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GRIESKIRCHEN. Auf einem Ohr ist die gebürtige Grieskirchnerin Veronika Hörfarter taub. Normal hörend geboren, schädigte im Alter von drei Jahren ein Virus ihren Hörnerv. Wie es die 27-jährige trotz ihrer Hörbeeinträchtigung schafft, ihrer Leidenschaft für Musik nachzugehen, wie sich der Alltag mit nur einem hörenden Ohr gestaltet und ihre Erfahrungen, als sie erstmals nach 18 Jahren ein Hörimplantat bekam, schildert die heute in Graz lebende Veronika Hörfarter im Interview.

Die leidenschaftliche Pianistin Veronika Hörfarter liebt die Musik. Ihre Hörbeeinträchtigung steht ihr dabei nicht im Weg. Foto: Leigh Ferguson (MED-EL)

Tips: Wie kam es zu Ihrer Hörbeeinträchtigung?

Veronika Hörfarter: Als im Alter von drei Jahren eine Virusinfektion zur Ertaubung meines linken Ohrs führte, wurde vermutet, dass der Hörnerv geschädigt ist, weshalb es zu keiner Hörgeräte- oder Hörimplantatsversorgung kam. 2010 stellte sich heraus, dass nicht der Hörnerv, sondern die Cochlea, die Sinneszellen in meiner linken Hörschnecke, geschädigt sind. Somit stand der Weg frei für ein Cochlea-Implantat, das 2011 eingesetzt wurde.

Tips: Wie wirkt sich diese Hörbeeinträchtigung im Alltag aus?

Mit nur einem statt zwei hörenden Ohren ist Richtungshören nicht möglich. Das heißt, ich kann Geräusche nicht lokalisieren, weiß ohne visuelle Hilfe nicht wo das Handy liegt wenn es läutet. Wenn mich jemand von der linken Seite her anspricht, höre ich es nicht. Als Beifahrer im Auto kann ich, ohne mich zum Lenker hinzudrehen, nicht hören was er sagt. In lauter Hörumgebung mit vielen Hintergrundgeräuschen, wie in Restaurants, im Cafe oder wenn mehrere Personen miteinander reden, habe ich Schwierigkeiten Gesprächen zu folgen. Solche Hörsituationen sind sehr anstrengend und bereiten wenig Freude. Ich habe mit meinem tauben Ohr aber auch viel gelernt. Ich kann Lippenlesen, was mir in schwierigen Hörsituationen hilft. Außerdem bin ich gut darin Körpersprache wahrzunehmen, da ich das Gesagte oft nicht komplett höre. Die Körpersprache ist aber auch ohne Worte „hörbar“. Diese Fähigkeit kommt mir im Umgang mit Menschen, besonders in meinem Beruf als Ergotherapeutin, zugute.

Tips: Sie sind leidenschaftliche Musikerin. Was lieben Sie am Musizieren?

Mit dem Musizieren habe ich früh, in einer Kindermusikgruppe, begonnen. Sicher auch weil ich aus einer musikalischen Familie stamme. An der Musik liebe ich die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten. Mit Musik ist es möglich, so vieles „einzufangen“. Noten am Papier sind schön und gut, aber lebendig werden sie erst durchs Spielen. Dieser kreative Prozess bereitet mir viel Freude.

Tips: Sie nahmen am Musikfestival „Beats of Cochlea“ in Polen teil, einem Festival für hörbeeinträchtige Musiker. Ihre Erfahrungen?

Beim Festival selbst steht die Musik im Mittelpunkt – es gibt Master Classes, in denen man von Profimusikern lernt, Theorievorträge zum Thema Musik sowie Konzertabende. Für die Teilnahme kann man sich mit einem Musik- oder Gesangsstück bewerben. Das habe ich mit einem meiner selbst geschriebenen Klavierstücke gemacht und wurde daraufhin zur Teilnahme eingeladen. Die Teilnahme wurde von MED-EL, der Firma meines Hörimplantates, gesponsert, und mein Freund Klaus war auch mit dabei. Es war herrlich, Menschen mit Hörimplantaten aus der ganzen Welt kennenzulernen, die Freude an der Musik zu teilen.

Tips: Schildern Sie bitte Ihre erste Erfahrungen mit dem Implantat.

Das erste Geräusch, das ich nach der Aktivierung des Implantats gehört habe werde ich nie vergessen – ich habe ein Glas Wasser auf einem Steintisch abgestellt und das mit links gehört. Das war einfach wunderbar, hatte ich doch auf dem linken Ohr 18 Jahre lang nichts gehört. Das Implantat unterstützt mich in vielfältiger Weise. Ich kann nun wieder Richtungshören, was vieles im Alltag sehr erleichtert. Ich höre jetzt, wenn mich jemand von links anspricht und komme in schwierigen Hörsituationen besser und mit weniger Anstrengung zurecht – gemeinsam ins Restaurant zu gehen oder mich mit Freunden im Cafe zu treffen macht wieder Freude. Auch für das musikalische Gehör macht es einen Unterschied – das erste Mal Singen im Chor hat mich zu Tränen gerührt, weil ich auf einmal das ganze, volle Spektrum des Klangs des Chors und nicht mehr nur was ich von rechts kommend auf meinem rechten Ohr hörte.

Was möchten Sie mit der Musik noch erreichen?

Haben Sie einen Traum?Zu Hause in Grieskirchen gibt es noch das Cello meines Opas, das mich sehr fasziniert und das ich gerne spielen lernen möchte. Und ein Traum? Wenn ich mir musikalisch etwas wünschen darf, würde ich gerne einmal mit Ludovico Einaudi, einem meiner Lieblingskomponisten und Musiker, musizieren.

Über Cochlea

Ein Cochlea Implantat ist eine medizinisch-technische Lösung die es bei bestimmten Arten des Hörverlustes ermöglicht, wieder zu hören. Ein Außenteil mit Mikrofon nimmt Geräusch auf, diese werden dann umgewandelt und über eine implantierte Elektrode werden die Zellen in der Cochlea mit diesen Impulsen stimuliert. Nach der Implantation ist gezieltes Hörtraining nötig, um das Hören wieder zu lernen.


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