Jahr 2019 wurden in Oberösterreich rund 1.700 Fundtiere in den Tierheimen und Tierschutzvereinen, die mit dem Land OÖ eine Partnerschaft haben, aufgenommen. Zusätzlich wurden 100 Tiere behördlich abgenommen und in den Tierheimen untergebracht. Dazu kamen rund 1000 Tiere, die von ihren Besitzern direkt im Tierheim abgegeben wurden. Im Gegenzug wurden 2800 Tiere erfolgreich an neue Besitzer vermittelt.

Tierschutzstelle Freistadt

Seit 2007 wird in Freistadt eine Tierschutzstelle betrieben. 2016 wurde sie durch einen eigenen, modernen Tierheimtrakt (fast zur Gänze aus dem Tierschutzbudget finanziert) erweitert und das Gebäude auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Im April 2019 wurde ein großer Hunde-Übungsplatz fertig gestellt, seither kann mit den Hunden auch ohne Leine trainiert werden.

Derzeit werden im Tierheim Freistadt mehr als 340 Tiere betreut – darunter auch Ziegen, Igel, Alpakas und sogar ein Esel. Zum Tierheim gehört auch eine Tierrettung - sie steht das gesamte Jahr über, rund um die Uhr, mit zwei speziell ausgebildeten Teams im Einsatz. Auch der Schwerpunkt „Problemhunde“ hat sich gut bewährt und viele auffällige oder falsch sozialisierte Hunde haben dadurch eine neue Chance bekommen.

Viele Herausforderungen 2020

„Das Jahr 2020 hat unser Team vor ganz neue Herausforderungen gestellt. Am Anfang der Pandemie hieß es fälschlicherweise, Corona könne auch von Tieren übertragen werden. Beinahe wäre es zu einer Massenabgabe von Tieren gekommen. Durch intensive Gespräche konnten wir die Menschen beruhigen und überzeugen, dass ihr geliebtes Haustier nicht als Überträger schuld ist“, so Tierheimleiterin Karin Binder.

„Aufgrund der Corona-Maßnahmen waren die offiziellen Tierheime einige Zeit gesperrt. Die Menschen haben sich trotzdem Haustiere angeschafft, weil sie Zeit hatten oder einfach um die Kinder zu bespaßen. Viele dieser Tiere stammen aus dem Ausland und dem Internet. Nach Ende des Lockdowns sind vor allem Hunde bei uns im Tierheim gelandet. Die vermittelnden Organisationen aus dem Ausland nehmen sie nicht zurück. So sitzen wieder einige Problemhunde mehr in unseren Tierheimen. Während der Sperre konnten wir natürlich keine Tiere vermitteln, auch das belastet uns heuer finanziell.“

Finger weg von Online-Tierkäufen

Süße Fotos von Hunde- oder Katzenwelpen im Internet bringen immer wieded Käufer dazu, sich ohne ausreichend Überlegungen und Informationen zu spontanen Käufen hinreißen zu lassen. Dabei gilt: Eine der wichtigsten Regeln bei der Anschaffung eines Tieres lautet, sich Zeit zu lassen, nichts überstürzen. In keinem Fall darf man sich durch Fotos im Online-Verkauf zu spontanen Käufen hinreißen lassen – und auch von schnellen Käufen auf Parkplätzen oder öffentlichen Plätzen sollte man die Hände lassen.

Oftmals handelt es sich dabei z.B. im Fall von Hunden um Tiere, die aus schlechten Haltungs- und Sozialisierungsbedingungen kommen und später gesundheitliche oder Verhaltensprobleme aufweisen. Auch ein Kauf dieser Tiere aus Mitleid macht wenig Sinn – da für jeden „geretteten“ Hund weitere für den Verkauf im Ausland unter schlechten Bedingungen nachgezüchtet werden und so das Geschäft mit den Hunden boomt. 

Projekt Streunerkatzen

Längst sind Streunerkatzen auch in Österreich zum Problem geworden. Wie viele herrenlose Katzen in Oberösterreich herumstreunen, weiß niemand genau. Aber gerade zwischen März und Oktober werden unzählige Katzenwelpen bei den Tierschutzeinrichtungen und Pflegestationen abgegeben, viele davon sind nicht kastriert und verwahrlost. Sie sind meist ausgehungert und verwurmt, haben häufig Katzenschnupfen und andere hochansteckende Krankheiten. Diese verwilderten Hauskatzen gehen ursprünglich auf Katzen aus Privathaushalten zurück, die nicht kastriert wurden, entlaufen sind, ausgesetzt wurden oder halbwild leben. Wenn die Katzen ohne Kontakte zu Menschen frei leben, sind sie nicht mehr auf diese sozialisiert und in der Folge sehr scheu. Die Population wächst, obwohl nur ein Teil der Tiere das Erwachsenenalter erreicht, weil viele Tiere mangels Futter und Pflege nicht überleben.

Das Land Oberösterreich hat 2011 ein Projekt zur Kastration dieser Streunerkatzen ins Leben gerufen. Mittlerweile arbeiten 18 Tierschutzorganisationen in Oberösterreich bei diesem erfolgreichen Projekt mit. Pro verwilderter Hauskatze/kater bekommen die Partnerorganisationen vom Land OÖ einen Unterstützungsbeitrag in der Höhe von derzeit 75 Euro als finanzielle Beihilfe zur Kastration inkl. Chippung und Registrierung. Im Rahmen dieses Projekts konnten seit 2011 rund 10.000 verwilderte Katzen in Oberösterreich kastriert und Tierleid dadurch verhindert werden. Seit Beginn des Projekts wurden dafür rund 750.000 Euro aus dem Tierschutzbudget aufgewendet.


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