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„Die ältere Generation hat es verdient, mit Würde behandelt zu werden“

Daniela Toth, 13.10.2021 07:48

BEZIRK GMUNDEN. Der Mangel an Pflegekräften ist österreichweit ein Problem. Tips hat die Situation in den Seniorenheimen des Bezirks unter die Lupe genommen: Auch hier wären viele Stellen frei.

 (Foto: Copyright (c) 2015 Photographee.eu/Shutterstock. No use without permission.)
(Foto: Copyright (c) 2015 Photographee.eu/Shutterstock. No use without permission.)

„Natürlich hat das Coronavirus die Zustände in den Pflegeheimen noch dramatisch verschärft, aber das Pflegepersonal arbeitete vorher schon absolut am physischen und psychischen Limit!“, fasst Herr W. in einem Brief an die Tips zusammen, wie er die Situation erlebt. Herr W. ist Mitarbeiter eines Seniorenheims im Bezirk und möchte seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. Er berichtet davon, dass ein einzelner Pfleger regelmäßig für bis zu 15 Klienten zuständig sei.

Ehrenamtliche Helfer sind „enorme Entlastung“

Der Zeitdruck sei groß, für Gespräche mit den Klienten bleibe kaum Zeit. Ehrenamtliche Helfer, wie etwa ein Besuchsdienst, brächten hier eine enorme Entlastung, so Herr W.

Insgesamt ortet er aber einen „extremen Personalmangel“ und appelliert an die Politik, Lösungen zu suchen: „Denkt auch daran: Es kann jeden treffen und auch unsere ältere Generation hat es verdient, mit Würde und Respekt behandelt zu werden.“

„Kräfte überall gesucht“

Bezirkshauptmann Alois Lanz, als Obmann des Sozialhilfeverbandes Gmunden für sechs Seniorenheime verantwortlich, kennt die Problematik: „Allein wir könnten sofort zehn Pflegekräfte aufnehmen.“ Auch bei den Altenheimen anderer Träger, in der mobilen Pflege oder in den Krankenhäusern würden Kräfte gesucht. „Wir sind alle bemüht, alle so gut wie möglich zu versorgen. Insgesamt müssen aber Ideen gefunden werden, wie man zu Pflegepersonal kommt – damit das auch weiter funktioniert in den kommenden Jahren und Jahrzehnten.“

Herr W. erzählt aus seinem Pflegealltag:

„Eine demente Klientin wird nach dem Frühstück in den Rollstuhl mobilisiert und in den Aufenthaltsbereich gebracht. Das Pflegepersonal muss anschließend ins nächste Zimmer gehen und weitere Klienten bei der Körperpflege tatkräftig unterstützen. Die ältere betagte Dame hat eine ausgeprägte Demenz und steht immer wieder allein vom Rollstuhl auf, obwohl sie es nicht mehr kann. Diese Situation bedeutet natürlich eine erhöhte Sturzgefahr und jeder Pfleger und jede Pflegerin ist natürlich gewillt, Stürze zu vermeiden.

Dazu tragen die Arbeiter in der Pflege neben dem körperlichen Stress noch sehr viel psychische Belastung auf sich, weil man weiß, dass die betagte Dame eigentlich einen zusätzlichen Pflegedienst bzw. Betreuungsdienst bräuchte. Sehr oft möchten die alten Menschen einem Pflegepersonal nur schöne Geschichten erzählen, aber immer wieder muss man sie vertrösten und man muss sagen: ‚Es tut mir leid, es läutet schon wieder jemand, ich komme später wieder zu Ihnen vorbei!‘

Natürlich hat das Coronavirus die Zustände in den Pflegeheimen noch dramatisch verschärft, aber wie erwähnt, arbeitete das Pflegepersonal vorher schon absolut am physischen und psychischen Limit.“


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