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Stelzer zu Kulturhauptstadt: „Bei derartig großen Projekten gehören lebendige Debatten dazu“

Karin Seyringer, 29.08.2023 19:07

OÖ/BAD ISCHL/LINZ. 2024 wird ein „Superkulturjahr“ in Oberösterreich, mit der Kulturhauptstadt Bad Ischl Salzkammergut und der ersten OÖ KulturEXPO: Anton Bruckner 2024. Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) über Kritik, Herausforderungen und Chancen.

Landeshauptmann Thomas Stelzer blickt einem Superkulturjahr 2024 entgegen. (Foto: Land OÖ/Mayrhofer)

Tips: Sie und damit das Land OÖ hatten sich ursprünglich gegen die Bewerbung zur Kulturhauptstadt Bad Ischl Salzkammergut 2024 ausgesprochen. Auch jetzt wird kritisiert, dass sich das Land OÖ noch nie wirklich offen hinter die Kulturhauptstadt gestellt hat. Können Sie diese Kritik verstehen, zeigt das Land OÖ zu wenig Euphorie?

Stelzer: Das Land Oberösterreich und insbesondere ich stehen voll und ganz hinter dem Projekt Europäische Kulturhauptstadt Bad Ischl Salzkammergut 2024. Es ist sehr wichtig für unser Land und soll und wird ein Erfolg werden. Zudem ist es das größte Förderprojekt, das wir im Kulturbereich haben. Wir unterstützen, wo wir können und wo es die rechtlichen Rahmenbedingungen zulassen. Wir sind laufend im Gespräch mit allen Beteiligten.

Tips: Beim Kulturhauptstadt-Budget geht man derzeit von rund 30 Millionen Euro aus, ein Drittel davon getragen von Land OÖ bzw. der Steiermark. Inwiefern kann und will das Land zusätzlich unterstützen, etwa bei Infrastrukturprojekten?

Stelzer: Dieses Budget war Grundlage der Bewerbung. Als Land leisten wir daher einen hohen finanziellen Beitrag und sind in regelmäßigem Austausch, wo wir zusätzlich unterstützen können. Allerdings geben die Verträge, die mit der Kulturhauptstadt-GmbH, dem Bund und dem Land Steiermark geschlossen wurden, auch klare Rahmenbedingungen vor. Wir sind in Gesprächen mit den Gemeinden und unterstützen, wo wir können.

Tips: Herr Androsch bezeichnete die geplanten Projekte im Salzkammergut als „global-exotisch“. Was gefällt Ihnen persönlich besser? Der ursprünglich angedachte Titel der Hauptausstellung „Salt.Lake.City“ oder der nun gefundene Titel „Im Sudhaus - Salz, Wasser, Holz & Kunst“.

Stelzer: Fragen, die die künstlerische Programmgestaltung betreffen, will ich nicht kommentieren, das ist der Gestaltungsbereich der Intendanz und der Künstlerinnen und Künstler. Selbstverständlich ist das Programm in seiner Gesamtheit zu sehen und letztendlich auch zu bewerten. Das ist Teil einer intensiven Diskussionskultur, die ja gerade auch im Salzkammergut gute Tradition hat und lebhaft gepflegt wird. Das Salzkammergut ist eine internationale Marke, daher werden wir auch an internationalen Ansprüchen gemessen. Das ist eine Riesen-Chance!

Tips: Solche Großereignisse brauchen die lokale Bevölkerung hinter sich. Das scheint im Salzkammergut noch nicht ganz der Fall zu sein. Lokale politische Streitereien haben wohl mit dazu beigetragen. Hätte es ein Machtwort gebraucht?

Stelzer: Sogenannte Machtworte haben noch selten dazu beigetragen, Probleme zu lösen. Wichtig ist aus meiner Sicht ein aufrechter Dialog mit allen Beteiligten. Bei derartig großen, umfassenden Projekten gehört eine lebendige Debatte dazu. Wenn das Jahr startet, und alle sehen, was es bedeutet, Europäische Kulturhauptstadt zu sein, wird auch die Dynamik eine ganz andere sein. Generell ist das Salzkammergut eine Region, die Kultur atmet. Je konkreter und sichtbarer das Programm wird, desto stärker wird das Projekt auch greifbar. Es wird mehr und mehr spürbar, dass etwas Neues in Bewegung kommt. Das war in Graz und Linz so, und wird sicher auch im Salzkammergut so sein.

Tips: Wir haben ein Superkulturjahr 2024 mit Kulturhauptstadt und erster OÖ KulturEXPO: Bruckner 2024. In Zeiten, in denen viele unter der spürbaren Teuerung leiden: Wie lassen sich für solche Ereignisse Steuerausgaben in Millionenhöhe rechtfertigen?

Stelzer: Die Bedeutung derartiger Projekte und ihrer Effekte kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Durch die Kulturhauptstadt und das Brucknerjahr stehen wir im internationalen Rampenlicht. Das erweckt auch internationales Interesse für unser Land, unsere Kultur, auch unseren Wirtschaftsstandort und natürlich bringt es Gäste. Man kann die Kultur nicht isoliert von anderen Bereichen sehen. Es ist ein Gesamtpaket, von dem wir reden. Wenn Oberösterreich es heute im Ranking der wettbewerbsfähigsten Industrieregionen Europas unter die Top-20 geschafft hat, hat das vor allem auch mit kreativen Impulsen zu tun, die von Kunst und Kultur ausgehen. Die Kulturhauptstadt und das Brucknerjahr werden das noch verstärken.

Tips: Ein Blick in die Zukunft: Was muss nach 2024 nachhaltig bleiben?

Stelzer: Beide Projekte beginnen nicht am 1. Jänner 2024 und enden auch nicht am 31. Dezember dieses Jahres. Es gibt einen Vorlauf und einen Nachhall. Wir sind bereits seit Monaten intensiv mit den Vorbereitungen beschäftigt. Das ganz allein bringt bereits viel in Bewegung. Genauso wird es nach dem 31. Dezember 2024 sein. Projekte in dieser Dimension wirken nach, weil sie neue Sichtweisen auf unser Land und seine Identitäten aufmachen. Nicht alles davon wird sich in Zahlen, Daten und Fakten messen lassen, aber es wird spürbar und sichtbar sein.

Tips: Ihr Terminplan ist sehr eng: Gibt es Formate und Veranstaltungen, auf die sie sich persönlich als Privatperson freuen und die sie besuchen wollen – sowohl in der Kulturhauptstadt als auch bei Bruckner 2024?

Stelzer: Da gibt es viele. Worauf ich mich besonders freue, sind jene Projekte, die aus der Zusammenarbeit von Kulturhauptstadt und Brucknerjahr entstehen. Hier werden Synergien sichtbar, die für besondere Erlebnisse im Jahr 2024 stehen. Sowohl die Kulturhauptstadt 2024 als auch das Brucknerjahr werden aber auch unabhängig voneinander mit ihren Programmen interessante und spannende Schwerpunkte setzen. Ich werde versuchen, bei vielen dabei zu sein.


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