Die Landwirtschaft zwischen Herausforderung und Leidenschaft
BAD ZELL. Steigende Kosten, Bürokratie und Klimawandel fordern die Landwirtschaft. Doch trotz vieler Herausforderungen bleibt die Leidenschaft für den Beruf. Der Familienbetrieb Hölzl aus Bad Zell zeigt, warum Bauer sein Zukunft hat.

Schwankende Erzeugerpreise, steigende Betriebsmittelkosten, zunehmende Bürokratie und die Auswirkungen des Klimawandels verlangen den bäuerlichen Familienbetrieben viel ab. Dazu kommen Unsicherheiten rund um Renaturierung, Wolf und Biber. Gleichzeitig leisten die Landwirte einen unverzichtbaren Beitrag zur regionalen Lebensmittelversorgung, zur Pflege der Kulturlandschaft und zur Lebensqualität im ländlichen Raum.
Bürokratische Hürden und Freude am Beruf
Ein Blick auf den Familienbetrieb Hölzl in Bad Zell zeigt, was die Landwirtschaft heute bewegt. Johannes und seine Frau Barbara Hölzl bewirtschaften den Milchviehbetrieb „Mairhofer“ in Lanzendorf. Sie übernahmen den Hof 2017 von Johannes’ Onkel. Gemeinsam führen sie den Betrieb und verbinden dabei Familie und Landwirtschaft. Rund 60 Milchkühe und die weibliche Nachzucht bilden den Schwerpunkt des Betriebes. Dass der bäuerliche Alltag nicht immer einfach ist, weiß Johannes Hölzl aus eigener Erfahrung.
Besonders die Bürokratie bezeichnet er als die größte Herausforderung: „Das Schwierigste ist, bei der ganzen Bürokratie den Überblick zu behalten. Die Herausforderung besteht nicht darin, die zahlreichen Auflagen zu erfüllen, sondern keine Fristen oder erforderlichen Unterlagen zu übersehen. Das kostet viel Zeit und Energie, die man eigentlich lieber in die Arbeit am Hof investieren würde.“
„Nicht nur jammern“
Trotzdem möchte er den Blick nicht ausschließlich auf die Schwierigkeiten richten. „Es ist wichtig, nicht nur zu jammern, auch wenn es natürlich Herausforderungen gibt. Bauer zu sein ist für mich einer der schönsten Berufe. Man sieht direkt das Ergebnis seiner Arbeit, kann mit Tieren und in der Natur arbeiten und ist gemeinsam mit der Familie am Hof. Gerade für die Kinder ist es eine schöne Zeit, wenn sie das Aufwachsen am Bauernhof miterleben können“, erzählt Hölzl.
Faire Preise als Grundlage
Auch wirtschaftlich stehen viele Betriebe unter Druck. Hohe Energie-, Futter- und Betriebsmittelkosten treffen auf schwankende Agrarmärkte und Erzeugerpreise, die nicht immer den tatsächlichen Aufwand widerspiegeln. „Dabei sind faire Preise entscheidend, damit landwirtschaftliche Familienbetriebe wirtschaftlich bestehen, notwendige Investitionen tätigen und ihren Höfen eine Zukunft geben können“, sagt Bezirksbauernkammerobmann Martin Moser. Chancen bieten die Direktvermarktung, regionale Wertschöpfungsketten und eine stärkere Bewusstseinsbildung für heimische Produkte. Auch eine umfassende Herkunftskennzeichnung, insbesondere in Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung, könnte für mehr Transparenz sorgen und die regionale Landwirtschaft stärken, sagen Landwirt Johannes Hölzl und Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Waldenberger.
Wolf, Biber, Renaturierung: Unsicherheiten am Hof
Weitere Herausforderungen ergeben sich durch die Rückkehr großer Beutegreifer und die zunehmende Ausbreitung des Bibers. Der Wolf stellt insbesondere Tierhalter vor schwierige Fragen rund um den Schutz ihrer Tiere. Der Biber wiederum verursacht Schäden an landwirtschaftlichen Flächen, Entwässerungsanlagen und Infrastruktur. „Hier braucht es Lösungen, die sowohl den Artenschutz als auch die Interessen der betroffenen Landwirte und den Schutz ihres Eigentums berücksichtigen“, so Waldenberger.
Sorgen bereitet vielen Betrieben außerdem die Umsetzung der europäischen Renaturierungsvorgaben. Unklarheiten über künftige Einschränkungen, zusätzliche Auflagen oder mögliche Flächenstilllegungen erschweren die langfristige Planung. „Naturschutz und Landwirtschaft müssen dabei kein Widerspruch sein. Entscheidend ist, dass Maßnahmen gemeinsam mit den Betroffenen entwickelt werden, praxistauglich bleiben und ausreichend finanziell abgegolten werden“, sagt Bezirksbäuerin Johanna Miesenberger.
Dürre hinterlässt ihre Spuren
Das Jahr 2026 hat vielen Betrieben erneut vor Augen geführt, wie stark die Landwirtschaft von den Witterungsbedingungen abhängig ist. Wenn Niederschläge ausbleiben, leiden Grünland, Ackerflächen und Futterversorgung. Gerade viehhaltende Betriebe geraten dadurch rasch unter Druck. Wie wichtig Zusammenhalt in solchen Situationen ist, zeigte sich heuer. Zwischenfruchtflächen wurden zur Futternutzung freigegeben und Siloballen aus anderen Bezirken organisiert. Diese Solidarität half, die Situation für betroffene Familienbetriebe zu entschärfen.








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