Vom persönlichen Tiefpunkt zur Mutmacherin für Krebspatienten
PREGARTEN. Als die an Brustkrebs erkrankte Birgit S. im Jänner einen besonders schweren Tag erlebt, wird aus einer persönlichen Krise die Idee für einen Brustkrebs-Stammtisch in Pregarten.

Es ist ein Nachmittag im Jänner, den Birgit S. nicht vergessen wird. Die damals 36-Jährige ist körperlich und psychisch erschöpft. Die Therapie gegen ihren Krebs hat ihr viel Kraft genommen. So viel, dass sie nicht einmal mit ihrer fünfjährigen Tochter spielen kann. Sie verbringt den Nachmittag im Bett und während sie dort liegt, kommt eine Frage, die schwerer wiegt als die Erschöpfung: Wie geht das weiter? Kann ich für meine Tochter noch da sein? Aus diesem Moment heraus entsteht eine Idee. Birgit möchte einen Ort schaffen, an dem sich Menschen mit Brustkrebs begegnen können. Einen Ort für Austausch, Verständnis und gegenseitige Unterstützung. So entstand der Brustkrebs-Stammtisch, der einmal im Monat im Pregarten stattfindet.
Diagnose war großer Schock
Anfang August 2025 erhält Birgit die Diagnose einer aggressiven Form von Brustkrebs. Für die junge Mutter und ihre Familie ist die Nachricht ein Schock. Besonders belastend ist auch die Erinnerung an ihre Schwester, die bereits im Alter von 27 Jahren an Hautkrebs gestorben ist. Birgit informiert sich intensiv, lässt sich von ihren Ärzten beraten und holt auch selbst möglichst viele Informationen über die Erkrankung und Behandlungsmöglichkeiten ein. Im Krankenhaus sucht sie psychologische Unterstützung. Gleichzeitig versucht sie, ihre Tochter aufzufangen. Sie besorgt Kinderbücher zum Thema Krebs und nimmt Kontakt zu Kinderpsychologen auf. „Die Diagnose hat das Leben der ganzen Familie auf den Kopf gestellt“, erzählt sie.
16 Immuntherapien, Chemotherapie, 15 Bestrahlungen und eine Operation hat Birgit hinter sich. „Mein Körper musste viel aushalten.“ Trotzdem versucht sie, so gut es geht, in Bewegung zu bleiben. „Der Gedanke an meine Tochter hat mich kämpfen und alles durchhalten lassen. Ich will für sie da sein“, schildert sie.
Gemeinsam durch die schweren Tage
Birgit war schon vor ihrer Erkrankung ein sozialer Mensch und engagierte sich unter anderem ehrenamtlich beim Roten Kreuz. Während ihrer Behandlung erlebt sie selbst, wie wertvoll der Austausch mit anderen Betroffenen sein kann. Bei Gesprächen in der Onkologie lernt sie andere Krebspatienten kennen, mit manchen entwickelt sich sogar eine Freundschaft. Dabei wird ihr klar: Viele Fragen stellen sich immer wieder. Wo ist eine gute Reha? Welche Nebenwirkungen können auftreten? Was hilft im Alltag? Wie gelingt die Rückkehr in den Beruf? Und manchmal geht es auch schlicht darum, jemanden zu haben, der versteht, wie es sich anfühlt.
Austausch und Vorträge
Die Gruppe ist bewusst offen für Frauen in unterschiedlichen Phasen der Erkrankung. Auch jene, die ihre Krebserkrankung bereits hinter sich haben, sind willkommen, um ihre Erfahrungen weiterzugeben und anderen Mut zu machen. „Hier kann offen gesprochen werden, ohne sich erklären zu müssen. Trotz der schwierigen Themen ist die Stimmung bei den Treffen meistens positiv und nach vorne gerichtet“, so die Pregartnerin. Auch Fachleute wie eine Perückenmacherin oder Yogalehrerin kommen zu den Treffen, geben praktische Tipps und beantworten Fragen. Die Termine werden auf der Homepage der Gemeinde Pregarten (https://pregarten.at/) veröffentlicht.
„Krebs kann jeden treffen“
Birgit hat während ihrer Erkrankung auch erlebt, wie unterschiedlich Menschen auf Krebs reagieren. Manche ziehen sich zurück, weil sie nicht wissen, was sie sagen sollen. Andere versuchen, einen Grund für die Erkrankung zu finden – etwa zu viel Stress oder eine vermeintlich falsche Lebensweise. „Manchmal hat man das Gefühl, man wird für seine Erkrankung sogar ein Stück weit verantwortlich gemacht. Aber Krebs kann jeden treffen. Egal ob jung, alt, Frauen oder Männer.“ Laut Bundesministerium für Gesundheit erkranken in Österreich jährlich rund 46.000 Menschen an Krebs. Bei Frauen sind bösartige Tumoren der Brust die häufigste Krebsdiagnose. Im Jahr 2023 wurden in Österreich 6.902 Brustkrebsfälle registriert. Birgit wünscht sich daher, dass Krebsvorsorge schon früh vermittelt wird und Vorsorgeuntersuchungen schon in jüngeren Jahren durchgeführt werden.
Was hilft?
Was Birgit geholfen hat, ist konkrete Unterstützung. So bot eine Nachbarin an, auf ihre Tochter aufzupassen, wenn sie zum Arzt musste. Ihre Mutter kochte für sie. Als die Hausarbeit körperlich zu viel wurde, nahm sie eine Familienhelferin in Anspruch. Und was würde Birgit einer Frau sagen, die gerade erst ihre Diagnose bekommen hat? „Jede muss ihren eigenen Weg finden. Wichtig ist es, nicht den Mut zu verlieren und zu kämpfen. Versuchen, sich auf die Heilung zu konzentrieren. Und sich selbst möglichst gut über die Erkrankung und die verschiedenen Therapien zu informieren.“








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