Die Hälfte des Kulturhauptstadtjahres ist vorbei
BAD ISCHL/SALZKAMMERGUT. Mit einer Pressekonferenz feierte das Kulturhauptstadtteam eine Halbjahresbilanz des Projektes und blickte auf viele Ereignisse zurück. Zeit für die Tips, ebenfalls eine Bilanz zu ziehen und einen Blick in die Zukunft zu werfen.

„Im Vorfeld ist Aufregung normal. Dann ist es gut, wenn es sich beruhigt“, eröffnete Elisabeth Schweeger, Intendantin der Kulturhauptstadt Bad Ischl Salzkammergut 2024, ihre Rede bei der Halbjahres-Pressekonferenz der Kulturhauptstadt am Mittwoch, 10. Juli, in Bad Aussee.
Das Kulturhauptstadt-Jahr mit seinen 19 Gemeinden im oberösterreichischen und vier Gemeinden im steirischen Salzkammergut läuft nun bereits seit gut einem halben Jahr. Zeit für das Team der Kulturhauptstadt, eine Halbjahresbilanz zu ziehen – und für die Medien freilich auch.
220.000 Besucher bis Ende Juni
Manuela Reichert, kaufmännische Leiterin der Kulturhauptstadt, präsentierte die Zahlen: Die Bannerstadt Bad Ischl verzeichnete demnach von Jänner bis April 2024 ein Nächtigungsplus von 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, plus 36 Prozent konnten bei den Ankünften vermerkt werden. In der gesamten Kulturhauptstadtregion konnte ein Nächtigungsplus von fünf Prozent und acht Prozent mehr Ankünfte verzeichnet werden. Die touristischen Zahlen werden quartalsmäßig evaluiert, weshalb lediglich Zahlen bis April vorliegen, erklärte Reichert.
Die Besucherzahlen von Veranstaltungen um die Kulturhauptstadt liegen aber genauer vor: Laut den Verantwortlichen haben per Ende Juni mehr als 220.000 Menschen Veranstaltungen besucht. Dazu kommen weitere 32.000 Besucher, die bereits im Vorjahr Events der Kulturhauptstadt besucht haben.
Zu den Ausstellungen mit den höchsten Besucherzahlen zählen „Kunst mit Salz und Wasser“ im Sudhaus Bad Ischl, die Ausstellungstrilogie „Die Reise der Bilder“ in Linz, Bad Aussee und Lauffen sowie die Veranstaltungen „Bruckner’s Salz“ in Ebensee und „Urlicht Primal Light“ in Bad Ischl.
„Wo gearbeitet wird, werden Fehler gemacht“
Freilich gebe es bei der Kulturhauptstadt auch Kritikpunkte, denn „wo gearbeitet wird, werden Fehler gemacht“ weiß der Obertrauner Künstler Wolfgang Müllegger, der unter anderem mit seinem Projekt „Wohlstand Afterparty“ Teil der Kulturhauptstadt ist. Er weiß: „Nur dann gibt es eine Weiterentwicklung und einen positiven Nachhall für die Region“. Müllegger erklärt zudem, dass er von Beginn an von der Kulturhauptstadt „nur profitiert hat“ und den Diskurs darum positiv empfunden habe. Dass er in dem Rahmen mit anderen Künstlern und Kuratoren in Kontakt treten darf, sei ein Mehrwert für ihn.
Wie nachhaltig wirkt die Kulturhauptstadt?
Die Frage, wie nachhaltig das Projekt Europäische Kulturhauptstadt sein wird, stellen sich viele Salzkammergütler. Ein positives Beispiel dafür ist das Sudhaus in Bad Ischl: Das alte Industriegebäude, das einst zur Salzherstellung diente, stand seit Jahren leer. Mit der Ausstellung „Kunst mit Salz und Wasser“, die mit der Kulturhauptstadt-Eröffnung am 20. Jänner 2024 startete, wurde dem Leerstand neues Leben eingehaucht. Das soll auch künftig so bleiben, wie Katharina Steiner, Pressesprecherin der Salinen Austria AG, verrät. „Geplant ist ein Kulturzentrum mit Fokus auf dem Erlebnis Salz“. Die Kulturhauptstadt habe jedenfalls dafür gesorgt, dass das Sudhaus und was dort passiert – die Soleleitungen aus dem Bergbau laufen in dem Gebäude zusammen – den Menschen wieder ein Begriff ist, so Steiner.
Kunst und Kultur begleiten den Herbst
Rund 130 Projekte aus dem Programmbuch seien laut Schweeger bereits umgesetzt worden. In den verbleibenden vier Monaten der Europäischen Kulturhauptstadt sollen noch viele weitere der vorgestellten 300 folgen. Hubert von Goisern gibt etwa noch bis Ende August spontane Straßenkonzerte in der Region, das Europäische Theaterfestival findet im Herbst im Lehár Theater Bad Ischl statt und das Musical „Hammer. Die Geschichte von Robert und Julia“ wird im September in Scharnstein weiter aufgeführt.
„Was kann Kunst? Was ermöglicht sie?“ Mit dieser Frage will sich die Kulturhauptstadt auseinandersetzen, meint Schweeger und betont, dass auch wenn es um das Projekt ruhiger geworden sei: „Die Diskussionen sollen nicht aufhören“.


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