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FREISTADT. Das geplante riesige Google-Rechenzentrum in Kronstorf stellt das Anti Atom Komitee in Frage. „Wäre es nicht vernünftiger, ein auf den tatsächlichen Bedarf zugeschnittenes Projekt umzusetzen, dezentraler auf mehrere Standorte verteilt, flexibler, europäischer, schwerer angreifbar und trotzdem transparenter?“ fragen Manfred Doppler und Gerold Wagner. 

Symbolfoto (Foto: Eduardo Barraza/Adobe Stock)
Symbolfoto (Foto: Eduardo Barraza/Adobe Stock)

„Ob wir in Oberösterreich ein Rechenzentrum wie das in Kronsdorf brauchen, sei dahingestellt und ob KI nützt oder schadet, hängt letztlich nicht nur von den Algorithmen, sondern ebenfalls von der Benutzung ab. Nichtsdestotrotz sind Rechenzentren mit erheblichem Stromhunger nicht unbedeutende Mitverursacher für den steigenden Strombedarf und somit auch beim Anti Atom Komitee ein Nebenthema. Letztendlich klammert sich auch die Atomlobby an diesen Strohhalm. Abgesehen davon gibt es jedoch weitere Überlegungen, die wir anstellen sollten.

Schauen, wen man sich ins Boot holt

Es ist nicht ganz unwichtig, wen man sich da ins Boot holt. Gerade Google gibt nicht nur Auskunft, sondern sammelt und verwertet vor allem Daten. Es kann nicht schaden, genau hinzuschauen, was hier in Kronsdorf entstehen und vor sich gehen soll. Schließlich stehen weder Google noch die Konzernmutter Alphabet Inc. und schon gar nicht die Vereinigten Staaten für europäische Werte und Interessen, sondern verfolgen durchwegs eigene. Verurteilt worden ist die Firma wegen Datenschutz- oder Wettbewerbsvergehen schon mehrfach. Es geht in erster Linie ums Geschäft.

Nicht geschmeichelt fühlen

„Wie sicher oder wie kritisch ist eine heutzutage zur Infrastruktur zählende Technik in den Händen US-amerikanischer Global Players und vor allem, wovor sollten wir auf der Hut sein? Keinesfalls sollten wir uns geschmeichelt fühlen, dass Google auf den Standort Oberösterreich vertraut, es stellt sich vielmehr die Frage, inwieweit das umgekehrt der Fall sein kann“, bringt es Manfred Doppler auf den Punkt.

Sehr ernst dürfte es jedenfalls mit europäischen Bemühungen nicht sein, unabhängiger von US-Diensten zu werden, es passiert schließlich das Gegenteil. Durch den bekanntermaßen extrem hohen Stromverbrauch und die Abwärme wird das beim Vollausbau riesige Rechenzentrum in Oberösterreich wohl außerdem zum Handicap für etwaige weitere, vielleicht europäischere Projekte im Land und könnte sogar Vorhaben aus anderen Branchen im Weg stehen.

Nächster Gigant auf der Matte

Das Google-Rechenzentrum wird nicht das einzige seiner Art in Österreich bleiben und mit Microsoft hat im Raum um Wien bereits ein anderer Gigant den Fuß in der Tür. Steigen dürfte wohl jedenfalls der Strompreis für die Allgemeinheit, wenn nämlich nach der Merit-Order vermehrt auch teurere Quellen für die Versorgung zum Einsatz kommen. Auch mit Auswirkungen auf die Gestaltung des Stromnetzes ist zu rechnen.

Woher der Strom kommen wird

Welchen Nutzen bringt uns ein solches Rechenzentrum insgesamt? 100 Jobs allein, sofern diese überhaupt längerfristig und für Leute aus der Umgebung offen stehen, könnten teuer erkauft sein, vor allem, wenn der zusätzliche Strombedarf nicht mit Erneuerbaren gedeckt werden kann, sondern mit dem Import von Atomstrom den tschechischen Atomausbauplänen in die Hände spielt.“

Manfred Doppler, Obmann Anti Atom Komitee

Gerold Wagner, Projektverantwortlicher Anti Atom Komitee


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