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BAD ISCHL/ BAD GOISERN. Seit Anfang des Jahres leitet Christian Kapun die Musikschulen Bad Ischl und Bad Goisern. Im Tips-Interview spricht der Vollblutmusiker über seinen Werdegang und welche Visionen er als Direktor zweier Musikschulen hat.

Christian Kapun mit drei seiner fünf Hunde. (Foto: privat)
  1 / 2   Christian Kapun mit drei seiner fünf Hunde. (Foto: privat)

Wenn Christian Kapun von seiner ersten Stunde als Musikschullehrer erzählt, huscht ein Lächeln über sein Gesicht: „Ich war erst 19 Jahre alt, hatte gerade erst den Führerschein gemacht und ich sollte in Hallstatt, einer Zweigstelle der Musikschule Bad Goisern, meine allererste Musikstunde geben. Die Fahrt nach Hallstatt war gleichzeitig die erste Autofahrt, bei der ich alleine das Auto lenkte ohne dass der Fahrlehrer daneben sass. Ich war natürlich nervös und gerade auch deswegen ist mir diese erste Stunde so gut in Erinnerung geblieben. Die Schüler waren dann sogar älter als ich, aber nach der Stunde wusste ich, das will ich machen“. Gebürtig aus Strobl kam Kapun das erste Mal mit elf Jahren in den Kontakt mit einer Klarinette: „Mein Hauptschullehrer hat sie mitgenommen und als ich das erste Mal darauf spielen durfte, war das wie eine Explosion. Ich wusste, das ist es, das ist meine Berufung.“ Gegen den Willen seiner Eltern, die ihren Sohn lieber auf einem sicheren Posten in der Wirtschaft gesehen hätten, schaffte Kapun mit 15 die Aufnahmsprüfung am Linzer Bruckner Konservatorium und begann Instrumental- und Gesangspädagogik zu studieren. So pendelte er als Jugendlicher ständig zwischen Strobl, Bad Ischl, wo er in die Schule ging und Linz hin und her und übte bis in die Nachtstunden um seine Kunst zu perfektionieren. Er übte, probierte, hörte zu, wollte verstehen, wollte können und konnte, denn Kapuns mehrfach preisgekröntes Talent war unbestritten. So wie seine Berufung zum Musikschullehrer. „Seit meiner ersten Stunde als Musikschullehrer in Hallstatt, war ich immer durchgehend als Musikschullehrer beschäftigt. Ich hatte immer sehr viele Schüler“, so Kapun. Für den Strobler ist es wichtig, seinen Schülern die Leidenschaft, die er für die Musik empfindet ebenfalls zu vermitteln. So spielt er in seinen Unterrichtsstunden vor und nimmt Musik auf, damit die Schüler einen Eindruck davon bekommen, wie der volle Klang eines Musikstücks ist. „Wenn ich mit einem Schüler zum Beispiel ein Quartett einstudiere, dann nehme ich zu Hause in meinem Studio alle vier Stimmen auf. Die spiele ich selber und dann lege ich sie im Studio übereinander. So bekommt der Schüler das gesamte Klangerlebnis. So was ist zwar viel Arbeit, aber ich mache das unglaublich gerne“.

Zeitgenössische Musik, Pop und Reggae

Kapuns Liebe gilt ganz besonders der zeitgenössischen Musik. Als er mit 19 den niederländischen Bassklarinettisten Harry Sparnaay in einem Workshop hört, ist er restlos begeistert. „Ich wusste gar nicht, dass dieses Instrument, die Bassklarinette, so viel hergibt. Ich war einfach nur beeindruckt“. So kam der junge Musiker auf die Utrecht School of the Arts und studierte im Konzertfach Bassklarinette bei besagtem Harry Sparnaay. Das Studium des Konzertfachs führte Kapun weiter ins Schweizer Bern, wo er sein Konzertdiplom mit Bravour bestand. „Ich spiele gerne zeitgenössische Musik, Musik, die jetzt in unserer Zeit komponiert wird. Leider fehlt es oft an der Vermittlung und am Verständnis für diese Art von Musik“, erklärt Kapun. Ebenso schlägt sein Herz für Pop und Reggae. Das verhalf ihm auch zu unzähligen prominenten Auftritten mit noch prominenteren Konzertpartnern. So trat Kapun zum Beispiel gemeinsam mit dem legendären Hans Söllner auf und spielte in zahlreichen Bands und Gruppen.

Musikschuldirektor

Als vor einigen Jahren klar wurde, dass bald ein neuer Musikschuldirektor die Nachfolge Walter Erlas in Bad Ischl und die von Peter Brugger in Bad Goisern antreten sollte, war Kapun, der in der Zeit vor allem an der Ebenseer Landesmusikschule tätig war, sofort interessiert. „Ich bin aber wirklich zuerst in mich gegangen, ob ich so etwas machen möchte, denn ein solcher Job kommt natürlich mit neuen Aufgaben, die es mir nicht erlauben, im gleichen Ausmaß zu unterrichten wie vorher. Und das Unterrichten habe ich immer geliebt. Aber ich bin jemand, der etwas gestalten möchte. Ich möchte auf die Menschen zugehen, positive Veränderung schaffen“. Und so übernahm Kapun im Oktober 2025 die Leitung der Ischler Musikschule mit deren Zweigstelle in St. Wolfgang und Anfang 2026 nun auch die Leitung in Bad Goisern mit den Zweigstellen Hallstatt, Gosau und Obertraun. Er möchte Synergien nutzen, doch jede Zweigstelle soll dennoch ihre Individualität behalten. Gegen Ende des Jahres steht auch noch der geplante Umzug in das neue Musikschulzentrum am ehemaligen Kreuzschwesternareal in Bad Ischl an. „Da freue ich ich schon, denn dann haben wir eine Schule am neuesten Stand der Technik. Das wird für alle fantastisch“, so Kapun.

Privat lebt der zweifache Vater mit seiner Frau Constanze und fünf Hunden in Bad Ischl. Kapun ist passionierter Tierschützer und setzt sich stark für Tierrechte ein. Musik bleibt für ihn mehr denn je Begegnung, Aufgabe und Zukunft.


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