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EBENSEE. Im Auftrag des Landes OÖ bietet die Caritas eine „Begleitete Elternschaft“ an, bei der Menschen mit Beeinträchtigung bei der Pflege, Versorgung und Erziehung ihres Kindes unterstützt werden. In der Wohngemeinschaft „invita“ in Ebensee ist Platz für zwei Mütter mit ihrem Kind. Um ein möglichst selbstständiges und auch selbstbestimmtes Leben mit ihrem Kind führen zu können, werden sie von Caritas-Mitarbeitern begleitet.

Caritas-Begleiterin Bettina Furlan unterstützt Laura Hutterer und ihre Tochter Lina. (Foto: Caritas OÖ)

Dass Menschen mit Beeinträchtigungen Sexualität leben und auch Eltern werden, ist in Österreich noch immer ein großes Tabuthema. „Oft kommt es hier nach einer Geburt sofort zu einer Fremdunterbringung des Kindes. Dabei wird selten geprüft, ob die Eltern mit Unterstützungsangeboten ihren Verpflichtungen für das Kind nachkommen können“, erklärt Bettina Furlan, Leiterin der invita-Wohngemeinschaft in Ebensee.

Unterstützung rund um die Uhr

Im Haus gibt es zwei Wohneinheiten, wo auch Eltern einen Platz finden, die aufgrund ihrer psychischen Krisen Gefahr laufen, die Obsorge für ihr Kind zu verlieren. Acht Bewohner und zwei Mütter mit ihren Kindern, darunter Victoria mit ihrer Mama, füllen die WG mit Leben und werden rund um die Uhr begleitet. Hausleiterin Bettina Furlan erklärt: „Unser Angebot ist so gestaltet, dass eine intensive Bindung zwischen Eltern und Kind entstehen kann und sie mit unserer Unterstützung einen ganz normalen Alltag leben.“ Die Obsorge bleibt dabei bei den Eltern. Während der Begleitung besteht ein enger Austausch mit der Kinder- und Jugendhilfe, die ebenfalls das Wohl des Kindes im Auge hat.

Mehr Selbstständigkeit erlangen

Der Fokus in der Unterstützung der Eltern liegt darin, die eigenen Ressourcen bewusst zu machen, zu stärken und dadurch mehr Selbständigkeit zu erlangen. Ein Ziel ist, dass die Eltern in der Zeit der Begleitung einmal frei entscheiden können, wie ihr Kind in der Zukunft versorgt wird. Schrittweise erarbeitet das Begleiter-Team mit den Eltern, dass sie in einer weniger intensiv betreuten Wohnform leben können.

Zugeben können, wenn es nicht mehr geht

In der Zeit der begleiteten Elternschaft kann es vorkommen, dass Eltern auch sagen, dass sie der Verantwortung nicht mehr gewachsen sind. Dass sie aufgrund eigener Belastung und Überforderung erkennen, ihr Kind nicht gut versorgen zu können. „Das zu erkennen und dann zum Wohle des Kindes einer Fremdunterbringung zuzustimmen, zeugt davon, dass Verantwortung für das Kind übernommen wird. Das ist eine riesige Herausforderung für alle Beteiligten. Und doch bleibt als Ziel, dass Eltern die Möglichkeit erhalten sollen, eigenständige Entscheidungen zu treffen und realistische Perspektiven zu entwickeln“, sagt Bettina Furlan. „Wir sind davon überzeugt, dass es Chancen braucht, um Entwicklungen anzustoßen. Und so darf hier, in einem dichten Netz an Unterstützung und mit achtsamem Blick auf das Kind, jeder Elternteil seine eigene Erfolgsgeschichte schreiben“, fügt Bettina Furlan hinzu. Es ist vorgesehen, dass Eltern und Kind bei Bedarf bis zum Schuleintritt in der WG bleiben können.

Wer eine Begleitete Elternschaft in Anspruch nehmen möchte, kann sich bei Claudia Hamedinger unter 0676 8776 2945 oder claudia.hamedinger@caritas-ooe.at informieren.

Die Caritas bietet im Auftrag des Landes OÖ als einzige Institution im Rahmen des OÖ Chancengleichheitsgesetzes im Bundesland die „Begleitete Elternschaft“ an, die im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention durchgeführt wird.


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