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FREISTADT. Bedeutend niedriger als angenommen ist offenbar die Skepsis in Bezug auf Impfungen. Die Mediziner aus der Region wollen den jüngsten Tips-Bericht über die Masernimpfung daher nicht unkommentiert stehen lassen. Dr. Werner Stütz aus Freistadt stand Tips für die Bezirksärztevertretung Rede und Antwort.

  1 / 2   Die grundsätzliche Wirkung der Masernimpfung ist laut Studien unbestritten. Foto: New Africa/Shutterstock.com

Tips: Unser Bericht über das Pro und Contra in Sachen Masernimpfung hat viele Reaktionen hervorgerufen. Was ist aus ärztlicher Sicht dazu zu sagen?

Stütz: Die Kontroverse über das Impfen ist gar nicht so kontrovers. Studien belegen, dass die Impfskepsis bedeutend niedriger als vermutet ist. Laut Gesundheitsministerium lag 2017 in Österreich die Masern- Durchimpfungsrate von Zwei-bis Fünfjährigen für die zweite Impfung bei 81 Prozent, bei Sechs- bis Neunjährigen bei 89 Prozent. Die WHO strebt eine Rate von 95 Prozent an, um die Masern weltweit auszurotten.

Tips: Warum ist es so wichtig, die Masern auszurotten?

Stütz: Die Masern können sehr schwere Krankheitsverläufe und Spätfolgen nach sich ziehen. 90 Prozent aller Menschen, die durch Tröpfcheninfektion mit dem Virus in Kontakt kommen und nicht immun sind, erkranken. Die Ansteckungsrate ist also sehr hoch, und gerade bei sehr jungen Kindern und älteren Menschen können die Folgen gravierend sein.

Tips: Welche Folgen können Masern nach sich ziehen?

Stütz: Abgesehen von der Masernerkrankung selbst ist das Immunsystem noch viele Monate danach geschwächt und macht den Patienten anfällig für weitere Erkrankungen. Bei etwa einem von 1.000 Erkrankten kommt es zu schweren Spätfolgen. Eine davon ist eine Gehirnerkrankung namens subakute sklerosierende Panenzephalitis. Sie kann Jahre nach der Maserninfektion eintreten und verläuft fast immer tödlich. Besonders gefährdet sind ganz kleine Kinder. Jede Einzelne hat daher eine Verantwortung gegenüber jenen, die sich nicht impfen lassen können.

Tips: Wann sollte man sich bzw. seine Kinder impfen lassen?

Stütz: Der empfohlene Zeitpunkt für die Masern-Mumps-Röteln (MMR)-Impfung ist vor zwei Jahren auf neun Monate herabgesetzt worden. Die zweite Impfung kann frühestens drei Monate später erfolgen. Erwachsene ohne dokumentierte zweite Impfung oder ohne entsprechenden Impftiter – also feststellbare Antikörper im Blut – können sich jederzeit kostenfrei bei der Bezirkshauptmannschaft impfen lassen.

Tips: Impfgegner argumentieren gerne mit schweren Folgeschäden der Immunisierung.

Stütz: Das Wissen über Impfschäden stammt oft aus unreflektierten Informationen aus dem Internet. Ein vermuteter Zusammenhang zwischen Autismus und der MMR-Impfung wurde in zahlreichen Studien klar widerlegt. Viele Erkrankungen treten im Kindesalter erstmals auf, nach Impfungen scheint oft ein Zusammenhang logisch. Es gibt natürlich Komplikationen nach Impfungen. Es kann zu Fieber kommen, das gut behandelbar ist und rasch vergeht. Die Impfmasern, ein Ausschlag als Reaktion auf den Lebend-Impfstoff einige Wochen nach der Masernimpfung, sind ebenfalls selbstlimitierend. An der Impfstelle können Rötungen oder Schwellungen auftreten, die in den meisten Fällen nicht bedenklich sind. In seltenen Fällen gibt es allergische Reaktionen auf die Impfung.

Tips: Bei Kindern ist eine Sechsfach-Impfung vorgesehen. Manche Eltern schrecken vor dieser „Keule“ zurück.

Stütz: Die Antigen-Menge in den Impfstoffen ist heute deutlich reduziert, daher ist die Sechsfach-Impfung schonender als die früheren Einzel-Impfungen.

Tips: Wo gibt es Beratung bei Unsicherheit in Sachen Impfen?

Stütz: Jeder Hausarzt ist gerne zu einer Beratung bereit. Es wird niemand stigmatisiert, der seine Kinder nicht impfen lassen möchte. Wir möchten den Eltern beratend zur Seite stehen, um zu helfen, die Kinder bestmöglich zu schützen.


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