In der Demenzabteilung: "Schaub Lorenz heißt meine Frau"
GUTAU/LUZERN (SZ). In die Demenzabteilung eines Alten- und Pflegeheimes führt Andrea Heurteur die Leser in ihrem Buch „Schaub Lorenz heißt meine Frau“. Die gebürtige Gutauerin, die in Luzern lebt, gibt Einblick in den Alltag dementer Menschen und ihrer Pfleger. Im Zentrum des Werks stehen fünf Persönlichkeiten und ihre Bedürfnisse.
Die Autorin nimmt ihre Leser quasi bei der Hand und lässt sie Menschen im Herbst ihres Lebens näher kennenlernen. Diese sind verschieden alt und kommen aus ganz unterschiedlichen sozialen Ebenen. Was sie an dem gleichen Ort zusammenführt, ist die Diagnose Demenz.
Die Autorin nähert sich einfühlsam und respektvoll den Menschen und ihren Lebensgeschichten an. Trotz des Verlustes der Sprache passiert eine Annäherung. Es ist keine „normale“ Kommunikation mehr möglich, die Menschen finden dennoch Formen und Wege, um sich mitzuteilen.
Fragen über Fragen
Der Einblick in den Alltag eines Pflegeheimes wirft Fragen auf: wie leben die Menschen im Pflegeheim? Welche Aufgaben stellen sich dem Pflegepersonal? Wie funktionieren die Strukturen innerhalb einer solchen Institution und wie ist die Zusammenarbeit zwischen dem ärztlichen, pflegerischen und therapeutischen Personal? Welche Rolle spielt die Politik? Und die Angehörigen? Im Zentrum der Erzählung stehen aber fünf Persönlichkeiten und ihre Bedürfnisse.
Die Grenzen der Therapie
Unterbrochen werden die Schilderungen der Begegnungen durch kurze Erzählungen, Ergänzungen, Reflexionen der Roman-Kunsttherapeutin. Diese stößt in der therapeutischen Begleitung immer wieder an ihre Grenzen. Andrea Heurteur ist selber ausgebildete Kunsttherapeutin. Dieser Erfahrungsschatz erlaubt ihr in der Erzählung, diese Rolle mit Blick auf das Geschehen zu formulieren und die Grenzen aufzuzeigen. Diese Grenzen ziehen sich durch das gesamte Gesundheitswesen. Das wurde auch in der Pandemie sichtbar. Die Arbeit auf einer Demenzabteilung ist mehr als ein Projekt. Sie ermöglicht eine letzte Heimat für Menschen zu werden und zu sein, die alles, sogar sich selbst, verloren haben.
Atelier in Freistadt
Die Autorin, 1961 in Linz geboren, wuchs in Gutau auf, ging dort zur Schule und lebt seit 1980 im Schweizer Luzern. Seit Ende 2024 hat die Ruhe- und Naturliebhaberin ein Atelier in Freistadt, wo sie an ihren Büchern arbeitet. „Im Moment arbeite ich an einer Sammlung von Kurzgeschcihten, die im März 2026 herauskommen wird“, erzählt sie. In „Die Nachschläferin. Kurze Geschichten vom Aufwachen“ ist auch eine in Freistadt angesiedelte Geschichte enthalten.
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