Warum in der Tigerklasse in Ohlsdorf jetzt Leseratten sitzen
OHLSDORF. Ida Wirnsberger, Bewohnerin der invita-Wohngemeinschaft der Caritas, begeistert als „Lese-Oma“ in der Tigerklasse der Volksschule Ohlsdorf. Sie fördert die Lesefähigkeit der Kinder und schafft generationenverbindende Momente. Die Initiative soll auf weitere Klassen ausgeweitet werden, um Inklusion zu fördern.

Ida Wirnsberger (68), Bewohnerin der teilbetreuten invita-Wohngemeinschaft der Caritas in Gmunden, ist mit ihrer ruhigen Art und ihrer großen Liebe zu Büchern ein Fixpunkt in der 1a-Klasse der Volksschule Ohlsdorf geworden. Als „Lese-Oma“ begleitet sie die Kinder der „Tigerklasse“ beim Vorlesen – und sorgt dabei nicht nur für Motivation, sondern auch für ein Miteinander, das Generationen verbindet.
Ida Wirnsberger erhält zur Stärkung ihrer psychischen Gesundheit Unterstützung und wohnt deshalb bei invita, der psychosozialen Vor- und Nachsorge der Caritas. Sie ist fünffache Großmutter und schmökert leidenschaftlich gerne. Die Idee, diese Freude am Lesen weiterzugeben, kam von Caritas-Mitarbeiter Michael Pacher: „Ida liest so gerne – und als die Volksschule gerade auf der Suche nach Lesepaten war, habe ich kurzerhand die Direktorin kontaktiert. Seitdem ist der Dienstag für Ida ein ganz besonderer Wochentag.“
„Am Anfang war ich ziemlich nervös“, erzählt Ida Wirnsberger offen. „Aber inzwischen freue ich mich schon am Wochenende auf meine Tigerklasse. Es ist einfach schön, eine Aufgabe zu haben, die erfüllt.“
Lesen mit Geduld und Freude
Mit viel Geduld und einem offenen Ohr unterstützt sie die Kinder beim Lesen: Sie hört zu, ermutigt, hilft über schwierige Stellen hinweg und freut sich über jeden Fortschritt. „Am schönsten ist es, wenn die Kinder eine neue Seite zum ersten Mal ganz durchlesen. Dieses Strahlen in ihren Gesichtern – das geht mitten ins Herz.“
Auch für die Kinder ist das gemeinsame Lesen ein besonderes Erlebnis: Sie gewinnen nicht nur Sicherheit, sondern erleben ganz nebenbei, wie bereichernd der Kontakt mit älteren Menschen sein kann. „Für unsere Ohren muss manchmal etwas lauter gelesen werden“, schmunzelt Michael Pacher, der Ida anfangs in die Klasse begleitete. Mittlerweile ist sie so sicher in ihrer Rolle, dass nun Praktikanten der Caritas sie begleiten – ein Lernfeld, in dem angehende Sozialbetreuer erleben, wie mit kleinen Ideen und wenig Aufwand große Wirkung erzielt werden kann.
Von der Tigerklasse gibt es am Ende jeder Vorlesestunde ein lautstarkes „Danke, Ida!“ – ein Moment, der die Lese-Oma jedes Mal rührt. Darüber hinaus zeigt er, wie eine Gesellschaft funktionieren kann. Jeder von uns benötigt irgendwo Unterstützung. Und jeder von uns kann einen Teil davon zurückgeben, so wie Ida.
Caritas-Projekt mit Zukunft
Das Projekt kommt so gut an, dass bereits Überlegungen laufen, es auf weitere Klassen auszuweiten. Ziel ist es, noch mehr Kindern wie auch Bewohnern der Caritas-Wohngemeinschaften wertvolle Begegnungen zu ermöglichen und Inklusion mit Leben zu erfüllen.


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