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GRIESKIRCHEN. Zu einem ganz speziellen Kapitel der Grieskirchner Lokalgeschichte eröffneten die Schülerinnen der 6d-Klasse des BORG in der Bibliothek Lesefluss am Gries eine Ausstellung: „Grenzstadt Grieskirchen 1809-1816“. Sie erforschten die Zeit der napoleonischen Kriegswirren, in der Grieskirchen sieben Jahre lang eine bayerische Kleinstadt direkt an der Grenze zu Österreich gewesen war.  

Die Ausstellung zeigt unter anderem Ansichten von damals begleitet von informativen Texten.
  1 / 3   Die Ausstellung zeigt unter anderem Ansichten von damals begleitet von informativen Texten.

Von 1809 bis 1816 gehörten das Inn­viertel und große Teile des Hausruckviertels zum „Rheinbund“ und wurden von bayerischen Beamten verwaltet. Grieskirchen war also damals eine bayerische Grenzstadt, Parz und Schlüsslberg gehörten hingegen zu Österreich. In Kehrbach wurde die Grenzmaut eingehoben, Militär und Gendarmerie sicherten die mit Palisaden markierte Grenze.

Die Willkür der Grenzziehung verursachte viel Leid, zerriss Familien und brachte große wirtschaftliche Probleme. So verloren die Menschen wichtige Absatzmärkte für ihre Waren, wie etwa das Grieskirchner Leinen. Die vielen Verluste an Menschen und Kriegsabgaben – 1812 war Napoleon auch mit Soldaten aus Grieskirchen in Russland – schwächten Wirtschaft und Gesundheitszustand der Bevölkerung. Dazu kamen später die Blattern und eine Hungersnot, von der sich die Stadt erst um 1820 erholte.

Ein Blick auf die Geschichte

Im Rahmen der Eröffnungsfeier ­bedankte sich Bürgermeisterin Maria Pachner bei den BORG-Schülerinnen für ihr Engagement bei der intensiven Vorbereitung der Ausstellung und verwies auf den großen erzieherischen Nutzen einer solchen Beschäftigung sowie auf die Ak­tualität des Themas „Grenze(n)“ in unserer Zeit: Auch heutzutage würden wieder vermehrt irrationale Grenzen und Gräben gezogen, um Fremden den Zugang zu einem besseren und sichereren Leben zu verwehren. ­Dieser bedenklichen Entwicklung müsse man entschieden Einhalt gebieten.

Die ausgestellten Stadt- und ­Schlossansichten aus dieser Zeit ­stehen in starkem Gegensatz zur harten Lebenswirklichkeit der damaligen Bevölkerung, die in Begleittexten, Karten und Biografien (auch in englischer Sprache) verdeutlicht wird. So werden etwa Bilder der Brüder Kajetan und Johann Hartenstein gezeigt. Kajetan Hartenstein kam als junger Jurist um 1811 in die Gegend von Neumarkt im Hausruckviertel. Sein Bruder Johann amtierte als „Handwerkscommissaire“ in ­bayrischen Diensten und überprüfte 1811 die Rechnung der Weber- und der Schusterzunft in Grieskirchen. Beide stellten zahlreiche Orts- und Schlösseransichten nach der Mode ihrer Zeit her, darunter auch zwei Ansichten von Grieskirchen.

In Sichtweite der Bibliothek erinnert eine Kunstinstallation aus bunten Wollfäden am Geländer der „Fleischbrücke“ an den Untergang der ehemals wichtigen Leinenweberzunft vor 200 Jahren. Rund um 1816 hatten die Leinenweber durch die Grenzsituation ihre traditionellen Absatzmärkte verloren. Die Stadt musste sich unter großen wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten neu orientieren. Die Fäden in den damals aktuellen Farben verweisen auf große Mühen, aber auch auf Zähigkeit und Willenskraft auf dem Zukunftsweg.

Die Ausstellung Grenzstadt Grieskirchen kann noch bis Ende Mai in der Bibliothek besucht werden. Ein Malwettbewerb für Kindergartenkinder, ein Zeichenwettbewerb für Volksschüler und ein Designwettbewerb für Erwachsene runden das Angebot ab. Öffnungszeiten: Dienstag und Freitag 9-11 Uhr und 15-18.30 Uhr sowie Donnerstag 12-17 Uhr.


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