„Man muss auf die Menschen zugehen und ihnen Zeit widmen“
GMUNDEN. Tips und Sozialdemokratischer Wirtschaftsverband (SWV) Oberösterreich vergaben an besonders engagierte Wirtschaftstreibende aus dem Salzkammergut den Unternehmerpreis Selfie (Fotos zur Verleihung). In der Kategorie „Soziale Verantwortung“ überzeugte der Gmundner Günter Ungar mit seinem Engagement in den Gemeinden und seiner Kleinbuchserie.

Der 1941 im siebenbürgischen Bistritz geborene und 1944 nach Österreich gekommene Günter Ungar ist zwar seit sechzehn Jahren als evangelischer Pfarrer offiziell im Ruhestand, doch das ist für ihn noch lange kein Grund, sich weniger zu engagieren. Ganz im Gegenteil: Ungar gründete 2009 den Gmundner Sozialmarkt SOMA, der sich aus Spenden des lokalen und überregionalen Handels speist und Menschen mit wenig Einkommen einen leistbaren Einkauf ermöglicht.
Im von ihm initiierten OASE-Zentrum am Graben steht er jeden Mittwoch von 10 bis 12 Uhr für Gespräche zur Verfügung. Und er springt auch nach wie vor in ganz Oberösterreich als evangelischer Pfarrer ein.
„Lichtblicke“ auf maximal hundert Seiten
Mit seiner Kleinbuchserie „Lichtblicke“ versucht der vielseitige Pfarrer zudem, Menschen zum Nachdenken und zum Diskutieren anzuregen – über den Glauben aber auch über ihre Verantwortung in der Welt: „Auch unser Rechtsstaat ist nicht vom Himmel gefallen. Man muss sich für die Demokratie einsetzen. Sie ist schneller gefährdet, als man glaubt.“
Es gebe nur wenige “echte“ Atheisten, ist Ungar überzeugt. Man müsse auf die Menschen zugehen und ihnen auch Zeit widmen: „Die hatte ich früher nicht – jetzt im Ruhestand geht das.“ Dabei ist er auch für Kritik und andere Meinungen offen: „Auch Gegner sind wertvoll: Sie schmeicheln nicht und man kann oft etwas Positives herausholen“, so seine Devise.
Pfarrer und „wacher Staatsbürger“
Vor kurzem erschienen der zehnte und der elfte Band von Ungars Bücherserie: In „Flügel der Morgenröte“ schildert der sechsfache Vater Facetten seines Lebens und beschreibt gleichzeitig den Wandel in Kirche und Gesellschaft: „Viele Menschen fragen sich: Wie schaut der Beruf eines Pfarrers aus der Innensicht aus? Was macht er die ganze Woche? Wie steht es mit der Frau an seiner Seite? Warum haben sie so viele Kinder? Ich habe mich als Pfarrer immer für andere Lebenswelten und Berufe interessiert – vielleicht interessieren sich die Leute auch für mein Leben“, so der agile 77-Jährige.
Das zweite aktuelle Büchlein ist dem „Phänomen Luther“ gewidmet. Neben einer historischen Einordnung legt Ungar dabei großen Wert auf die Zusammenhänge von Glauben und Politik. So hätten etwa die amerikanische Unabhängigkeitsbewegung aber auch die moderne Gesellschaftsordnung insgesamt starke Wurzeln im Gedankengut Luthers, ist er überzeugt.
Jedes der Büchlein ist knappe 100 Seiten stark und wird um fünf Euro verkauft – denn Interessierte sollen nicht durch den Preis abgeschreckt werden, wie Ungar erklärt.
„Goldene Ordination“ und Vortrag von Bischof Bünker
In den kommenden Wochen steht für Günter Ungar noch eine weitere „Auszeichnung“ auf dem Programm: Nach 50 Jahren als Pfarrer feiert er am Sonntag, 1. Juli, seine „Goldene Ordination“, zu der auch der evangelische Bischof Michael Bünker eigens nach Gmunden kommt. Das Fest findet im Rahmen des Schluschluss-Gottesdienstes und geht anschließend in ein Gemeindefest im Pfarrgarten über. „Die Festpredigt werde ich selbst halten. Es wird um Dank, Freude und Neugier gehen“, so Ungar.
Am Vorabend der Feierlichkeit, am Samstag, 30. Juni, um 19 Uhr spricht Bischof Bünker im großen Gemeindesaal der evangelischen Kirche Gmunden zu einem Thema, das Günter Ungar besonders am Herzen liegt: „Evangelisch in Europa – Herausforderungen und Möglichkeiten“. Eintritt: freiwillige Spenden


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