Almleuchten als Auftakt zur Bischofs-Visitation
UNTERWEISSENBACH. Heiß her ging es im wahrsten Sinn des Wortes am Beginn der Visitation im Dekanat Unterweißenbach: Beim Almleuchten auf der Mühlviertler Alm leuchteten mehr als 3.000 Fackeln, und bei der Wanderung am Sonntag auf dem Johannesweg mit Bischof Manfred Scheuer und seinem Visitationsteam heizte die Sommersonne den Wanderfreudigen ordentlich ein.

Visitation ist traditionell der Besuch des Bischofs in einer Pfarre. In der Diözese Linz besucht der Bischof gemeinsam mit einem Team eine Woche lang ein ganzes Dekanat. Bei der 17. dieser Visitationen sind Bischof Manfred Scheuer, Generalvikar Severin Lederhilger, Bischofsvikar Wilhelm Vieböck und Brigitte Gruber-Aichberger von 24. Juni bis 1. Juli 2023 im Dekanat Unterweißenbach unterwegs. Sie wollen möglichst vielen Menschen begegnen und das Leben in den Pfarren und den verschiedenen kirchlichen Einrichtungen bzw. Gruppen kennen lernen.
„Zeichen setzen zur Sonnenwende“
Stimmungsvoller Auftakt der Visitation war das schon traditionelle Almleuchten, daszur Sonnenwende stattfand. Es war 2020 von der Jugendtankstelle Mühlviertler Alm als Reaktion auf die Unsicherheit der Pandemie ins Leben gerufen worden. Unter dem Motto „Zeichen setzen zur Sonnenwende“ wird seither jedes Jahr ein neues Symbol entzündet, das die aktuelle Lebenswelt von jungen Menschen sowie deren Bedürfnisse und Wünsche versinnbildlichen soll. Dieses Jahr war es das Symbol des Ankers, der die Botschaft von Hoffnung, Halt und Frieden bis spät in die Nacht verkündete. Claudia Lindner, pädagogische Mitarbeiterin bei der „Jugendtankstelle Mühlviertler Alm“: „Der Anker ist ein Sinnbild für Hoffnung und Frieden in einer unruhigen, schnelllebigen Welt. Denn ab und zu muss man seinen Anker auswerfen, wenn man in einen Sturm gerät. Der Sehnsucht nach Halt und Zugehörigkeit wird mit diesem Symbol Ausdruck verliehen.“
Musikalische Brücke geschaffen
Organisiert wurde die Aktion von der Jugendtankstelle Mühlviertler Alm, der Katholischen Jugend Weitersfelden, den Firmlingen der Pfarre St. Georgen am Walde und vielen weiteren engagierten Freiwilligen. 3.000 Fackeln setzten ein leuchtendes Zeichen für Solidarität, Zusammenhalt und Frieden: An verschiedenen Schauplätzen wurden aus den Fackeln überdimensionale Symbole gestaltet, die gemeinsam entzündet wurden – an jeweils von den Ortszentren gut einsehbare Orte in den Gemeinden Königswiesen, Unterweißenbach, Weitersfelden sowie (außerhalb des Dekanats) St. Georgen am Walde. Auch Generalvikar Severin Lederhilger, Bischofsvikar Wilhelm Vieböck und Brigitte Gruber-Aichberger nahmen am „Almleuchten“ teil und halfen beim Entzünden der Fackeln. Wie viele Besucher waren auch sie beeindruckt und berührt von der besonderen Atmosphäre. Besonders schön: Beim gleichzeitig stattfindenden Musikfest des Musikvereins Unterweißenbach wurde das Thema „Feuer“ musikalisch und so eine musikalische Brücke zum „Almleuchten“ geschaffen.
Die Jugendtankstelle Mühlviertler Alm im Dekanat Unterweißenbach entstand 2004 im Rahmen eines Regionalentwicklungsprozesses. Durch eine Kooperation von Diözese Linz und Regionalentwicklungsverband Mühlviertler Alm entstand eine Drehscheibe rund um die Themen Jugendarbeit und Jugendbeteiligung in der Region Mühlviertler Alm. Mit Schwerpunktthemen aus Jugend- und Freizeitkultur, Politik, Religion, Arbeit und Zukunftschancen, etc., wurden und werden aktuelle Themen und Entwicklungen aufgegriffen und Jugendliche dabei unterstützt, eigene Ideen und Vorstellungen zu formulieren und aktiv im Miteinander der Region miteinzubringen.
„Zusammen gehen – zusammenwachsen“: Wanderung auf dem Johannesweg
Am Sonntagvormittag feierten die Visitator:innen Gottesdienst mit den Gläubigen in Königswiesen, Unterweißenbach, Pierbach und Weitersfelden. Am Nachmittag des 25. Juni waren haupt- und ehrenamtlich Engagierte des Dekanats und alle Gehbegeisterten zu einer Wanderung mit Bischof Manfred Scheuer und seinem Visitator:innen-Team auf dem Johannesweg eingeladen. Der Johannesweg wurde 2012 eröffnet. Initiator war der Naarner Dermatologe Johannes Neuhofer. Er versteht den Johannesweg als Hilfe, Kraft zu schöpfen und wieder in die eigene Spur zu finden. Nicht von ungefähr ist der Weg nach Johannes dem Täufer benannt, der die Menschen zur Umkehr aufgerufen hatte. Ausgehend von der Gemeinde Pierbach führt der 84 Kilometer lange (Pilger-)Weg durch die Landschaft des Regionalverbands Mühlviertler Alm wieder zurück nach Pierbach. Bei 12 Stationen werden Impulse und Weisheiten vermittelt, die sowohl die körperliche als auch die geistige Gesundheit stärken sollen.
Mehr als 80 Wanderbegeisterte aus allen Pfarren des Dekanats machten sich am Sonntagnachmittag bei wunderschönem Sommerwetter mit dem Bischof und seinem Team auf den Johannesweg, der durch Wälder und über Wiesen von der Kapelle Nadelbach in Weitersfelden hinauf zur Bergkapelle „Kammerer-Kreuz“ in Weitersfelden führte. Das gemeinsame zweieinhalbstündige Unterwegssein stand unter dem Motto „Zusammen gehen – zusammenwachsen“. Bei der Nadelbach-Kapelle erläuterte der Bürgermeister von Weitersfelden Franz Xaver Hölzl deren Entstehungsgeschichte: Die Dorfkapelle Nadelbach war 1993 von der Dorfgemeinschaft erbaut worden – auf Initiative einer Familie, die für die Heilung des Sohnes danken wollte.
Am Ziel angekommen, feierten die Teilnehmer:innen bei der Bergkapelle „Kammerer-Kreuz“ eine Andacht, die von einer Musikgruppe aus Kaltenberg gestaltet wurde. Visitatorin Brigitte Gruber-Aichberger bei der Andacht: „Zusammengehen und zusammenwachsen – unter diesem Motto waren wir jetzt miteinander unterwegs. Das braucht Zeit und Entwicklung – so wie die Einmütigkeit. Sie meint nicht: Gleichmacherei und Vereinheitlichung, sondern Einigkeit unter Wahrung von Einmaligkeit und Eigenständigkeit. ‚Einheit in Vielfalt‘, so lautet ein Leitgedanke im Zukunftsweg der Diözese. Das setzt voraus, dass es Unterschiede gibt und jede und jeder in der je eigenen Einzigartigkeit an Überzeugungen und Begabungen respektiert wird und Platz hat.“ Gruber-Aichberger betonte, jeder und jede sei berufen zu segnen und zum Segen für andere zu werden: „Wer anderen Gutes will, ohne zu beanspruchen, zu wissen, was gut ist für den anderen, schafft ein Klima des ehrlichen Interesses aneinander, des Zuhörens, des Respekts, des offenen Gespräches und der Wertschätzung. All das bereitet einen guten Boden für Einheit in Vielfalt und ein gutes Klima zum Zusammenwachsen.“


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