Wie es dem Verein Immanuel gelingt, durch Arbeit neuen Halt im Leben zu geben
SCHÖNAU/ST. GEORGEN AM WALDE. Seit 20 Jahren versucht der Verein Immanuel, den Teufelskreis zu durchbrechen, der sich aus psychosozialen Problemen, sozialem Rückzug, Arbeitslosigkeit, Vereinsamung und Verarmung ergibt. Mit Erfolg, wie die Vereinsführung in ihrer Bilanz feststellt. Aber noch immer ist viel Luft nach oben.

Hauptziel des Vereins Immanuel ist es, Menschen trotz ihrer psychischen Erkrankung in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren – „und zwar wohnortnah“, betont Geschäftsführer Reinhard Rieg-ler aus Schönau. „Arbeit zu haben, gebraucht zu werden, das eigene Geld zu verdienen, Kontakte zu pflegen, das stärkt die seelische Gesundheit.“
300 Arbeitsverhältnisse in 170 Betrieben
Seit den ersten Immanuel-Tagen Ende 2005 haben die Mitarbeiter von Immanuel rund 400 Kunden betreut. Etwa 300 Mal ist es gelungen, Frauen und Männer mit psychosozialer Diagnose in ein Arbeitsverhältnis in 170 Betrieben, vor allem in den Bezirken Freistadt, Perg und Urfahr-Umgebung, zu vermitteln.
2026 hat der Verein mit Obmann Franz Hochstöger aus St. Georgen am Walde zum Jubiläumsjahr ausgerufen, in dem die Erfolge auch gefeiert werden dürfen (siehe Infobox).
Bedarf unverändert groß
Der Wermutstropfen: Noch immer ist der Bedarf an Arbeitsplätzen für Menschen mit mentaler Erkrankung unverändert groß. Derzeit betreuen Reinhard Riegler und seine Kollegin Susanne Hochedlinger 65 Kunden, die Zahl der Erstgespräche liegt heuer bereits im zweistelligen Bereich. „Unsere Kunden müssen sich selbst bei uns im Büro in Schönau melden, um ihr echtes Interesse zu bekräftigen. Oft werden sie durch Ärzte, Spitäler oder durch das AMS zu uns vermittelt“, weiß Riegler.
Diagnose als Hürde
Voraussetzung für eine Betreuung durch Immanuel ist eine psychosoziale Diagnose, worin auch eine der größten Hürden besteht. Obmann Franz Hochstöger, Bürgermeister a. D. von St. Georgen: „Viele Betroffene trauen sich wegen ihres Krankheitsbildes gar nicht anzurufen. Sie verkriechen sich zu Hause, verlieren ihre sozialen Kontakte und geraten in einen immer schlechteren Zustand.“
Diesen Teufelskreis zu durchbrechen, versucht das Team durch die Vermittlung passender Arbeitsplätze bei regionalen Betrieben. „Die Bandbreite reicht von Tischlern über Steuerberater, den Einzelhandel bis hin zu Gärtnereien und landwirtschaftlichen Betrieben“, so Hochstöger.
Langfristige Betreuung
Die Betreuung der Kunden ist auf lange Frist angelegt. Freizeitaktivitäten, die den Kunden sehr guttun, müssen aus Spenden und durch Benefizveranstaltungen finanziert werden. „Jeder Mensch hat Schwächen, aber auch Stärken, und mit diesen muss man arbeiten“, betont Riegler. Oft klappt die Arbeitsintegration hervorragend, manchmal tun sich jedoch auch Durchhänger und Krisen auf.
Auch Rückschläge sind normal
Natürlich gehören auch Rückschläge dazu. „Umso wichtiger ist es, dass unsere Kunden uns vertrauen und sie jemanden zum Reden haben, wenn es nötig ist.“ Es gibt sogar ehemalige Immanuel-Kunden, die mittlerweile eine Ausbildung abgeschlossen haben und den Werkmeister anstreben. „Der Arbeitgeber weiß von Immanuel gar nichts“, so der Schönauer.
Immanuel ist gut vernetzt
Bis ein Arbeitsverhältnis gut läuft, ist oft einige Vorarbeit nötig. „Zum Glück sind wir mit der Sozialberatung, dem Sozialservice, der Schuldnerberatung, pro mente, Tageskliniken, mit dem Jugendcoaching, Produktionsschulen und vielen weiteren Einrichtungen gut vernetzt“, sagt der Geschäftsführer. Auf seinem Wunschzettel stehen regionale Arbeitstrainingszentren. „Regelmäßig mit den Öffis nach Linz zu fahren, ist für viele psychisch Erkrankte ein Wahnsinn.“ Der Ausbau der Beratungsangebote gehört für Immanuel ebenso zu den Notwendigkeiten wie ein offenes Ohr bei Unternehmern.
Weil es jeden treffen kann
Auch die bürokratischen Mühlen sollten schneller mahlen. „Für einen Kunden habe ich 2023 den Antrag auf Reha-Geld gestellt, der ist bis heute nicht entschieden, der Mann kommt immer schlechter zusammen“, so Riegler. „Das hätte auch anders ausgehen können.“ Mehr Akzeptanz von psychischen Erkrankungen in der Gesellschaft sei sowieso vonnöten. „Eine psychosoziale Krise kann jeden aus heiterem Himmel treffen, und dann wäre es gut, wenn es mehr Einrichtungen wie Immanuel gäbe“, ist Obmann Hochstöger überzeugt.


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