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BEZIRK GMUNDEN. Dass die Arbeiterkammer als Vertretung der Arbeitnehmer gefragt ist, zeigt sich bei den Zahlen, die Bezirksstellenleiter Martin Kamrat im Rahmen einer Pressekonferenz präsentierte: So wandten sich im Vorjahr 8.854 Mitglieder mit arbeits- und sozialrechtlichen Fragen an die AK Gmunden – ein Viertel mehr Menschen als im Jahr davor.

AK Bezirksstellenleiter Martin Kamrat (l) und AKOÖ-Vizepräsidentin Elfriede Schober
AK Bezirksstellenleiter Martin Kamrat (l) und AKOÖ-Vizepräsidentin Elfriede Schober

Vor allem die telefonischen Beratungen nahmen zu, die persönlichen Beratung blieben annähernd gleich. Auffällig sei, so Kamrat, dass sich immer mehr Menschen zwar über ihre Ansprüche informieren, dann aber keine Schritte setzen möchten, um sie durchzusetzen. Dies könne man so interpretieren, dass viele Arbeitnehmer ihre Ansprüche aus Angst nicht geltend machen, vermutete der AK-Bezirksstellenleiter.

Dies bestätigte Elfriede Schober, Vizepräsidentin der AK OÖ und Miba-Betriebsratsvorsitzende: Landesweit erfolgen fast 90 Prozent aller Vertretungsfälle, wenn das Arbeitsverhältnis beendet wird.

3,6 Millionen Euro für Arbeitnehmer „erstritten“

Die AK Gmunden brachte im Vorjahr durch außergerichtliche Interventionen über 200.000 Euro an vorenthaltenem Entgelt für ihre Mitglieder ein, weitere 640.000 Euro mussten beim Arbeitsgericht erkämpft werden. Hauptgründe für Interventionen sind Differenzen um die Abrechnung am Ende von Dienstverhältnissen, gefolgt von nicht bezahltem laufenden Entgelt, die Anfechtung von Kündigungen und Entlassungen sowie Einsprüche gegen ungerechtfertigte Arbeitgeberforderungen. In einigen Fällen musste sogar ein Exekutionsverfahren eingeleitet werden.

In Sozialrechtsangelegenheiten (Ansprüche aus Invaliditäts- und Berufsunfähigkeitspension sowie Pflegegeld) erstritt die AK Gmunden im vergangenen Jahr rund 1,8 Millionen Euro. Deutlich mehr Arbeitnehmer als im Jahr zuvor waren von Insolvenzen ihrer Dienstgeber betroffen: 148 gegenüber 106 im Jahr 2016. Auch hier unterstützte die AK ihre Mitglieder bei der Durchsetzung ihrer Forderungen. Zählt man alle Bereiche zusammen, so erreichte die AK Gmunden im Vorjahr Zahlungen von 3,62 Millionen Euro.

Kurze Verfallsfristen als „Falle“

Dass es für Mitarbeiter teuer werden kann, wenn sie zu lange auf ihre Forderungen warten, zeigt das Beispiel eines Kochs: Laufend angeforderte Überstunden wurden trotz Aufforderung nicht bezahlt. Nach der Kündigung errechneten die Rechtsexperten der AK Gmunden offene Ansprüche von 4522 Euro – Geld, dass er über Einsatz der AK auch erhielt. Weitere 1000 Euro an offenem Überstundenentgelt konnten jedoch nicht eingeklagt werden. Sie waren aufgrund der kurzen Fristen – bei Köchen betragen diese nur vier Monate – bereits verfallen.

In diesem Zusammenhang bekräftigten Elfriede Schober und Martin Kamrat die Forderung der Arbeiterkammer nach einer Abschaffung der kurzen Verfallsfristen. Bis dahin rät die AK Betroffenen, offene Ansprüche rasch und schriftlich einzufordern, um einen Verfall zu verhindern.

Probleme mit Reha-Geld

„Auch das Sozialrecht beschäftigt uns gut“, betonte Kamrat. So habe man für eine Arbeitnehmerin, die an den schweren Folgen einer 2012 erlittenen Krebserkrankung und der Chemotherapien leidet, eine Weiterzahlung des Rehageldes erwirkt. Selbst auf kleine körperliche Anstrengungen reagiere der Körper der Frau mit ausgeprägten Erschöpfungszuständen. Dennoch entzog ihr die Pensionsversicherungsanstalt 2016 das Rehageld, da sich ihr Gesundheitszustand „wesentlich verbessert“ habe. Der AK gelang es mithilfe mehrere Sachverständigengutachten nachzuweisen, dass die Frau nicht arbeitsfähig ist. Sie erhält nun weiterhin – befristet – Rehageld. Falls sich ihr Gesundheitszustand nicht wesentlich bessert, wird sie die AK auch beim Auslaufen der nächsten Befristung unterstützen.

Mehr Anfragen von Handelsangestellten

Lange waren Gastronomie und Arbeitskräftevermittler jene Branchen, aus denen die meisten Anfragen an die Arbeiterkammer kamen. Seit zwei Jahren hole der Handel jedoch kräftig auf, so Martin Kamrat, der gleichzeitig betont, dass es ihm nicht um pauschale Verunglimpfungen gehe: „Es gibt viele gute Dienstgeber!“ Auffallend sei auch, das drei Viertel der Anfragen an die AK aus dem „nicht organisierten“ Bereich komme – aus Unternehmen ohne Betriebsrat und von Personen, die keiner Gewerkschaft angehören, so Kamrat.

Umfassendes Angebot um sieben Euro pro Monat

Gefragt nach Auswirkungen des aktuellen Regierungsprogramms auf die Arbeiterkammer betonte Elfriede Schober, dass es derzeit noch keine genauen Informationen gäbe, „die Richtung freut uns aber nicht“. Als Beispiel nannte sie den Zwölf-Stunden-Tag, aber auch eine mögliche Schwächung der Arbeitnehmer-Institutionen, etwa der Arbeiterkammer. „Durchschnittlich zahlen Arbeitnehmer sieben Euro pro Monat für die Arbeiterkammer. Wenn sie sich die angebotenen Leistungen am freien Markt holen müssten, würde sie das ein Vielfaches kosten“, so Schober. Die von manchen angedachte Reduktion der Beiträge würde jedem Arbeitnehmer monatlich rund zwei Euro sparen, das aber zum Preis eines wesentlich knapperen Angebots, so Schober.


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Gastuser
Gastuser
10.02.2018 13:27

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Gastuser
Gastuser
10.02.2018 13:28

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