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GARSTEN. Als der heilige Berthold vor über 900 Jahren dem Kloster Garsten als erster Abt vorstand, war ihm – so berichtet die Lebensgeschichte – die Sorge um die Menschen ein besonderes Anliegen.

  1 / 2   Von links: Pfarrassistent Stefan Grandy, Cecily Corti, Katharina Steininger (Leiterin der Bibliothek Garsten), Pastoralassistentin Heidi Staltner-Kix Foto: Ewald Staltner

So bleibt das Vermächtnis des heiligen Berthold ein Beispiel, dessen die Pfarre Garsten jährlich im Rahmen des Bertholdfestes gedenkt.

Cecily Corti: Verantwortung nicht abschieben

Die Sorge um die Menschen ist es auch, welche heuer, wie Pfarrassistent Stefan Grandy betonte, „den Bogen über die Jahrhunderte spannt“. Bereits am Freitag vermittelte Cecily Corti auf Einladung der Bibliothek Garsten authentisch ihren Einsatz für die Notleidenden in der Gesellschaft. Die Witwe von Axel Corti ist die Gründerin der VinziRast-Einrichtungen in Wien. Die VinziRast besteht aus vier Projekten: der VinziRast-Notschlafstelle, dem Übergangswohnhaus „VinziRast-CortiHaus“ für ehemals obdachlose Menschen, der „VinziRast-Wohngemeinschaft“ für abstinent lebende Alkoholkranke und aus „VinziRast-mittendrin“, wo ehemals obdachlose Menschen mit Studierenden leben.

Corti las aus ihrem Buch „Man muss auf dem Grund gewesen sein“ und gab Einblick in ihre Grundhaltung, Verantwortung nicht abzuschieben: „Wir werden sonst eine Gesellschaft des Zuschauens und verlieren so unsere Würde.“ In der Annahme jedes Menschen ohne Vorurteile entstehe eine bessere Beziehung, welche letztlich eine bessere Welt ermögliche, so Corti. Die VinziRast ist für Corti eine stete Lehrmeisterin in der Einübung eines respektvollen Umgangs miteinander.

Das von der Jugend gestaltete Taizé-Gebet am Freitagabend lud dazu ein, Stille miteinander zu teilen, innezuhalten und zu sich selbst zu finden, um so die Seele zu sättigen.

Scheuer: Was Geist und Seele nährt

Der Frage, welche Nahrung Geist und Seele brauchen, ging Bischof Manfred Scheuer beim Festgottesdienst am Sonntag nach. In seiner Festpredigt hob Scheuer die Bedeutung der geistigen Nahrung hervor. Ausgehend von einem Zitat von Ludwig Feuerbach, „Der Mensch ist, was er isst“, unterstrich Scheuer die Notwendigkeit, sich auch in geistiger Hinsicht gesund zu ernähren und nicht „Diätfehler einseitiger Ernährung“ zu begehen. „Wenn wir nur negative Nachrichten aufnehmen, hat das Konsequenzen für unser Denken“, so Bischof Scheuer. Auch die Seele brauche Nahrung, um wachsen zu können. Als wichtige Nahrung nannte der Bischof die Freude am Schönen, die Gemeinschaft und Zeiten der Ruhe und des Innehaltens.

Besonders betonte Scheuer die Bedeutung der Nahrung des Teilens in der Sorge um die Mitmenschen. Der Diözesanbischof rief dazu auf, nach dem Vorbild des heiligen Berthold die eigenen Begabungen einzusetzen, um Menschen aufzubauen und im Engagement miteinander Zeit zu teilen. Im Anschluss an die Bertholdprozession bot sich am „Platzl“ noch die Möglichkeit zur Begegnung mit dem Bischof und zur Nahrungsaufnahme in vielfältiger Form. „Musikalische Nahrung“ kam von der Marktmusikkapelle Garsten, die dem Fest eine besondere Note gab.

Festgottesdienst mit Aichern

Am Mittwoch, 27. Juli, dem Todestag des heiligen Berthold, wird des ersten Abtes des Benediktinerstiftes Garsten noch einmal in besonderer Weise gedacht. Bischof em. Maximilian Aichern feiert um 19 Uhr mit der Gemeinde den Festgottesdienst. Ab 18.15 Uhr stimmen Orgelmusik und Texte auf den Gottesdienst ein.


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