Kür zur „bäuerlichen Unternehmerin 2017“
BEZIRK FREISTADT. Bäuerinnen, die selbstbewusst ihren Arbeitsplatz am Bauernhof schaffen, werden seit 2009 alle zwei Jahre von der Landwirtschaftskammer OÖ mit dem Titel „Die bäuerliche Unternehmerin“ ausgezeichnet. 16 Kandidatinnen kamen in die engere Auswahl, davon drei aus dem Bezirk Freistadt. Bei der Rieder Messe wird am 6. September die Siegerin gekürt.

Die Kandidatinnen haben ihre Berufung in der Landwirtschaft gefunden. Fast alle haben einen anderen Beruf erlernt und sind durch Heirat oder Hofübernahme zu bäuerlichen Unternehmerinnen geworden. Alle Kandidatinnen absolvierten umfangreiche Ausbildungen, denn Fachwissen auch in der Urproduktion ist wichtig, um gleichwertiger Partner in der Betriebsführung zu sein. Eine Besonderheit ist, dass die Betriebsleiterinnen auf Erwerbskombinationen setzen. Sie sehen die Zukunft nicht im Wachstum durch die Betriebsgröße, sondern in der Entwicklung eines Einkommensstandbeines, das in der Region, in der Gesellschaft oder bei speziellen Konsumentengruppen Einkommen bringt.
„Wir wollen mit diesem Wettbewerb zeigen, dass Frauen selbstständig auf Höfen arbeiten und ihren Arbeitsplatz zu Hause schaffen. Umfragen zeigen, dass Frauen in der Landwirtschaft vor allem die gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die Selbstständigkeit schätzen“, betont die Vorsitzende des Bäuerinnenausschusses LAbg. ÖR Annemarie Brunner.
Franziska Friesenecker – Pieberschlag/Windhaag
Franziska Friesenecker (geb. 1970) erzählt oft, dass sie nicht wusste, dass Kühe zweimal täglich gemolken werden müssen, als sie ihren „Mann mit Landwirtschaft“ kennenlernte. Sie wechselte die Branche und wurde von der EDV-Unternehmerin eine bäuerliche Unternehmerin. Sie heiratete auf einen Milchviehbetrieb ein und im Laufe der Jahre stellte sie fest, dass sie bei der Mengen- oder Größensteigerung nicht mitmachen möchte. Die Befassung mit der Betriebsentwicklung brachte sie und ihren Mann auf die ursprüngliche Aufgabe der Landwirtschaft zurück – die Versorgung der Menschen in der Gegend mit in der Region erzeugten Lebensmitteln. Also führte der Weg des Hofes vom ausschließlichen, spezialisierten Milchviehbetrieb hin zu einem Biobauernhof mit Vielfalt. Am Betrieb gibt es nun Weideochsen, Freilandschweine, Hühner, Ölfrüchte wie Lein, Leindotter oder Hanf, gepresst zu Speiseöl, Anbau von Senf und Herstellung von vier Senfsorten, Erdäpfel, Kräuter und – als neueste Erweiterung – Bioerdbeeren zum Selberpflücken. In Abstimmung mit den Konsumenten will Friesenecker auch Selbsternteflächen anbieten bzw. das Modell „solidarische Landwirtschaft“ angehen. „Ich liebe nach wie vor die Arbeit, die ich als Bäuerin täglich mache“, betont Franziska Friesenecker.
Manuela Pürmair – Hirschbach
Pürmair (geb. 1974) wollte immer gemeinsam mit ihrem Mann mit der vorhandenen Fläche das Familieneinkommen erwirtschaften, das Seminar „Bäuerliches Familienunternehmen“ war für sie dazu eine tolle Entscheidungshilfe. 2006 wurde auf Schafe umgestellt und die gesamte Milch an einen etablierten bäuerlichen Schafmilchbetrieb geliefert. Am Hof selbst wurde zusätzlich ein besonderes Produkt entwickelt: der „blaue Abraham“, ein Blauschimmelkäse aus reiner Schafmilch. Die Kooperation mit dem Schafmilchverarbeiter in der Region besteht weiterhin. Der Bergkräuterwanderweg führt direkt am Hof vorbei, daher gibt es eine gute Nachfrage nach Stallführungen mit anschließender Käseverkostung. Am wunderschönen Hof mit Steinbloß-Fassade gibt es auch eine Ferienwohnung. „Diese führen wir unter dem Motto: Wer wenig reisen kann, sollte sich die Leute ins Haus holen“, sagt Pürmair. Die Schafe werden zehn Monate im Jahr gemolken und in der zweimonatigen Ruhezeit geht Pürmair ihren Hobbys Bierbrauen und dem Bedrucken von T-Shirts nach.
Renate Pointner - Windhaag
2013 zog Familie Pointer vom Einfamilienhaus auf den Bauernhof ihres Mannes, den sie nach längerer Bedenkzeit übernommen haben. Dadurch konnte Renate Pointer (geb. 1975), ausgebildete Krankenschwester, ihre Vision für die Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigungen und Senioren umsetzen. Mit Alpakas, Kaninchen und Ziegen und ihrer langjährigen Erfahrung in der Altenpflege bietet Pointer tiergestützte Intervention am Hof an. Pointner arbeitet mit der Caritas, Pro mente und der Lebenshilfe zusammen. Der Kontakt mit den Tieren verschafft den Menschen Bewegung, Ablenkung und Wohlbefinden. Seit 2016 ist die Tagesbetreuung am Hof geöffnet, die Pointner gemeinsam mit dem Verein Tageszentren Freistadt, führt. „Ich habe im Programm des Ländlichen Fortbildungsinstituts von einer Green Care Tagung gelesen. Diese gab für mich letztendlich den Anstoß, Soziales und die Landwirtschaft auf meinem Hof zu verbinden“, erläutert Pointner.


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