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Barrierefrei-Check in Gmunden: "Oft machen schon Kleinigkeiten einen großen Unterschied"

Daniela Toth, 02.12.2017 07:48

Gmunden. Anlässlich des Tages der Behinderung am Sonntag, 3. Dezember, nahm die Gmundner Tips die Umsetzung der Barrierefreiheit in Gmunden unter die Lupe. Karl Eichinger, beim Zivilinvalidenverband (ZIV) Gmunden für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, machte auf gelungene und weniger gelungene Beispiele aufmerksam.

Der abgeschrägte Gehsteigrand erleichtert Menschen im Rollstuhl das Überqueren der Straße, wie Karl Eichinger vom ZIV Gmunden erklärt.

Das seit 1. Jänner 2006 geltende Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz hat zum Ziel, Menschen mit Behinderung eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Ein wesentlicher Teil dabei ist die Barrierefreiheit. Bauliche Anlagen können nach dem Gesetz eine Diskriminierung darstellen – wofür dann auch Schadenersatz eingefordert werden könnte. Nach einer zehnjährigen Übergangsfrist sollte seit 2016 die Barrierefreiheit durchgängig vorhanden sein.

Barrierefreiheit bringt Vorteile für alle

„Barrierefreiheit ist für zehn Prozent der Bevölkerung lebensnotwendig, für 30 Prozent notwendig – und für den Rest bequem“, betont Karl Eichinger. Denn viele der Maßnahmen zur Barrierefreiheit wie Lifte oder ein leichterer Einstieg bei Zug und Straßenbahn machen das Leben auch „Nicht-Betroffenen“ leichter.

Problem beim Altbau

Die Kosten dafür halten sich im Rahmen: Bei Neubauten erhöhen sich die Baukosten um rund eineinhalb bis zwei Prozent. Schwierig ist es hingegen oft beim Altbau – wie etwa in Teilen der Gmundner Innenstadt: „Hier steht einerseits der Denkmalschutz oft ein Problem dar, andererseits ist es manchmal sehr teuer oder überhaupt fast unmöglich, Altbauten barrierefrei zu machen.“

Engagierte Stadtgemeinde

Ein Problem, das auch beim Gmundner Rathaus besteht. Weil hier der Einbau eines Lifts nicht möglich ist, hat man sich zu einer anderen Lösung entschlossen, wie Bürgermeister Stefan Krapf erklärt: „Wenn jemand nicht in die Büros kommen kann, kommen die Beamten bzw. auch ich ganz unbürokratisch nach unten.“ Gemeinsam mit dem Zivilinvalidenverband werde derzeit die Situation in den bestehenden Gebäuden im Stadtbesitz analysiert, um entsprechende Adaptionen vorzunehmen. 

Barrierefreie Sportmöglichkeiten

Künftig soll auch die gemeindeübergreifende Arbeit verstärkt werden, um öffentliche und touristische Gebäude barrierefrei zu machen.Bei Neubauten werde schon jetzt auf Barrierefreiheit geachtet, betont Bürgermeister Krapf, der als positives Beispiel auf die neue Tennishalle verweist. Karl Eichinger ergänzt eine zweite barrierefreie Sportmöglichkeit: das Solarbad Altmünster mit den vom ZIV Gmunden um 8000 Euro installierten Badelift.

Öffentliche Neubauten meist gut gelungen

Bei den öffentlichen Gebäuden hat sich, laut Eichinger, in den letzten Jahren viel getan: So ist die Post seit der Sanierung durch eine Rampe an der Rückseite auch für Menschen im Rollstuhl gut zugänglich, auch das Krankenhaus Gmunden ist barrierefrei. Gut gelungen seien auch die Neubauten von Wirtschaftskammer und Gebietskrankenkasse. Auch die Zusammenarbeit mit dem Salzkammergut Einkaufspark SEP wird lobend erwähnt: „Hier ist man sehr offen: So wurden beim Behindertenparkplatz umklappbare Poller eingerichtet. Oft reichen kleine Maßnahmen, zum Beispiel, wenn ein Plakatständer mitten im Weg steht. Aus Werbesicht ist das vielleicht gut, aber für Menschen mit Behinderung gefährlich.“

Vieles vorbildlich beim neuen Bahnhof

Auch ein Lokalaugenschein am Bahnhof, bei dessen Neugestaltung der ZIV eingebunden wurde, zeigt viel Positives: Taktile Bodenmarkierungen helfen Menschen mit starken Sehbehinderungen bei der Orientierung. Auf den Glaswänden des Wartehäuschens sorgen Aufkleber für bessere Sichtbarkeit – in zwei Höhen, damit die Markierungen auch Menschen im Rollstuhl direkt ins Auge fallen.

Verbesserungsbedarf ortet Karl Eichinger beim Fahrkartenschalter, der nicht höhenverstellbar ist, und bei der umstrittenen „Hatschek-Unterführung“. Im Gegensatz dazu sei die zweite Unterführung Richtung Pinsdorf gut gelungen und auch für Rollstuhlfahrer oder Menschen mit Kinderwagen gut zu benützen, so Eichinger.

Große Unterschiede bei Behindertenparkplätzen

Auch das Bahnhofs-Umfeld ist großteils barrierefrei gestaltet, vom abgesenkten Gehsteig beim Fußgängerübergang – „das geht mit dem Rollstuhl noch und ist gleichzeitig hoch genug, dass man den Rand noch mit dem Blindenstock erkennen kann“ – bis zu den Behindertenparkplätzen beim Park&Ride-Parkplatz. Diese sind sogar breiter, als sie es laut Gesetz sein müssten, was Menschen im Rollstuhl das Zufahren und Umdrehen sowie das Ein- und Aussteigen wesentlich erleichtert.

Ganz anders etwa die Behindertenparkplätze am Ende und in der Mitte der Gmundner Esplanade: zu schmal, Behinderung durch Verkehrszeichen und eine große Stufe – kurz: „ein Musterbeispiel dafür, wie es nicht sein soll“, so die knappe Analyse von Karl Eichinger.

OÖ Zivil-Invalidenverband

Gegründet 1948

Größte Interessensvertretung für Menschen mit Behinderung in Oberösterreich

Mehr als 5400 Mitglieder17 Orts- und Bezirksgruppen in ganz Oberösterreich

200 Ehrenamtliche Funktionäre

4000 Beratungsgespräche mit Betroffenen und Angehörigen im Jahr 2016 durch Ehrenamtliche

www.ooe-ziv.at


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