Pfarrseelsorge: eigenes Ritual bei Begräbnissen, wenn die tröstende Nähe wegfällt
FREISTADT. Irmgard Sternbauer sieht, wie sehr den Menschen das Händeschütteln und Beisammenstehen fehlt, vor allem in schweren Lebenssituationen. Die Pfarrseelsorgerin versucht in Coronazeiten bei Begräbnissen ein eigenes Ritual.

Abstand halten, das fällt Irmgard Sternbauer nicht leicht. „Wir Menschen sind nicht für die Distanz geschaffen“, sagt die leitenden Pfarrseelsorgerin aus Freistadt. Aber Distanz muss derzeit sein, auch im Pfarrleben.
Veranstaltungen, Taufen und Hochzeiten wurden auf den Herbst verschoben. Nur bei Todesfällen wollen Angehörige meist nicht monatelang warten, bis wieder mehr Menschen zum Begräbnisgottesdienst kommen dürfen. Die Verabschiedungen finden im kleinen Kreis im Freien statt.
Die Angehörigen müssen zuvor auswählen, wer daran teilnehmen darf. „Das ist eine große Herausforderung“, sagt Irmgard Sternbauer.
„Abstandhalten belastet“
Auch das Abstandhalten belastet, wo sonst ein Händeschütteln oder das nahe Beisammenstehen tröstlich sein kann. Die Pfarrleiterin spricht das bei der Feier bewusst an: „Ich lade die Anwesenden ein, den Raum, den wir freilassen müssen, mit Erinnerungen an den verstorbenen Menschen zu füllen.“
Bei einem Begräbnis wird ein zu Ende gegangenes Leben gewürdigt. Meist werden die zentralen Lebensstationen verlesen. Das entfällt, wenn nur jene zusammenkommen, die den verstorbenen Menschen gut gekannt haben. Trotzdem möchte Irmgard Sternbauer die Verabschiedung respekt- und würdevoll gestalten.
„Ich versuche mehr herauszustreichen, was das Miteinander ausgemacht hat.“ Das Leben wird wieder anders werden, davon ist Irmgard Sternbauer überzeugt: „Bis dahin will ich das, was jetzt möglich ist, gut machen.“


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden