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GMUNDEN/STEYR/IDOMENI. Der Gmundner Maximilian Hanke ist hauptberuflich für das Rote Kreuz in Steyr tätig, wo er für Asylwerber zuständig ist. Vor Kurzem hat der 27-Jährige zwei Wochen lang die Kräfte im griechischen Flüchtlingslager Idomeni unterstützt - und war auch während der Flüchtlingsunruhen vor Ort. Tips hat mit ihm über seine Eindrücke gesprochen.

Maximilian Hanke (r.) mit dem Rot-Kreuz-Dolmetscher in einer kurzen Einsatzpause.
Maximilian Hanke (r.) mit dem Rot-Kreuz-Dolmetscher in einer kurzen Einsatzpause.

Tips: Wie ist es zu Ihrem Einsatz in Idomeni gekommen, was waren Ihre Aufgaben?

Hanke: Ich wurde vom Roten Kreuz für die Einheit, die international bereitsteht, angefragt und von meiner Arbeit für das Rote Kreuz in Steyr dafür frei gestellt. In Idomeni war ich in einer Basic Health Care Unit - einem Feldspital. Dort haben wir eine einfache, hausärztliche Versorgung angeboten. Wir haben Menschen behandelt, die von den Strapazen der Reise krank geworden sind, aber auch Kranke, die aufgrund der Flucht schon lange nicht mehr behandelt wurden, etwa mit Herz-erkrankungen oder Diabetes. Es gab auch Geburten - und nach den Unruhen haben wir die Verletzten behandelt.

Tips: Wie haben Sie die Unruhen in der zweiten Aprilwoche erlebt?

Hanke: Morgens gab es schon Gerüchte, dass sich die Grenzen öffnen - da hat es ja offenbar auch Flugzettel gegeben. Dann kamen die Lautsprecherdurchsagen, dass die Grenze offen ist, und danach haben sich natürlich viele Menschen in Bewegung gesetzt. Danach waren sie frustriert, weil sie nicht weiter konnten. Ich war nicht direkt an der Grenze und habe nicht gesehen, was dort passiert ist - ob zuerst die Flüchtlinge Steine geworfen haben, oder ob zuerst das Tränengas gekommen ist. Wir waren mehrere hundert Meter weg von der Grenze und haben uns aus dem Konflikt herausgehalten. Und wir haben die Verletzten versorgt. Laut Auskunft von Ärzte ohne Grenzen sind rund 300 Menschen verletzt worden.

Tips: Sie waren auch vor und nach den Unruhen im Lager: Wie haben Sie allgemein die Lage und die Stimmung erlebt?

Hanke: Im Lager war es meist sehr ruhig. Die Leute wollten weiter, konnten aber nicht. Sie waren sehr frustriert, weil sie viel auf sich genommen haben und jetzt die Grenzen geschlossen sind. Viele können das auch einfach nicht glauben. Sie können nicht akzeptieren, dass ihr Weg hier endet. Sie wollen einfach weiter. Dafür nehmen sie auch die schlechten gesundheitlichen und hygienischen Bedingungen in Idomeni in Kauf.

Tips: Worin besteht das hauptsächliche Problem in Idomeni?

Hanke: Es wird natürlich versucht, die Hygiene zu verbessern. Aber es ist schwierig, wenn zuerst die Leute da sind, und dann erst das Lager organisiert werden muss. Idomeni hat sich ja aus einem Transitlager entwickelt, das nur für einen kurzen Aufenthalt gedacht war. Mittlerweile leben dort 10.000 Menschen, dafür fehlt aber die Infrastruktur. Die griechische Regierung fühlt sich für das Lager nicht zuständig, sie bietet den Flüchtlingen aber immer die Verlegung in eines der umgebenden Lager an, die vom Militär organisiert worden sind. Diese Lager sind weniger bewohnt, weil die Menschen einfach nicht von der Grenze weg wollen. Sie möchten einfach so nahe wie möglich dort sein, falls sie vielleicht doch einmal geöffnet wird. Nach den Unruhen wurde das Angebot zur Übersiedlung in andere Lager aber verstärkt genutzt - da sind rund 1000 Leute abgereist, darunter viele Familien. Viele sind aber nicht bereit, von Idomeni wegzugehen. Ich glaube nicht, dass sich das Lager in naher Zukunft auflösen wird.

Tips: Ein Einsatz wie der in Idomeni hinterlässt sicher starke Eindrücke. Wie kann man das persönlich verarbeiten?

Hanke: Natürlich sprechen wir untereinander darüber, was wir erlebt haben. Das hilft. Das Schockierendste war für mich, unter welchen Umständen hier besonders die Kinder leben müssen - Idomeni ist kein Platz, wo Kinder leben sollten. Manchmal kommen Kinder mit 40 Grad Fieber in die Krankenstation, und wir können sie zwar behandeln, aber wir wissen: Sie müssen in einem Zelt schlafen, in dem es in der Nacht nur 10 Grad hat. Dann gibt es Kinder mit Kriegsverletzungen - ich erinnere mich an ein siebenjähriges Mädchen mit einer alten Schussverletzung. Da wünscht man sich wirklich, dass die Kinder das nicht mehr durchmachen müssen. Und man ist auch froh, dass es in Österreich nicht so ist.


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