Wildtierstation Aurachtal: Einsatz für mehr als 650 Tiere im Jahr
REINDLMÜHL. Was vor 14 Jahren mit einem einzigen Igel begann, ist heute zu einer der wichtigsten Anlaufstellen für verletzte Wildtiere in Oberösterreich geworden. Gabi Kaar leitet die Wildtierstation Aurachtal und versorgt jährlich Hunderte Tiere rund um die Uhr. Aufgrund hoher Kosten ist die Station auf Hilfe und Spenden angewiesen. Tips hat die Wildtierstation besucht.

Eigentlich wollte Gabi Kaar vor 14 Jahren auf Anfrage ihrer Tochter nur einem Igel einen Platz für den Winterschlaf bieten. Doch daraus wurde schnell mehr. Innerhalb von zwei Wochen wurden ihr 56 Igel gebracht. „Es war schwer, weil ich in Österreich fast keine Unterstützung gefunden habe. Ich wusste nicht, was ein Igel braucht oder nicht braucht. Hilfe habe ich dann bei Kollegen in Deutschland gefunden“, erzählt sie. Bald folgten Eichhörnchen, Fledermäuse, Rehkitze und Greifvögel. Lediglich Singvögel werden in der Wildtierstation Aurachtal nicht aufgenommen. Tiere werden aus dem ganzen Land gebracht, vergleichbare Stationen gibt es kaum. „Ich hatte sogar schon Personen aus Tirol und Vorarlberg, die mit Tieren gekommen sind“, erklärt die Pflegerin.
Über 650 Tiere pro Jahr
In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Pfleglinge regelrecht explodiert. „In den ersten zehn Jahren haben wir durchschnittlich 300 bis 350 Tiere jährlich versorgt, mittlerweile sind es oft mehr als 650 pro Jahr“, schildert die 61-Jährige. Allein heuer wurden bereits 386 Tiere in die Station gebracht.Besonders intensiv sind die Stoßzeiten im Mai und Juni, wenn viele Jungtiere kommen. Im Moment ist es etwas ruhiger, doch „die Saison mit den Igeln geht dann erst richtig im August und September an“, so Kaar.
Individuelle Betreuung
Derzeit hausen zwei Feldhasen, sieben Falken, elf Eichhörnchen und 13 Rehkitze in der Station. Die Betreuung ist kostenintensiv: Vor allem Aufzuchtsmilch sowie die Versorgung von Greifvögeln schlagen zu Buche. Die Pflege ist von Tier zu Tier unterschiedlich. Als Beispiel nennt Kaar die Eichhörnchen: „Das eine braucht mehr Obstbrei, das andere ist total ausgehungert und man muss es mit Milch, Medikamenten und Vitaminen aufpäppeln.“ Auch die Dauer der Pflege richtet sich nach dem natürlichen Verhalten der Tiere. Eichhörnchen werden nach rund 15 Wochen ausgewildert, Rehkitze bleiben etwa elf Monate in der Station. Greifvögel dürfen erst zurück in die Freiheit, wenn sie vollständig flugfähig sind und selbstständig jagen können. „Wir machen es eigentlich so, wie es in der Natur ist“, erklärt Kaar.
Rund um die Uhr im Einsatz
Hinter den Kulissen steckt ein enormer Aufwand. Gabi Kaar kümmert sich ehrenamtlich um sämtliche Flaschenkinder und versorgt die Tiere an sieben Tagen in der Woche. Unterstützung erhält sie von einer Vereinskollegin, die ausgewachsene Igel übernimmt, sowie von einem ehrenamtlichen Helfer für schwere Arbeiten am Wochenende. „Bei mir in der Station bin ich alleine. Sieben Tage die Woche, 365 Tage und das meistens 24 Stunden“, erklärt sie. Deshalb müssen die Tiere direkt zu ihr in die Station gebracht werden. Es gibt Tage, an denen Kaar 85 Mal angerufen wird, oft handelt es sich auch um Fragen zu Tieren. „Letztens hat jemand sieben Personen vergeblich angerufen, bis er dann endlich bei mir eine Antwort bekommen hat.“Die Arbeit ist sehr zeit- und kostenintensiv, doch sie zahlt sich jedes Mal aus: „Bei jedem Tier hat man schöne Momente. Das Ganze ist eigentlich auch der Lohn dafür, dass man es überhaupt macht.“
Kein Besuch erwünscht
Immer wieder kommen Besucher mit Kindern zur Station. Kaar bittet um Verständnis, dass Besichtigungen nicht möglich sind: „Wir wollen nicht besucht werden, weil die Zeit fehlt.“ Außerdem sollen die Wildtiere möglichst wenig Menschenkontakt haben, damit sie später wieder ausgewildert werden können. „Selbst ich ziehe mich zurück, sobald die Tiere keinen direkten Kontakt mehr mit der Flasche brauchen“, erklärt die 61-Jährige, die die Station noch so lange führen möchte, wie es ihre Gesundheit erlaubt: „Wenn es mich nicht mehr gibt, fehlt auch eine große Hilfe für die verletzten und kranken Tiere.“
Spendenaufruf
Anders als reguläre Tierheime in Oberösterreich erhält die Wildtierstation keine finanzielle Unterstützung aus öffentlichen Mitteln und ist deshalb auf Spenden angewiesen, um den Betrieb der Station aufrechtzuerhalten. „Jede Spende hilft, egal ob 20, zehn oder fünf Euro, und fließt direkt in die Pflege, beispielsweise in Medikamente oder Milch“, sagt Kaar. Auch Tierpatenschaften sind möglich. Mehr Infos dazu und zur Wildtierstation gibt es online auf www.igelhof-aurachtal.at


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