„Auch durch eine Forststraße kann ein Biotop entstehen“
BEZIRK GMUNDEN. Wälder binden CO2, schaffen Erholungsmöglichkeiten und bieten Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten. Gleichzeitig sind sie Wirtschaftsfaktor, dienen der Jagd, sind Rohstoffquelle und Arbeitsplatz. Eine nachhaltige Nutzung kann viele Aspekte verbinden, weiß Forstberater Albert Steinegger.

Mehr bewaldete Fläche und Wälder, die widerstandsfähiger gegen die Herausforderungen des Klimawandels sind: Das sind die Ziele hinter der EU-Waldstrategie 2030. Eine der angedachten Maßnahmen ist es, zehn Prozent der Waldfläche außer Nutzung zu stellen.
Die Landwirtschaftskammer OÖ sieht diesen Ansatz kritisch: Durch die traditionell nachhaltige Waldbewirtschaftung könne im heimischen Wald auch ohne solche Maßnahmen ein hohes Maß an Biodiversität erreicht werden, zeigt sich deren Präsident Franz Waldenberger überzeugt. Eine Reduktion des Holzeinschlags um zehn Prozent würde hingegen zum Verlust unzähliger Arbeitsplätze in der Forst- und Holzwirtschaft sowie in den Zulieferbetrieben führen. Wenn dadurch mehr Holz aus dem Ausland importiert werde, steige wegen der Transporte sogar die Kohlendioxidbelastung, während die heimische Wertschöpfung sinke.
Ein Baum für den Specht
Welche Möglichkeiten es gibt, den Wald nachhaltig zu bewirtschaften, weiß Albert Steinegger, Forstberater der Landwirtschaftskammer im Bezirk Gmunden. „Ich freue mich, wenn ich im Wald einen Ameisenhügel habe, weil die Ameisen im Umkreis von 100 Metern für Ordnung sorgen“, gibt er ein Beispiel. Auch das Stehenlassen von einzelnen „Habitatbäumen“ als Lebensraum für Spechte oder andere Tiere dient der Diversität. Mittels Durchforstung bekommen die restlichen Bäume mehr Platz für ihre Entwicklung.
In den vergangenen Jahren sorgten vor allem Borkenkäfer und Schneebruch für Waldschäden, im Vorjahr im Raum Pinsdorf/Reindlmühl auch der Hagel. Die derart geschwächten Bäume seien wiederum durch den Borkenkäfer gefährdet und müssten regelmäßig beobachtet werden, so Steinegger.
Zucker für die Waldameisen
Tipps dafür können sich Waldbesitzer bei einem waldökologischen Betriebsgespräch durch die Landwirtschaftskammer holen: „Da geht es um die Frage: Worauf kann man bei der Waldbewirtschaftung schauen? Gibt es zum Beispiel Habitatbäume oder Tümpel?“, erzählt Steinegger.
Auch die oft kritisierten Forststraßen können Lebensräume bieten: „Wenn neben der Straße ein Wassergraben entsteht, können sich Frösche und Ringelnattern ansiedeln“, weist er auch auf scheinbar unbedeutende Kleinbiotope hin. Auch ein Ameisenhügel kann gepflegt werden – etwa mit einer Handvoll Zucker, die man im Frühling über den Hügel streut. „Für den ersten Energieschub“, so Steinegger.
Wichtig sei, die verschiedenen Aspekte der Waldnutzung Hand in Hand zu betrachten: „Ich freue mich, wenn ich einen Specht höre, ich freue mich aber auch, wenn gutes Holz einen entsprechenden Preis erzielt.“


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