Social Prescribing in Tragwein: Hilfe bei Sorgen und Einsamkeit
TRAGWEIN. Wenn Sorgen den Alltag belasten, braucht es manchmal mehr als eine medizinische Behandlung. In Tragwein verbindet das Projekt Social Prescribing seit Juni die hausärztliche Versorgung mit sozialen Unterstützungsangeboten. Seit Oktober ergänzt die ergotherapeutische Gruppe „Sama Aktiv“ das Angebot.

Gesundheit bedeutet mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Einsamkeit, finanzielle Sorgen, familiäre Konflikte oder belastende Lebenssituationen können das körperliche und psychische Wohlbefinden erheblich beeinflussen. Auch die beiden Tragweiner Allgemeinmediziner Dr. Tassilo Dückelmann und Dr. Bernhard Wild erleben in ihrer täglichen Arbeit, dass Medikamente und medizinische Behandlungen allein nicht immer ausreichen. „Social Prescribing“ setzt genau hier an. Menschen werden dabei unterstützt, passende soziale, kulturelle und gesundheitsfördernde Angebote in ihrer Umgebung zu finden.
Beratungsgespräche
Das Projekt wird zunächst für zwei Jahre in den beiden Ordinationen umgesetzt und im Rahmen der Agenda Gesundheitsförderung mit Mitteln des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz ermöglicht. Für die Sozialberatung ist Johanna Steurer zuständig. Die Sozialarbeiterin mit langjähriger Berufserfahrung nimmt sich Zeit für die Anliegen der Patienten. Werden im Rahmen eines Arztbesuchs zusätzliche soziale oder persönliche Belastungen sichtbar, können die Betroffenen mit ihrem Einverständnis an sie vermittelt werden. Im Beratungsgespräch wird gemeinsam überlegt, welche Unterstützung hilfreich sein könnte.
Einschneidende Lebensereignisse
Die Themen reichen von Einsamkeit und fehlenden sozialen Kontakten über familiäre Schwierigkeiten und finanzielle Sorgen bis hin zu Überforderung bei der Pflege von Angehörigen. Auch nach schweren Erkrankungen oder einschneidenden Lebensereignissen kann es schwierig sein, wieder Struktur in den Alltag zu bringen. Die Beratung ist kostenlos, vertraulich und freiwillig. Bei Bedarf sind mehrere Gespräche, Hausbesuche oder Begleitungen zu Einrichtungen und Angeboten möglich. „Es geht nicht darum, jemandem etwas vorzugeben. Gemeinsam schauen wir, was zur jeweiligen Person passt“, beschreibt Steurer ihren Ansatz. Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit ist außerdem die Vernetzung in der Region. Durch Kontakte zu Vereinen, Selbsthilfegruppen, sozialen Einrichtungen sowie Bewegungs- und Kulturangeboten sollen Menschen möglichst unkompliziert Unterstützung finden.
„Sama Aktiv“
Mit Anfang Oktober ist das Angebot „Sama Aktiv“ dazugekommen. Die Ergotherapeutin Magdalena Einfalt leitet die Gruppe, die Menschen zusammenbringen und zu gemeinsamer Aktivität ermutigen soll. Bei den Treffen stehen unterschiedliche Aktivitäten auf dem Programm. Gemeinsam wird gekocht und gebacken, es werden kreative Tätigkeiten ausprobiert und Übungen für Gedächtnis, Konzentration und Aufmerksamkeit durchgeführt. Auch einfache Entspannungsübungen und Anregungen für den Alltag zu Hause gehören dazu. Vor allem aber geht es um Begegnung, Austausch und Freude am Miteinander. Neue Kontakte können entstehen, Interessen entdeckt und Erfahrungen geteilt werden. Dass Social Prescribing bereits in den ersten Monaten Menschen erreichen konnte, stimmt die Beteiligten zuversichtlich.








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