Lehrherren: „Es ist ein Wahnsinn, gut integrierte Leute abzuschieben“
BEZIRK FREISTADT. Einigen Lehrlingen aus dem Bezirk droht die Abschiebung. Doch die Unterstützung für einen Zugang von Asylwerbern zur Lehre in Mangelberufen wird immer breiter.

Bei der Neumarkter Firma Schinko arbeiten vier Asylwerber. Der aus dem Irak stammende Ali Al Nuaimi hat einen negativen Asylbescheid erhalten. Er hat dagegen Einspruch erhoben, doch das Verfahren kann bis zu zwei Jahren dauern. „Es ist ein Wahnsinn, wenn Leute abgeschoben werden, die gut integriert sind“, äußert Geschäftsführer Gerhard Lengauer seinen Unmut. „Ali wurde bei uns gut ausgebildet. Unser gesamtes Team steht hinter ihm.“
Lehrlinge fehlen
14.386 Lehrstellen sind derzeit in Österreich in Mangelberufen nicht besetzt, in Oberösterreich sind es 4.263. Die von Integrationslandesrat Rudi Anschober gestartete Initiative „Ausbildung statt Abschiebung“ wird in Oberösterreich bereits von 650 Unternehmen und 84 Gemeinden unterstützt, darunter mit Bad Zell, Gutau, Neumarkt in Mühlkreis, Pregarten und St. Oswald auch vier Gemeinden aus dem Bezirk Freistadt. 67.200 Privatpersonen haben eine Online-Petition unterzeichnet, 28.000 offene Briefe wurden an den Bundeskanzler geschrieben und mehr als 100 Prominente unterstützen die Aktion. „Asylwerbende können die Lehrstellenkrise sicherlich nicht alleine lösen, aber sie können einen wichtigen und wesentlichen Beitrag leisten“, sagt Anschober.
„Zuverlässig und lerneifrig“
Im Kurhotel Bad Zell hat Kochlehrling Nasrullah Mosavi einen negativen Asylbescheid erhalten. Nach einem Einspruch sieht es für ihn aber gut aus. „Er bekommt wahrscheinlich einen Aufschub und darf während der Lehre bleiben“, sagt Geschäftsführer Andreas Fröhlich. Im Hotel ist die Freude groß, Mosavi gilt als zuverlässiger, lerneifriger und loyaler Mitarbeiter.


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