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BEZIRK GMUNDEN/VÖCKLABRUCK/OÖ. Zwei Jahre nach dem ersten Lockdown: Was bedeuten die derzeitigen hohen Corona-Inzidenzen für die Krankenhäuser? Tips hat beim Ärztlichen Direktor des Salzkammergut Klinikums nachgefragt. Dr. Tilman Königswieser ist auch Mitglied des oö. Krisenstabes. 

Dr. Tilman Königswieser, Ärztlicher Direktor des Salzkammergut Klinikums und Mitglied des oö. Corona-Krisenstabes (Foto: Hörmandinger)

Tips:Wie ist die Situation im Salzkammergut Klinikum?

Dr. Tilman Königswieser: Wir haben wie auch zunehmend andere Häuser in Oberösterreich, ständig hohe Zahlen – auch wenn wir mit derzeit 80 Infizierten von unserem Höchstwert von 191 noch weit entfernt sind. In unseren drei Häusern in Vöcklabruck, Gmunden und Bad Ischl haben wir vier Covid-Abteilungen. Dazu kommen Infizierte in den Fachabteilungen – zuletzt auch sieben Kinder. Das sind natürlich Zahlen, die das Spital spürt, wir können das aber in unserem bewährten Hybridmodus bewältigen. Aber natürlich: Auch wir stecken uns an. Die meisten im Personal sind zwar gut geimpft und erkranken nicht schwer, aber anstecken kann man sich, wie ja bekannt, trotzdem. Der Personalausfall liegt derzeit bei rund zehn Prozent.

Tips:Was bedeutet das konkret?

Königswieser: Das Salzkammergut Klinikum war zwischen der vierten und der fünften Welle wieder im Vollbetrieb, manche Operationen konnten wir sogar nachholen. Jetzt müssen wir den Fokus wieder auf Dringliches und auf Covid legen – auch um das Personal nicht zu überlasten. Das befindet sich im Grunde seit zwei Jahren in einem Dauerlauf: Wenn es um Corona gerade etwas ruhiger wird, versuchen wir, Verschobenes aufzuholen. Konkret sind von unseren 18 Operationssälen derzeit fünf nicht in Betrieb.

Tips:Kommt es durch die Belastungen auch zu vermehrten Kündigungen?

Königswieser: Bei 1.300 Köpfen wie im Salzkammergut Klinikum gibt es natürlich immer ein Gehen und ein Kommen. Es gibt aber nicht mehr Kündigungen als vorher. Insgesamt sind wir gut aufgestellt, und es gibt auch viele Bewerbungen. Beim Nachwuchs in der Pflege – bei den Bewerbungen für die Ausbildung – wird es aber schwieriger. Grundsätzlich sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr engagiert, und die Bereitschaft, das System zu unterstützen, ist hoch. Dafür sind wir sehr dankbar. Das höre ich auch aus den anderen oö. Häusern: Es gibt hohe Covid-Zahlen, eine starke Belastung, aber keine „Kündigungs-Szenarien“.

Tips:Wann rechnen Sie mit einer Entspannung der Lage?

Königswieser: In den Krankenhäusern etwa ab Mitte April, in der Bevölkerung etwa eine Woche vorher. Mit jeder Infektion nimmt die Immunität in der Bevölkerung zu, das Virus findet schwerer jemanden, den es anstecken kann. Dazu kommt der Beginn der wärmeren Jahreszeit. Ich rechne daher mit einem ruhigeren Sommer. Wenn wir es dann aber nicht schaffen, im Herbst eine hohe Immunität zu haben, geht es von vorne los. Wir rechnen ab September/Oktober wieder mit einem Anstieg – und da wäre aus heutiger Sicht für viele ein Booster sinnvoll. Denn das Immungedächtnis – und damit auch der Schutz vor Infektionen und schweren Verläufen – lässt nach, je weiter die Impfung oder Infektion vorbei ist.


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