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Interview mit Manfred Affenzeller: So erlebt ein Windhaager die Pandemie in den USA

Mag. Susanne Überegger, 17.11.2020 16:04

WINDHAAG. Manfred Affenzeller aus Windhaag leitet eine Abteilung im Investment Banking der Deutschen Bank in New York, wo er mit seiner Frau Angelica und dem gemeinsamen Sohn Leo (11) in Manhattan lebt. Wie seine Familie die Pandemie in den USA erlebt, schildert der 46-Jährige im Interview.

Tips: Wie erleben Sie seit März die Corona-Pandemie in New York?

Manfred Affenzeller: Mitte März geriet Covid in NYC außer Kontrolle. Restaurants, Geschäfte, Schulen und Büros schlossen die Tore. Wir haben glücklicherweise ein kleines Wochenendhaus zwei Stunden nördlich der Stadt im Hudson Valley, wo wir schlussendlich bis September den ganzen Sommer verbrachten. Was wir allerdings nicht wussten war, dass wir das Virus mit uns brachten. Mitte März wurden wir dann alle innerhalb von zwei Tagen krank – zuerst ich, dann Angelica, und zuletzt Leo. Man wusste nur wenig über den Virus und viel schlimmer als die Grippesymptome war die Ungewissheit, wie sich die Krankheit entwickeln würde. Gott sei Dank kamen wir mit milden und grippeähnlichen Symptomen davon. Nach zehn Tagen waren Angelica und ich wieder gesund. Leo war nur zwei Tage kränklich. Eine der wenigen positiven Entwicklungen, welche die Epidemie mit sich brachte, ist die Möglichkeit für Restaurants, das Geschäft teilweise auf die Gehsteige oder Seitenstraßen zu verlegen. Das hat das Bild der Stadt teilweise drastisch verändert und gibt einigen Stadtteilen ein sehr europäisches Flair.

Tips: Was bedeutet die Pandemie für Sie und Ihre Familie, privat und beruflich? Kann Ihr Sohn normal die Schule besuchen?

Affenzeller: Seit September sind wir wieder zurück in New York City. Die Schule unseres Sohns hat auf ein System umgestellt, wo Leo einen Tag in der Schule und einen Tag von zu Hause lernt. Wenn er zuhause ist, zoomed er in die Klasse, wo er die Lehrer und die andere Hälfte der Kinder sieht. Und sie sehen ihn und die anderen Kinder daheim auf einem Bildschirm im Klassenzimmer. Manche Schulen mit größerem Campus haben vorerst den Unterricht nach draußen verlegt, um allen Schülern die Möglichkeit zu geben, jeden Tag zum Unterricht zu kommen. Beruflich bin ich im Moment für ca. zwei Tage pro Woche im Büro. Die Deutsche Bank in NY gibt Mitarbeitern offiziell bis Juli 2021 die Möglichkeit, von zu Hause zu arbeiten.

Tips: Ist der Alltag durch die Pandemie eingeschränkt?

Affenzeller: Nachdem wir positiv auf Covid-Antikörper getestet wurden, wurde unser Wochenendhaus ein Ziel vieler unserer Freunde, die in NYC eingeschlossen waren und für ein paar Tage dem Lockdown entkommen wollten. Wir hatten somit ein relativ aktives Sozialleben während der Epidemie. Sozusagen der Vorteil, den unsere Erkrankung mit sich brachte. In NY war der Lockdown ziemlich strikt und die meisten Leute folgten den Regeln. In anderen Teilen des Landes und nachdem die Bevölkerung den Lockdown satt hatte, ist das jetzt nicht mehr der Fall, was die schnelle Verbreitung in Form einer zweiten Welle erklärt.

Amerikaner sind großteils nicht sehr gut mit strikten Regeln und haben einen tiefen ideologischen Drang nach einem Recht auf Freiheit. Viele sehen die Verordnung, Masken zu tragen oder Social Distancing als eine Verletzung dieses Rechtes. Wenn man sich die neuen Krankheitszahlen ansieht, stellt sich natürlich heraus, dass das eine ziemlich kurzsichtige Ideologie ist.

Tips: Wann waren Sie das letzte Mal in Windhaag und wie geht es Ihnen damit, womöglich länger nicht in die Heimat reisen zu können? Ihre Mutter wird Sie vermutlich in nächster Zeit auch nicht besuchen kommen können?

Affenzeller: Ich war leider seit mehr als zwei Jahren nicht mehr in Österreich und vermute auch, dass es für die nächsten paar Monate weiterhin nicht einfach sein wird zu reisen. Leo wollte wie fast jedes Jahr den August in Windhaag verbringen, aber wir mussten das natürlich heuer stornieren. Hoffentlich klappt es 2021.

Tips: Was ist Ihre persönliche Meinung zu Donald Trumps Umgang mit der Pandemie?

Affenzeller: Covid hat Trump die Wiederwahl gekostet. Es wäre für jeden Präsidenten schwierig gewesen, die Krankheit in einem enorm großen und dezentralisierten Land in Griff zu bekommen. Aber durch sein Benehmen und fragwürdigen Aussagen ist es relativ einfach und gerechtfertigt, ihm die Schuld für die erbärmlichen Zahlen in den USA zu geben. Eine mehr wissenschaftlich-fundierte Regierung mit besseren Verhältnissen zu den Bundesstaaten hätte sicherlich die Zahl der Todesopfer verringern können.<


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