Josef Graf Czernin-Kinsky (101): „Ich habe im Leben viele Schutzengel gehabt“

Hits: 1928
Mag. Claudia Greindl Mag. Claudia Greindl, Tips Redaktion, 24.11.2021 09:56 Uhr

SANDL. „Ich bin ein überalterter Mensch, geboren im vorigen Jahrhundert“, sagt Ökonomierat Josef Graf Czernin-Kinsky. Aber auch wenn der Körper des 101-Jährigen schwach ist, sein Geist ist wach, und auch seinen feinen Humor hat sich der ehemalige Eigentümer des Forstguts Rosenhof bestens erhalten. Kein alltägliches Interview für Tips-Redakteurin Claudia Greindl.

Tips: Sie sind 1920 geboren und schon als junger Mann im Zweiten Weltkrieg lebensgefährlich verletzt worden. Ihr Leben hätte damals schon vorbei sein können. Wie haben Sie es geschafft, 101 Jahre alt zu werden?

Czernin-Kinsky: Ich bin zweimal knapp dem Tod entronnen, einmal in Russland, als eine Granate neben zwei Kameraden und mir eingeschlagen hat. Und zum zweiten Mal in Monte Cassino, als ich meinen rechten Arm verloren habe. Ich habe im Leben viele Schutzengel gehabt.

Tips: Haben Sie ein Rezept für das Altwerden?

Czernin-Kinsky: Ich habe gar nichts für mein Überleben gemacht (lacht). Ich war viel in der Natur, hatte viel mit Wald und Förstern zu tun, ich war auch Präsident des OÖ. Forstvereins.

Tips: Der Wald hat für Sie immer eine große Rolle gespielt?

Czernin-Kinsky: Natürlich, ich habe von meinem Vater, der ein Waldgut in Kärnten hatte, viel über den Wald gelernt. Ich kann nicht mehr gehen, jetzt schaue ich mir im Fernsehen am liebsten Sendungen mit Bäumen an.

Tips: Vor Jahren durfte ich Sie in den Sandler „Urwald“ begleiten. Gibt es diesen Wald noch?

Czernin-Kinsky: Der Urwald steht und liegt seit Jahrzehnten, wie er ist. Man kann von ihm für die Entwicklung des Waldes viel lernen.

Tips: Wenn Sie zurückblicken, welche Erinnerungen sind für Sie am schlimmsten?

Czernin-Kinsky: Es gab für mich keine größeren Aufregungen als den Krieg. Dass ich meinen Arm verloren habe, hat mich aber nie beeinträchtigt, ich war Jäger und bin Auto gefahren. An die Gymnasiumszeit in Seckau erinnere ich mich zwar gerne und träume oft noch davon, aber das Lernen hat mich nicht so gefreut – Latein, Mathematik und Griechisch waren die Klippen.

Tips: Worauf blicken Sie besonders gerne zurück?

Czernin-Kinsky: Auf meine Familie. Ich hatte zehn Geschwister, zwei Brüder sind im Krieg gefallen. Ich bin der Einzige, der noch lebt. Meine Frau, eine gebürtige Holländerin, und ich haben vier Kinder bekommen. Wir haben viele schöne Reisen gemacht. Leider ist meine Gattin schon 2014 gestorben. Meine Enkel sind alle gut geraten und tüchtig. In meinem Leben war alles Gottes Entscheidung, auch Krieg und Schmerzen. Ich habe immer alles vom christlichen Standpunkt aus betrachtet. Fragen Sie mich auch zu Suizid?

Tips: Meinen Sie Sterbehilfe?

Czernin-Kinsky: Ja, auch. Da gibt es für mich nur totale Ablehnung, das kommt überhaupt nicht infrage. Christus ist auch nicht vom Kreuz gestiegen.

Tips: Leben Sie noch gerne?

Czernin-Kinsky: Ja, wenn ich gepflegt werde! Ich habe zwei Pflegerinnen aus Rumänien. Mein Sohn Stanislaus kommt täglich und jeden Abend, wir beten und singen, dann gehe ich schlafen.

Tips: Haben Sie das Gefühl, im Leben etwas versäumt zu haben?

Czernin-Kinsky: Wir hätten noch mehr schöne Reisen machen sollen (schmunzelt). Die Welt ist so weit und schön!

Tips: Wie geht es Ihnen mit dem Altwerden?

Czernin-Kinsky: Der Körper lässt nach, die Sehkraft wird schwächer, Gottseidank ist mein Geist noch in Ordnung. Ich bin halt ein überalterter Mensch, Handy und Computer sind an mir vorbeigegangen. Ich lese noch Zeitung, aber nur mehr die großen Buchstaben, und schaue gern ein wenig fern. Was ich gerne mache, ist über die Vergangenheit nachzudenken. Da fällt mir ein Witz ein: Zwei Männer treffen sich, fragt der eine, wie es dem anderen geht. Der antwortet: Ich bin über den Berg, aber von nun an geht es nur noch bergab (lacht schelmisch). Das war mir immer wichtig: mit Ernst bei der Sache, aber mit Humor im Leben.

Tips: Gibt es noch Wünsche?

Czernin-Kinsky: Mein Enkel Benno übernimmt zu Jahreswechsel das Forstgut von meinem Sohn Stanislaus. Ende März kommt der Sohn von Benno auf die Welt. Dann möchten wir ein Vier-Generationen-Foto machen, das möchte ich erleben.

Mehr über die Familie Czernin-Kinsky und das Forstgut Rosenhof findet man online unter rosenhof.co.at 

Kommentar verfassen



Mehr Lollipop-Antigentests in den Kindergärten

BEZIRK. Das Land Oberösterreich stellt ab sofort zwei Lollipop-Antigentests pro Kindergartenkind und Woche zur Verfügung - die Teilnahme ist freiwillig - und verdoppelt zudem auch das Testangebot für ...

Altbürgermeister Maximilian Reindl feierte seinen 80. Geburtstag

LIEBENAU.  Altbürgermeister Maximilian Reindl feierte seinen 80. Geburtstag

Schneestange bohrte sich durch Windschutzscheibe und verfehlte Unfalllenker nur knapp

TRAGWEIN. Mit viel Glück kam ein Autofahrer Freitagabend in der Tragweiner Ortschaft Mistlberg bei einem Unfall ohne Verletzungen davon.   

Wie schützt man sich vor Omikron? Primar Bernd Lamprecht beantwortet Fragen

BEZIRK. Die hochansteckende Corona-Variante macht viele Menschen nervös. Durch welches Verhalten kann man sich relativ sicher und frei bewegen? Diese Fragen beantwortet Primar Dr. Bernd Lamprecht, Vorstand ...

Neue Einkommensgrenzen für Rotkreuzmarkt-Kunden

BEZIRK FREISTADT. In den Rotkreuz-Märkten gelten seit 1. Jänner 2022 neue Einkommensgrenzen für die Kunden. So können noch mehr Menschen das Angebot in Anspruch nehmen.

Eislaufen in Neumarkt: Gelungener Auftakt am Alten Sportplatz

NEUMARKT. Sichtlich große Freude hatten die Kinder und Jugendlichen, die gleich am erstmöglichen Tag den neuen Neumarkter Eislaufplatz am Funcourt nutzten. 

Spatenstich für 4-Sterne-Superior-Hotel in Freistadt gesetzt

FREISTADT. Es ist vollbracht, der offizielle Spatenstich für das neue 4-Sterne-Superior-Hotel am Messegelände in Freistadt wurde heute, 14. Jänner, gesetzt. 23 Millionen Euro wird das ambitionierte ...

Freistadts Veranstaltungsjahr 2022: Ostermarkt, Bella Italia, Kürbisfest und so manche Überraschung

FREISTADT. „Heute wird gestern und morgen wird gut“: Mit dieser Lichtprojektion auf dem Bürgerkorpsturm gegenüber dem Brauhaus blickt das Stadtmarketing Freistadt trotz der Pandemie voller Optimismus ...